Extra-Pose für die Presse: Harald Schmidt, Bernd Gnann und Uli Kofler bei ihrem Auftritt in Badenweiler. Foto: Dorothee Philipp

Harald Schmidt begeisterte redegewandt bei seinem Auftritt mit Bernd Gnann und dem Pianisten Uli Kofler in Badenweiler. Zwei Stunden gingen viel zu schnell vorbei.

Wenn Harald Schmidt, Großmeister des deutschen Late-Night-Talks, mit Bernd Gnann, Kabarettist und langjähriger Geschäftsführer von Baden TV, ins Schwätzen kommt, ist Showtime. So auch in Badenweiler, wo das Duo rund 400 Fans in den nicht ganz voll besetzten großen Saal des Kurhauses lockte.

 

Zunächst gibt es zünftig was auf die Ohren, als mit Uli Kofler ein Musiker am Flügel Platz nimmt, der unter anderem zehn Jahre lang als persönlicher Pianist von Jopi Heesters Millionen begeistert hatte. Man merkt gleich: das ist mehr als nur Hintergrundgeklingel. Auf dem Plakat wird dieser Mann nicht erwähnt, da ist nur Platz für Schmidt formatfüllend und seinen winzigen, über seine Schulter lugenden Sidekick Gnann.

Dann kommt der Bauernsohn aus Oberschwaben, auf die Bühne, berichtet von seinen sieben Geschwistern – „mein Bruder hatte auch sieben“ – und dem Kuhstall seines Elternhofes, in dem Kuh Bärbel den Rekord von 32 Litern Milch pro Tag aufstellte. Schwäbisches Wohlfeeling breitet sich aus.

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte des Abends, der laut Titel ein unvorbereiteter ist, geht so: Die beiden treffen sich bei einem Begräbnis und sie kennen sich von der Schauspielschule her. Wie das bei einem Altersunterschied von 16 Jahren gehen kann, bleibt offen. Man könnte doch…, also tun sie’s.

Nach dem charmanten Vorgeplänkel „und hier kommt – Harald! Schmidt!“ tritt der Hauptakteur aus dem Off, und das gespannt wartende Volk bricht in donnernden Beifall aus. In feinen, sehr lose sitzenden Nadelstreif gewandet (hat er abgenommen?) mit blütenweißem Hemd und elegantem Schuhwerk geht er sogleich in medias res, so schnell kann man gar nicht schalten, wie er die Themen daherprasseln lässt. Mütterrente, Fußball, Katar, Nancy Faeser mit Armbinde, Anti-Wehrpflicht-Demo in Freiburg, Zivildienst in Nürtingen, Putin im Flecktarn und Dobrindt im Polizei-Anorak.

Kaberettistischer Pfiff

Und dann Schmidts „Tschäg“, der Acht-Zylinder-Jaguar, der vierzehneinhalb Liter braucht. Man lehnt sich zurück und hat Spaß an den bissigen Pointen, mit denen der Meister alltäglichsten Sachen einen kabarettistischen Pfiff gibt. Sein Sidekick zieht lustig mit, er fährt als schwäbischer Bauer lieber einen Diesel, der fünfeinhalb braucht.

Die beiden Muttersprachler harmonieren bestens, auch wenn sie sehr unterschiedlich angezogen sind. Gnann im Casual Look – wahrscheinlich der einzige Schauspieler weltweit, dem auch eine eigene Airline gehört – zitiert mit Schmidt Klassiker um die Wette, sogar Becket reimte Breisgau auf Scheißgau, während er auf Godot wartete. Auch einige schon bekannte Witze werden als Schmiermittel herangezogen.

Musikalische Unterhaltung

Aufgelockert wird dieses amüsante Kneipengefrotzel durch das Gespann Kofler-Gnann, das herrliche Lieder anstimmt, „Madame, Sie sind so schön“ und Horst das Hähnchen, das, wie Karl der Käfer, nicht gefragt wurde. Es wurde abgenagt. Auf ein Zeichen von Gnann beißt das Publikum kollektiv und lautstark in die vorher verteilten Bio-Möhren, ein akustischer Spaß sondergleichen. Der Harald Schmidt einige Pirouetten zum Thema Zahngesundheit entlockt, bis er schließlich über „Hallux Valgus“ zum gleichnamigen isländischen Romancier und Zitaten aus dessen Originaltext überleitet.

Erzählsportliche Disziplin

Wie man einen Witz locker auf zehn bis zwölf Minuten ausdehnt und damit das Publikum unterhält, demonstriert Schmidt mit der Geschichte von Miranda und der alten Cordhose. Vom Thema abschweifen als erzählsportliche Disziplin, das klappt aber halt nur, wenn man so viele Meriten und Erfahrungen als Talkmaster hat wie Harald Schmidt, es gibt kein Thema, auf das er nicht aufspringen könnte. Trotzdem hat das Ding einige Längen. Riesenspaß hat das Publikum an seiner Schnarch-Einlage mit Apnoe, dramatisch verstärkt durch das Mikrofon.

Showdown

Der Showdown des Abends ist ein Knaller: Mireille Matthieu singt „Santa Maria“ auf einer Schallplatte, die nicht nur Kratzer, sondern auch Temposchwankungen beim Abspielen hat. Gnann, fünf Jahre alt, als das Lied 1978 veröffentlicht wurde, jetzt barfuß im schwarzseidenen knielangen Hemdchen mit schwarzer Bob-Perücke und imposantem Achselhaar-Toupet, liefert zu tanzenden Lichtern eine Playback-Nummer vom Feinsten, bei der kaum ein Auge im Saal trocken bleibt.

Der Beifall rauscht lang und heftig. Man hat zwei Stunden lang entspannte, Unterhaltung genossen, die auch etwas deftige Schärfe nicht missen ließ.