Manche sind nach ein paar Wochen wieder verschwunden, andere gehen in die Verlängerung: Egal wie es bei Pop-up Stores oder Concept Stores läuft: „Ne Riesenchance ist das schon“, sagt Slatjana Gak vom Pop-up-Store KultUrGut. Und was sagt der Handel in VS dazu?
Hier ein Eyecatcher-Stuhl, dort eine geschwungene Bank aus Nussbaum, dazwischen stylishe Wickelröcke und filigrane Herbstdeko aus Filz: Ende September startete für sechs Wochen der Pop-up-Store KultUrGut in der Schaffneigasse 2 in Villingen und sollte schon längst wieder verschwunden sein.
Doch die Kunsthandwerker gehen in die Verlängerung, wie Citymanager Thomas Herr im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigte.
Wann sind die Voraussetzungen für weitere sechs Wochen erfüllt? Drei Aspekte waren ausschlaggebend: Die Resonanz aus der Bevölkerung für das „coole Konzept“ sei groß gewesen, der Verpächter habe ebenfalls mitgespielt und auch die weitere Finanzierung über das Fördermittelprogramm des Bundes, Zukunftsorientierte Innenstädte und Zentren (ZIZ), sei weiterhin gegeben gewesen.
„Eine Riesenchance“
Bis 21. Dezember geht es für „KultUrGut“ nun weiter. Ein Glücksfall für Slatjana Gak und ihre Kollegen, „denn wir können das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen“. Für sie und die anderen sei das Angebot der Stadt eine Riesenchance gewesen, „auch wenn das nur zeitlich begrenzt ist“. Vielleicht „machen wir im neuen Jahr weiter, an einem anderen Standort“ und dann, falls möglich, in einem Ladenraum mit mehr Laufkundschaft, ergänzt Gak. „Die Resonanz von den Leuten, die kamen, war einfach super“.
Für Werner Engesser, Justin Bossert, Salvatore De Felice und Benjamin Bossert von 4 Kai dagegen dürfte das Experiment „Quartier 4“ in der Färberstraße womöglich bald beendet sein. Der neue Concept-Store hatte Ende Oktober in der Kneipenmeile aufgemacht.
Quarter 4 steht für verschiedene Konzepte, die sich perfekt ergänzen sollen: Vier verschiedene Kunsthandwerker und Künstlerinnen aus der Region, die mit Schmuck, Taschen, Fotos und Parfüm den Laden wuppen wollen. Wie lange der Store in der Färberstraße bleiben wird, konnte Bossert kurz vor der Eröffnung im Gespräch mit unserer Redaktion nicht sagen. „Wir können so lange drin bleiben, bis der Eigentümer einen Nachmieter gefunden hat.“
„Färberstraße ist tot“
Doch nach bald sechs Wochen steht fest: „Die Laufkundschaft fehlt extrem, die Stadt kann noch so voll sein, die Färberstraße ist einfach tot.“ Ein Trost bleibt für die Macher, die sich nun wieder verstärkt online orientieren möchten: „Die Passanten, die in den Laden kamen, waren begeistert und kauften auch etwas.“ Spätestens Ende Januar, so Bossert, „sind wir wieder draußen“. Und so denken auch die übrigen aus dem Quartier 4. Am 13. Dezember werde es noch eine kleine Feier für Kunden und Freunde geben.
Weinbar läuft super
Wie läuft’s bei „Varia Wein & Interieur“ in der Rietstraße? „Läuft super, wir haben einen tollen Start hingelegt“, schwärmte Gina Würthner vom Tag der Eröffnung an der Lichternacht. Seither ist bei ihr immer „Lichternacht“, die Resonanz sei sehr groß. „Endlich gibt es so etwas in VS“, solche Kommentare höre sie immer wieder.
Was es auch gibt vor den Räumen der ehemaligen Stadtapotheke, in denen die Weinbar eingerichtet wurde: Draußen ein Glas Wein zu genießen. Und zwar ganzjährig. Bis zu 40 Plätze stehen maximal zur Verfügung.
Jede Chance nutzen
Bereicherung, Glücksfall, Magnet: Auch alt eingesessene Händler sehen solche Stores als Chance für eine Innenstadt. Sie bringen neue Leute in die Stadt, meint der Villinger Geschäftsmann Rainer Böck, der auch im GVO-Vorstand engagiert ist. „Ja, die sind schon für eine Stadt eine Bereicherung.“
Ähnlich sieht es auch Gunter Welzer, Vorstandsmitglied im Gewerbeverband Oberzentrum (GVO) und stellvertretender Vorsitzender der Sparte Handel Schwenningen. Was neue Geschäftsideen anbelangt, sollte „jede Chance genutzt werden.“ Und somit auch die Chance, in eine Lücke zu stoßen und so „richtig einzuschlagen“. Ob ein Store einschlägt oder nicht, ist für Welzer deshalb nicht unbedingt vor allem eine Frage des Standortes, und einer 1a-Lage, sondern des Angebotes. Generell könnten solche Läden durchaus anziehend wirken und den guten Ruf von VS als Einkaufsstadt weiter stärken.
Schilling: gute Erfahrungen
Ein Pop-up Pionier würde zustimmen: „Stimmt“, sehr gute Erfahrungen hat auch Nastrovje Potsdam-Geschäftsführer Sutz Schilling gemacht, er eröffnete den ersten Laden dieser Art in VS, in der Vorweihnachtszeit 2022. Die gute Resonanz sei das eine, so Schilling. Und das andere die Außenwirkung solcher Läden: „Sie beleben eine Innenstadt.“
Noch hält sich die Zahl von Pop-up Stores und Concept Stores in Grenzen. Eine Handvoll, über die Doppelstadt verteilt, die verschiedene Zielgruppen im Blick hat. Kein Pop-up-Store, so Citymanager Herr, habe sich in einen normalen Laden verwandelt und dauerhaft etabliert. „Aber zumindest fanden die Vermieter einen Pächter, der Leerstand war beseitigt.“ Aktuell gibt es keine neuen Anfragen für Stores dieser Art, da auch Räumlichkeiten fehlen. Fazit für Herr: Durch Stores dieser Art, mit einem Angebot „abseits der Massenware“ , rücke VS durchaus in den Fokus: „Solche Läden“, findet auch er, „bringen durchaus neue Leute in die Innenstadt.“
Eine Patentlösung hingegen, um Leerstand dauerhaft zu füllen, gebe es nicht, „Wenn ich die hätte, würde ich sicher keine Möbel mehr verkaufen“, meint Gunter Welzer. Die Mieten seien teils recht hoch, in der Regel brauchen Selbstständige, drei bis sechs Monate, „bis sich das Geschäft mal rechnet.“ Ein Ansatz wäre, die Mietkosten etwas anzupassen oder zumindest für ein Jahr so zu gestalten, dass Start-ups überhaupt beginnen könnten.
Das bedinge aber ein Entgegenkommen der Vermieter, ergänzt er. Was das Engagement der Stadt und des Citymanagements anbelangt, findet Welzer nur anerkennende Worte: „Die sind sehr aktiv.“
Erklärt
Concept Stores
wie Heimathafen oder Quartier 4 bezeichnen einen Laden mit einer ungewöhnlichen, meist hochwertigen Kombination aus Sortimenten und Waren.
Pop-up-Stores
wie KultUrGut sind kurzfristige Einzelhandelsgeschäfte, die in leerstehenden Geschäftsräumen betrieben werden.