Zweitligist HBW Balingen-Weilstetten peilt den Aufstieg an – sportlich, wirtschaftlich und infrastrukturell. Das Interview mit den Geschäftsführern Felix König und Axel Kromer .
Der HBW Balingen-Weilstetten steht auf Tabellenplatz zwei, der Aufstieg in die erste Bundesliga ist realistisch. Im Interview sprechen die Geschäftsführer Felix König und Axel Kromer über die Herausforderung der Doppelplanung, die schwierige Hallensituation, die Kaderstrategie und die Bedeutung der eigenen Jugendarbeit.
Der HBW steht aktuell auf Tabellenplatz zwei, der Aufstieg in die erste Bundesliga ist durchaus realistisch. Wie herausfordernd ist es, parallel für die zweite und für die erste Liga zu planen?
Felix König: Es ist immer herausfordernd. Das hängt vor allem mit dem engen zeitlichen Rahmen zusammen. In der Regel wissen wir oft erst am vorletzten oder letzten Spieltag, in welcher Liga wir in der kommenden Saison tatsächlich spielen. Gleichzeitig gibt es klare wirtschaftliche und formale Vorgaben der Handball-Bundesliga. Bis zum 1. März müssen wir die Lizenz für die Liga einreichen, in der wir aktuell spielen. Und bis zum 31. März müssen wir dann auch die Unterlagen für die Liga vorbereiten, für die realistische Chancen bestehen.
Wo liegen die größten Unterschiede?
Felix König: Die Lizenzierung hängt eng mit unserer gesamten Planung zusammen, insbesondere mit der Ergebnisrechnung. Dabei müssen wir die zweite und die erste Liga klar getrennt betrachten, weil es wirtschaftlich in vielen Bereichen deutliche Unterschiede gibt. Das macht die Planung kompliziert.
Es gibt zwar einen größeren allgemeinen Kostenblock, bei dem es nicht den riesigen Unterschied macht, ob wir in der ersten oder zweiten Liga spielen. Wir sind im Umfeld inzwischen so professionell aufgestellt, dass wir in der zweiten Liga nichts künstlich kleinrechnen. Das macht die Planung für die erste Liga etwas leichter. Hinzu kommen aber infrastrukturelle Anforderungen, die uns beschäftigen – etwa beim Thema Videobeweis. Da stoßen wir mit unserer Halle an Grenzen und müssen immer wieder improvisieren. Das kennen wir zwar schon aus früheren Jahren, aber es bleibt ein riesiges Brett.
Was bedeutet die Hallensituation ganz konkret?
Axel Kromer: Unsere Arena bringt uns wirtschaftliche Nachteile. In der zweiten Liga kann man das vielleicht mit rund 350 000 Euro beziffern, in der ersten Liga sind es definitiv etwa eine Million Euro, die wir nicht einnehmen oder akquirieren können, weil wir keine Arena haben, die die Voraussetzungen und das Potenzial erfüllt, das eigentlich da wäre. Wenn man sieht, wie schnell bestimmte Spiele ausverkauft sind, inklusive Vorkaufsrechte und allem Drum und Dran, dann zeigt das ganz klar, welches Potenzial die Region hat und wie groß das Handballinteresse hier ist. Genau deshalb führen wir für den Fall eines Aufstiegs auch Gespräche mit anderen Arenen an anderen Standorten. Dann könnte es sein, dass wir einzelne Spiele nicht in Balingen austragen, sondern an einer anderen Spielstätte. Das muss nicht gegnerspezifisch, das kann auch terminabhängig sein.
Wie läuft der Austausch mit der Stadt?
Axel Kromer: Wir haben mit der Stadt ein sehr gutes und enges Verhältnis. Dort kennt man unsere Themen sehr genau. Ich glaube auch, dass die Stadt bei einem Wunschkatalog ziemlich dasselbe ankreuzen würde wie wir. Natürlich wäre es für Balingen und die Region schön, wenn es hier eine moderne Arena mit 5000 Plätzen gäbe, die nicht nur für Handball, sondern auch für Konzerte, Messen und andere Veranstaltungen genutzt werden könnte. Klar ist aber auch: Die wirtschaftliche Lage ist schwierig. Das hören wir in allen Gesprächen, und das erleben wir auch selbst in der Akquise. Niemand sagt im Moment: Das machen wir sofort. Aber es gibt Verständnis dafür, dass wir diese Themen nicht ansprechen, um die Stadt unter Druck zu setzen, sondern weil wir dafür sorgen müssen, dass der Bundesliga-Standort Balingen langfristig erhalten bleibt. Dazu gehört auch, andere Potenziale zu erschließen, wenn wir sie in der aktuellen Arena nicht ausschöpfen können.
Kommen wir zur Kaderplanung. Wenn der Aufstieg möglich ist, muss man sich früh Gedanken machen, welche Spieler zum HBW passen könnten. Wie wichtig ist dabei für potenzielle Neuzugänge die Ligazugehörigkeit?
Felix König: Die ist natürlich wichtig. Wir haben im vergangenen Jahr viele Spielergespräche für die laufende und die kommende Saison geführt. Damals standen wir auf Platz drei oder vier und hatten noch die Hoffnung auf den Aufstieg, auch wenn die Wahrscheinlichkeit größer war, dass wir es nicht schaffen. Trotzdem konnten wir Spieler mit der Perspektive erste Bundesliga überzeugen.
Es kommt bei leistungsstarken Spielern schon darauf an, dass sie die Chance sehen, sich in Richtung erste Liga zu entwickeln. Keiner kommt zu uns, weil er hier 500 Euro mehr verdient als anderswo. Spieler kommen zu uns, weil wir ihnen im sportlichen Bereich zeigen können, dass wir in Balingen sehr professionell am Spitzenhandball arbeiten. Dazu gehören Trainingstermine tagsüber, eine gute medizinische Betreuung, professionelle Strukturen im Umfeld und eine Geschäftsstelle, die alles dafür tut, dass sich die Spieler auf ihren Job konzentrieren können. Hinzu kommt das familiäre Umfeld, in dem wir uns um die Spieler und deren Familien kümmern.
Jeder, der gekommen ist, hatte den Traum, mit uns in die erste Liga zu gehen. Deshalb enthalten viele Verträge auch Regelungen für den Fall des Aufstiegs. Gleichzeitig haben wir unsere personellen Planungen im Grunde fast abgeschlossen. Im Torhüterbereich muss man etwas genauer schauen. Insgesamt gilt aber: Wir haben auch schon Gespräche geführt, die gescheitert sind, weil wir uns nicht früh genug festlegen wollten oder konnten. Das gehört dazu.
Das heißt, es ist eher ausgeschlossen, dass noch weitere Spieler dazukommen?
Axel Kromer: Im Moment ist das eher nicht die Idee. Ganz ausschließen kann man es im Profisport nie, weil immer davon abhängt, wer absteigt, welche Optionen sich für Spieler ergeben und wie sich unsere wirtschaftliche Situation entwickelt. Wenn wir zum Beispiel einen neuen Hauptsponsor gewinnen würden, hätten wir natürlich andere Möglichkeiten. Dann würden wir dieses zusätzliche Geld sicher nicht in neue Fenster investieren, sondern überlegen, wie wir unser sportliches Potenzial weiter steigern können.
Wie laufen solche Transfers grundsätzlich ab? Kommen Berater auf Sie zu oder geht die Initiative vom HBW aus?
Felix König: Beides. Heute hat im Grunde jeder Spieler einen Berater. Es gibt Agenturen, mit denen wir schon seit Jahren zusammenarbeiten, weil mehrere unserer Spieler von dort betreut werden. Da gibt es einen regelmäßigen Austausch, und manchmal kommen Berater proaktiv auf uns zu und fragen, was wir suchen. Es gibt aber genauso viele Fälle, in denen die Initiative von uns ausgeht – aus unserer sportlichen Expertise heraus, gemeinsam mit Geschäftsführung, sportlichem Staff und Trainern.
Dann beobachten wir Spieler, scouten sie und werden auch selbst aktiv. Da haben wir keine Hemmungen, einen Spieler direkt anzurufen. Häufig läuft es danach trotzdem über den Berater weiter. Es ist also ein Mix: Manche Spieler werden uns angeboten, andere haben wir selbst schon länger auf dem Schirm.
Der HBW ist erneut mit dem Jugendzertifikat ausgezeichnet worden. Viele Spieler – nicht nur in Balingen, sondern bundesligaweit – haben die Gallier-Schmiede durchlaufen. Ist die Förderung der Jugend auch künftig der zentrale Weg?
Felix König: Ganz klar: Ja. Mit der Verpflichtung von Axel ist dieses Thema noch einmal stärker in den Fokus gerückt. Er hat deutschlandweit viel gesehen, weiß, wie Handball funktioniert und vor allem, wie Nachwuchsarbeit funktioniert. Wir können und wollen es nur über diesen Weg schaffen.
Wir werden nie der Klub sein, der sich seinen Kader ausschließlich extern zusammenkauft. Dafür gibt es zwei einfache Gründe: Erstens zeichnet uns genau das aus. Die Menschen identifizieren sich mit uns, weil bei uns eigene Spieler den Weg nach oben schaffen. Und zweitens ist es auch wirtschaftlich ein entscheidender Faktor. Eigene Spieler sind in den ersten Jahren günstiger als externe. Das ist kein Geheimnis.
Wenn wir alles extern holen müssten, würde dieses Konstrukt so nicht funktionieren. Unsere Partner unterstützen das Projekt auch deshalb, weil es für Nachhaltigkeit und für Werte steht. Im Idealfall begleitet man ein Kind von den Minis bis in die Bundesliga. Wenn es dann noch jemand aus der Region ist, steigert das die Bindung bei Fans, Sponsoren und im ganzen Umfeld. Das ist sportlich, emotional und wirtschaftlich wichtig.
Von außen klingt dieser Weg eigentlich sehr logisch. Warum machen das nicht alle Vereine so?
Axel Kromer: Grundsätzlich findet das wahrscheinlich jeder Verein gut. Niemand würde freiwillig einen Spieler von weit her holen, wenn er den passenden Spieler aus der Region haben könnte.
Unser Vorteil ist, dass HBW und JSG schon immer stark über diesen Weg gekommen sind. Wir profitieren heute davon, dass in der Vergangenheit bereits in Nachwuchsarbeit investiert wurde.
Und genau das ist der entscheidende Punkt: So etwas neu aufzubauen, ist teuer. Nachwuchsarbeit kostet Geld. Wir haben hier zwei Hauptberufliche, die ausschließlich für diesen Bereich arbeiten – Nachwuchstrainer und -Koordinator. Das ist ein erhebliches Investment. Dieses Geld könnte man theoretisch auch in einen Profispieler für die erste Mannschaft stecken. Diese Abwägung ist für Vereine, die bislang noch nicht in diesem Umfang investiert haben, natürlich schwierig.
Trotzdem sagen wir ganz bewusst: Wir müssen den nächsten Schritt gehen. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Wenn wir in zwei oder drei Jahren auf einem noch höheren Niveau eigene Spieler ausbilden wollen, brauchen wir mehr Trainingsumfang, mehr Trainingsqualität und bessere Rahmenbedingungen.
Dazu gehört auch, dass Spieler von weiter weg hierherkommen, zur Schule gehen und im besten Fall vor Ort leben können. Genau an diesen Themen arbeiten wir auch in der Zukunft weiter.