In einem hochspannenden Duell verabschiedet sich der TSV Altensteig mit erhobenem Kopf von der Oberliga-Bühne und setzt ein Statement für die Ewigkeit.
Wenn Handball zur puren Emotion wird, verblassen Tabellen und Statistiken. Was sich am Samstagabend in der Eichwaldhalle abspielte, war kein gewöhnliches Saisonfinale – es war ein hochemotionales Epos über 60 volle Minuten.
Das 36:36 (17:17) gegen die „Roten Teufel“ aus Schutterwald war dabei nur die Leinwand für eine Geschichte aus Herzblut und unbändigem Kampfgeist, deren letztes Kapitel erst mit der Schlusssirene geschrieben wurde.
Der „Gonzo-Funke“ und die flinken Wirbelwinde
Sportlich begann die Partie zäh. Altensteig fand gegen die massive Physis der Gäste nicht sofort Zugriff und lief früh einem Rückstand hinterher (3:6, 8./ 4:8, 12.). Doch anstatt sich hängen zu lassen, biss sich der TSV mit purer Willenskraft, Agilität und Cleverness gegen die ‚Bremsklötze’ der Schutterwälder zurück. Während Lovro Boticki im Tor mit starken Paraden den Kontakt hielt, bekam das Spiel der Hausherren Schritt für Schritt mehr Struktur (6:8, 13/ 7:8, 14.).
In diesem Sog wurden Luca Eckhard und Paul Wagner zum Albtraum für die Schutterwälder Hünen: Als flinke Wirbelwinde tanzten sie die massiven Abwehrreihen schwindelig und bewiesen, dass technisches Geschick und Schnelligkeit jede Physis schlagen können.
Tommy Sudaric verletzt
Ein herber Rückschlag traf den TSV jedoch früh: Taktgeber Tommy Sudaric schied verletzt aus – für Coach Alex Hils der „Worst Case“. Doch das Kollektiv antwortete mit Trotz. Debütant Goncalo „Gonzo“ Matos zündete ohne Zögern das Pulverfass: In seinem ersten Einsatz für die „Erste“ kannte er keine Nervosität. Mit blitzschnellen Aktionen markiert er erst den Anschluss und dann den Ausgleich zum 15:15 (27.). Die Halle bebte. Kurz darauf brachte Lukas Scheu den TSV erstmals in Führung (16:15, 28.), ehe es mit einem Unentschieden in die Kabinen ging.
Nackenschläge? Nur Treibstoff!
Nach dem Seitenwechsel drohte das Spiel mehrfach zu entgleiten (17:20, 32. / 23:26, 41.), doch der TSV blieb stabil. „Teddy“ Bormann lieferte im Gehäuse jene „Momentum-Saves“, die Schutterwald den Zahn zogen. Selbst in doppelter Unterzahl brach die Mannschaft nicht ein (24:26/ 25:27, 42.). Der Widerstand wurde sogar noch intensiver, getragen von einer Lautstärke von den Rängen, die jeden Zweikampf befeuerte.
Die 16-Tore-Gala und der finale Nervenkrieg
Über allem thronte Tim Schweizer. Mit einer surrealen Performance von 16 Treffern trieb er sein Team unaufhörlich voran und wurde dafür sogar vom Gegner geadelt. TuS-Topscorer Pascal Fleig gab respektvoll zu Protokoll: „Altensteig war eine Top-Mannschaft mit vielen individuellen Stärken – allen voran Schweizer war nicht kontrollierbar.“
Hannes Wagner sieht Rot
Die Schlussphase war schließlich nichts für schwache Nerven. Als der zuverlässige Hannes Wagner nach einer Roten Karte das Feld verlassen musste, kämpfte die Truppe mit jedem Tropfen Schweiß weiter. Während Gabor Karap (35:35, 59.) und Schweizer (36:35, 60.) die Hoffnung auf einen Sieg am Leben hielten, steuerte die Partie auf einen Wahnsinns-Abschluss zu: Praktisch mit der Sirene erzielte Schutterwald per Siebenmeter das 36:36. Totale Stille, gefolgt von einer grenzlosen Anerkennung für diesen leidenschaftlichen Schlagabtausch. Dieser Abend war der Beweis, dass dieser Verein einen Kern besitzt, der durch keine Tabellensituation zu erschüttern ist.
Ein Abgang mit erhobenem Haupt
Coach Alex Hils zog ein stolzes Fazit: „Wir haben die Masse des Gegners mit Schnelligkeit bekämpft und viel Präsenz gezeigt.“ Besonders die individuelle Entwicklung hob er hervor: „Trotz vieler Rückschläge sind viele Spieler in diesem Jahr deutlich besser geworden. Luca und Joni Eckhard sind dafür die besten Beispiele.“
Altensteig verlässt die Oberliga-Bühne mit erhobenem Haupt. Dieses Spiel hat gezeigt, wofür der Verein steht: Ein Kollektiv aus Spielern und Fans, das bis zur letzten Sekunde füreinander einsteht. Gleichzeitig wurde aus der Arena ein Ort des würdigen Abschieds. Bei den Verabschiedungen von Dominik Koch, Philipp Bietsch und Andy Dannenberg floss Wehmut mit ein, aber auch eine tiefe Form von Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit.