Das Skelett, das in der Lehrstraße gefunden wurde, sorgte für eine Überraschung, denn es ist deutlich älter als gedacht und das Skelett der bisher ‚älteste Rottweilerin‘ des Rottweiler Neubeginns nach der Römerzeit. Foto: Siegmeier

Die Archäologen machen in Rottweil nicht nur einen besonderen Fund. Sie präsentieren für unsere Leser die interessanten Untersuchungsergebnisse der vergangenen Monate.

Klaus Kortüm, scheidender Gebietsreferen, und Christoph Wulfmeier, Leiter der Arbeitsstelle Rottweil des Landesamtes für Denkmalpflege, präsentieren interessante Untersuchungsergebnisse der jüngsten Funde. Puzzlestücke der Geschichte bringen neue Erkenntnisse ans Licht.

 

Auf ein interessantes Jahr blickt das Archäologenteam der Arbeitsstelle Rottweil des Landesamtes für Denkmalpflege zurück. Erst vor wenigen Tagen sind die Laborergebnisse zu den Funden von den Rettungsgrabungen in der Lehr- und der Heerstraße eingetroffen. Und die überraschen, wie Wulfmeier betont.

Ein Skelett Bei einer Baumaßnahme war im Sommer in der Lehrstraße ein Skelett freigelegt worden. Die Archäologen bezeichneten den Fund in Rottweil-Altstadt als „kleine Sensation“. Bisherige Grabfunde in dem Gebiet habe man nur ungefähr datieren können. Das aktuelle Skelett konnte nun mit der C14-Methode, auch Radiokarbonmethode genannt, untersucht werden, und so das Alter der Knochen ermittelt werden.

Wulfmeier vermutete damals, dass es sich bei dem Fund um das Skelett einer jungen Frau oder eines Mädchens handle. „Die junge Frau war etwa 1,60 Meter groß und hat bei ihrer Bestattung Creolenohrringe mit jeweils einer Perle getragen“, sagte er. Das Skelett war nach Osten ausgerichtet, was für eine frühmittelalterliche Bestattung spreche.

Ältesten Rottweilerin Zeitlich ordnete der Archäologe die Bestattung zwischen 700 und 800 nach Christus ein. Das Ergebnis der naturwissenschaftlichen Untersuchung sorgte für eine Überraschung, denn das Skelett ist mindestens 50 Jahre, also zwei Generationen, älter als zunächst angenommen. „Damit ist es das Skelett der bisher ‚ältesten Rottweilerin‘ des Rottweiler Neubeginns nach der Römerzeit. „Das ist sehr spannend“, so Klaus Kortüm.

Siedlungsgeschichte „Hier sieht man, wie wichtig es ist, auch heute noch die frühmittelalterlichen Bestattungen wertzuschätzen, zu bergen und zu untersuchen. Es gibt immer wieder neue Erkenntnisse, die die Siedlungsgeschichte Stück um Stück weiter sichtbar machen“, so der Experte.

Zur frühen Siedlungsgeschichte Rottweils vor der ersten schriftlichen Erwähnung 771 nach Christus gebe es noch viele Fragen. Wo lagen die frühsten mittelalterlichen Siedlungsplätze Rottweils und wie sahen diese aus? Auch die weitere Entwicklung der Wohnplätze in Rottweil-Altstadt ist noch lange nicht abschließend untersucht.

Ende Juli gab es dann in der Heerstraße den nächsten Fund. Ein Tongefäß, das zunächst wie eine alte Vase anmutet. Eines ist schnell klar: Es ist ungewöhnlich für die Gegend, Herkunft und Alter sind nicht spontan zu bestimmen.

Foto: Siegmeier

Vier Gräber Dann kommen auf dem Grundstück vier Gräber mit Skeletten ans Licht. Auch sie werden geborgen und untersucht. Bei dem Gefäß handelt es sich um eine „fränkische Flasche“, so das Ergebnis der weiteren Forschungen. Und die sei normalerweise deutlich nördlich des Neckarraumes zu verorten. In Rottweil sei der Fund, der aus einem Grab stammen muss, bislang einmalig. Zogen Franken also hier durch? Brachte sie jemand als Geschenk mit? Oder wurde darin etwas transportiert?

Neue Erkenntnisse liefern auch hier die Skelettfunde, die ebenfalls mit der Radiokarbonmethode beprobt wurden. Das kleine, im Grundsatz schon länger bekannte Gräberfeld an der Heerstraße gehört demnach in die Zeit zwischen 600 und 700 nach Christus.

Spannend sind zudem Funde aus dem Rottweiler Filztal. Die stammen aus der Römerzeit. Die Fortsetzung einer römischen Straße war den Archäologen bereits bekannt. Doch ein Mauerfund deutet auf ein Steingebäude in diesem Bereich hin.

Größer als gedacht? „Das Gebiet war bis vor wenigen Jahren nicht als römische Siedlungsfläche bekannt“, weiß Wulfmeier. Erst 2018 gab es erste Hinweise. Damit stellt sich den Archäologen nun die Frage: „War das römische Rottweil größer als gedacht?“ Die Fachleute hoffen hier in den nächsten Jahren auf weitere Erkenntnisse. Dabei sind sie allerdings auf die Unterstützung der Bauherren angewiesen. Zufallsfunde könnten zur weiteren „Erschließung“ des römischen oder mittelalterlichen Rottweils beitragen. Und Rettungsgrabungen, versichert Wulfmeier, würden in der Regel meist nur wenige Stunden Zeit in Anspruch nehmen.