In Bad Wildbad und Umgebung ist der allgemeine Mangel an fachlicher Schwangerschafts- und Nachsorgehilfe nicht so drastisch wie anderswo. Ein Grund dafür ist auch die neue Hebammenpraxis in Calmbach.
Bereits seit September betreiben Melanie Krebs und Nadine Schuster ihre weit über die Stadtgrenzen hinaus gefragte Hebammenpraxis am Eiberg 14 in Calmbach. Vorher wurden die jetzt außerhalb von Zeiten der Hausbesuche zu Behandlungen und Kursen bereitstehenden Räume von dem Ehepaar Gabi und Dieter Neher für Physiotherapie-Anwendungen genutzt. Im Dezember 2021 beendeten sie zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Rosi Stehle-Babo nach 34 Jahren diese Tätigkeit und genießen seither alle drei den Ruhestand.
„Eigentlich wollten wir ursprünglich die Räume einem Nachfolger übergeben, aber es fand sich keiner“, erklärt Dieter Neher. So entstand der Gedanke zum Umbau in eine Wohnung. Dann traten die beiden Hebammen auf den Plan. Sie suchten nach Praxis- und Kursräumen, weil ihr Domizil in Wildbad anderen Zwecken zugeführt werden sollte.
Sie haben ganz ordentlich Arbeit in der Stadt, im großen Enztal bis Enzklösterle, auf der Enz-Nagold-Platte zwischen Engelsbrand und Neuweiler oder auch bis in den Raum Bad Herrenalb. Dabei sind sie nicht als Geburtshelferinnen unterwegs. Melanie Krebs aus Rötenbach hat sich in der Praxisgemeinschaft vor allem auf die Vor- und Nachsorge spezialisiert. Die Rückbildung ist das Arbeitsfeld von Nadine Schuster aus Bad Herrenalb.
2017 gestartet
Gestartet sind beide mit ihrer Praxisgemeinschaft 2017. Damals ging Ursula Jahn-Zöhrens aus Bad Wildbad in die Verbandspolitik für ihre Berufskolleginnen, und beide übernahmen quasi die Nachfolge. Zum Metier gehören auch Methoden wie Taping, Akupunktur oder etwa nach einem Kaiserschnitt das die Heilung fördernde Lasern. Die Nachsorge beginnt am Wochenbett und setzt sich in Hausbesuchen und Kursen fort. Das Angebot gilt der Mutter wie dem Baby. So startet etwa am 9. Dezember 2023 im Kursraum der Praxis ein Lehrgang „Erste Hilfe am Kind“. Auch Baby-Massage steht auf dem Plan und weitere Angebote sind in Vorbereitung. Beide schätzen Ursula Jahn-Zöhrens als Ansprechpartnerin und gelegentliche Vertretung. Natürlich haben sie auch am internationalen Hebammen-Kongress mitgewirkt, der kürzlich in Wildbad stattfand.
Die Nachfrage ist groß, denn es mangelt in Deutschland an Hebammen. Dies wird auf die Rahmenbedingungen zurückgeführt, die bis hin zu jährlich horrenden Versicherungssummen im fünfstelligen Bereich für in der eigentlichen Geburtshilfe tätige Fachkräfte reichen. Trotz gewährten Zuschüssen müssen immer noch etwa 3000 Euro von der frei arbeitenden Hebamme getragen werden, weiß Melanie Krebs. Schon während der Schwangerschaft und für zwölf Wochen nach der Geburt haben Mütter Anspruch auf Hebammenhilfe. Letztere nehmen nach einer aktuellen Studie nur rund 80 Prozent der Frauen in Anspruch. Häufigste Ursache für einen Verzicht ist, dass im näheren Umfeld keine Hebamme zu finden ist.
Ambulantes Angebot
Dem helfen Melanie Krebs und Nadine Schuster insoweit ab, als sie in ihrer Praxis über ihren eigentlichen Wirkungsbereich hinaus – wenn eine Mutter sonst niemanden findet – ein ambulantes Angebot machen. Den Wirkungsbereich schränken, abgesehen von Kapazitätsproblemen, praktisch die Kassen ein, denn sie bezahlen nur für einen Anfahrtsweg bis zu 20 Kilometern.
Wer mehr über die Praxis in Calmbach und deren Angebote erfahren möchte, wird unter www.hebamme-nadineschuster.de oder www.frauenkraut.de fündig.