Vor dem Final Four im DHB-Pokal in Köln spricht Axel Kromer, Geschäftsführer beim HBW Balingen-Weilstetten, über die Euphorie im Verein, die Chancen auf einen Sieg gegen Melsungen und seine Pläne auf dem HBW-Partyboot auf dem Rhein.
Es ist die größte Bühne im deutschen Handball, auf der sich der HBW Balingen-Weilstetten am Wochenende präsentieren darf. Im Final Four des DHB-Pokals will der HBW die Sensation schaffen. Axel Kromer, seit Februar Geschäftsführer bei den „Galliern“, kennt sich auf diesen Bühnen bestens aus, jahrelang war er als DHB-Vorstand bei internationalen Großereignissen mit dabei. Vor dem Final Four hat der 48-Jährige mit unserer Redaktion über das Wochenende in Köln und die sportliche Zukunft des HBW gesprochen.
Herr Kromer, als DHB-Vorstand waren Sie im vergangenen Sommer beim olympischen Finale dabei, am Wochenende geht’s mit dem HBW zum DHB-Pokal-Final-Four. Wo war die Anspannung größer?
Da muss ich niemandem etwas vormachen. Natürlich ist ein olympisches Viertel- oder Halbfinale unglaublich prägend. Aber selbstverständlich nehme ich bei uns im Verein wahr, dass all diejenigen, die den ganzen Weg von Runde eins bis in Final Four gegangen sind, unglaublich viel Vorfreude haben. Und auch bei mir ist die Vorfreude groß.
Nach Ihrem Interview mit Dyn hat die „Bild“ von einer „irren Party“ geschrieben, die der Verein in Köln feiern will. Ist das so?
Generell fährt der HBW nach Köln, um sich mit seiner Profimannschaft zu präsentieren und eine Topleistung abzurufen.
Das heißt, das Sportliche steht im Mittelpunkt?
Natürlich gibt es viele Menschen, für die ist das Wochenende viel mehr als nur zwei Handballspiele. Daher haben wir gesagt, dass es ein Ereignis werden soll, das sich einprägt. Neben einem Fanshop vor Ort und dem Fanmarsch haben wir auch ein Partyboot gechartert und wollen mit unseren Fans, Partnern und Familien etwas erleben, das besonders ist.
Wie sieht der Plan fürs Wochenende aus? Wann geht es nach Köln?
Am Freitagmorgen geht es los. Die einen werden sich dann sportlich auf das Halbfinale vorbereiten, während meine Kolleginnen und Kollegen aus der Geschäftsstelle drumherum viel arbeiten müssen. Da gibt es vor Samstag noch viele Dinge zu klären.
Was wird Ihre Aufgabe am Wochenende sein?
Für mich geht’s auch darum, das Team zu begleiten. Und wenn die Spieler sich Samstagabend auf das Sonntagspiel vorbereiten, dann werde ich gemeinsam mit vielen anderen das Partyboot kräftig durchschütteln. Wir wollen dort den Zusammenhalt der HBW-Familie leben und zeigen.
Sie haben das Sportliche bereits angesprochen. Mit dem Bundesliga-Zweiten aus Melsungen wartet im Halbfinale ein echter Brocken.
Wir wissen, dass die Aufgabe auch dann zu groß sein kann, wenn wir eine Topleistung zeigen. Wenn wir das nicht schaffen, wird es ohnehin nicht reichen. Wir wollen alles dafür tun, dass die MT nicht ihr Potenzial ausschöpfen kann, und dann müssen wir da sein!
Wie ist die Stimmung in der Mannschaft?
In den vergangenen Wochen haben wir versucht, das Final Four noch, so gut es ging, im Hintergrund zu halten, um den Fokus in der Liga nicht zu verlieren. Aber jetzt, in den Tagen vor dem Turnier, ist es eine offen gelebte Vorfreude.
Egal, welcher Platz am Ende rausspringt: Kann der Verein von dem Turnier profitieren – vielleicht sogar noch mit Blick auf den Aufstiegskampf in dieser Saison?
Ja, aus so einem Event kann man durchaus gestärkt hervorgehen. Wir sehen auch, dass der TV Hüttenberg und GWD Minden nicht komplett ohne Schwächen sind. Aber erst mal geht’s darum, dass wir gute Leistungen zeigen. Unser Auftritt allgemein ist wichtig für die Zukunft des Vereins. Hauptziel für uns als Vereinsführung ist zu schauen, dass wir davon auch wirklich profitieren.
Sie sind jetzt seit gut zwei Monaten als Geschäftsführer beim HBW. Wohin geht der Weg in den kommenden Jahren?
Ich sage Ihnen ehrlich, dass es derzeit schwierig ist, über sportliche Ziele zu reden. Denn es ist schwer zu sagen, wie sich die wirtschaftliche Lage entwickeln wird. Natürlich möchte ich, dass wir sportlich den maximalen Erfolg erzielen. Aber ich weiß auch, dass man sportliche Ziele nie losgelöst von der wirtschaftlichen Situation betrachten kann, und die aktuellen Entwicklungen in der Weltwirtschaft machen Planung nicht einfacher.
Zur Person
Bevor Axel Kromer am 1. Februar 2025 neben Felix König zweiter Geschäftsführer beim HBW Balingen-Weilstetten wurde, war er lange beim Deutschen Handballbund (DHB). Von 2014 bis 2017 war er Co-Trainer der Nationalmannschaft und gewann 2016 EM-Gold, danach war er bis Ende des vergangenen Jahres DHB-Sportvorstand.