Tim Schweizer nimmt Maß – der TSV zeigte unbändigen Kampfeswillen. Foto: Erwin Wasserbauer

Handball-Oberligist Altensteig bringt Spitzenreiter Schmiden an den Rand der Verzweiflung – doch ein Einbruch in der Schlussphase beendet alle Hoffnungen.

Das Duell zwischen dem TSV Altensteig und dem Tabellenführer aus Schmiden entpuppte sich keineswegs als klassisches Spiel zwischen David und Goliath. Es war eine fesselnde Hochgeschwindigkeits-Schlacht auf Augenhöhe, die den Primus bis in die Schlussminuten forderte.

 

Über 50 Minuten agierte Altensteig absolut ebenbürtig, führte mehrfach und zwang den Spitzenreiter an seine Grenzen. Das 32:36 (17:17) spiegelt die tatsächliche Enge der Partie daher nur teilweise wider. „Das war heute alles andere als abstiegswürdig und eine extrem schwere Aufgabe für uns“, bilanzierte Schmidens Top-Torschütze Paul Feirabend nach Abpfiff sichtlich beeindruckt.

Lob vom Gegner

Chapeau vor der Leistung von Altensteig – sie haben uns keinen Zentimeter geschenkt und richtig Blut geleckt. Die Mannschaft hat definitiv Qualität.“ Ein größeres Kompliment hätte es vom Ligaprimus kaum geben können.

Dabei verlief der Start holprig: Schmiden demonstrierte früh seine Klasse und stellte auf 1:3 (4.). Doch Altensteig reagierte nicht mit Unsicherheit, sondern mit entschlossenem Widerstand. Nach dem schnellen Anschluss (4:4, 7.) entwickelte sich ein intensiver Schlagabtausch ohne Atempause.

Selbst als Schmiden technische Fehler der Hausherren eiskalt ausnutzte, ließ sich der TSV nicht abschütteln und hielt mit einer taktischen Finesse dagegen: Trainer Alex Hils beorderte Rechtsaußen-Dauerbrenner Tomislav Sudaric in den Rückraum. „Tommy hat dort das Spiel verteilt und uns genau die Stabilität gegeben, die wir gegen Schmidens offensive Deckung brauchten“, so Hils.

Der Plan zündet

Sudaric (8 Tore) drehte als variabler Taktgeber die Partie und entfesselte seine Mitspieler. Aus dem Rückstand wurde eine umjubelte 15:13-Führung (25.), ehe Hannes Wagner – auch in der Defensive kompromisslos – Sekunden vor der Pause zum verdienten 17:17 ausglich.

Auch nach dem Seitenwechsel weigerte sich der TSV, die Rolle des Außenseiters anzunehmen. Schmiden erhöhte zwar den Druck (17:19, 33.), doch wie schon im ersten Durchgang ließ sich Altensteig nicht aus dem Rhythmus bringen und konterte prompt. Angeführt von einem überragenden Tim Schweizer (12 Tore) kämpfte sich der TSV zurück und stellte den Ausgleich wieder her (19:19, 34.).

„Zweikampf-Monster“

Wenig später brachte Jonathan Eckhard, der als „Zweikampf-Monster“ auch in der Abwehr enorme Präsenz zeigte, sein Team erneut in Front (23:22, 41.). Altensteig spielte mutig, variabel und suchte konsequent den Weg zum Tor. Bis tief in die Crunchtime hinein lag die Sensation in der Luft: Als Florian Koch zum 28:27 (50.) einnetzte und Sudaric zum 29:29 (53.) nachlegte, geriet der Spitzenreiter merklich ins Wackeln.

Doch genau hier setzte das Schmidener „Skalpell“ zum chirurgischen Schnitt an. In der entscheidenden Phase verlor Altensteig kurz den Zugriff und leistete sich Ungenauigkeiten im Abschluss – eine Schwäche, die der Primus bitter ausnutzte. Ein 0:4-Lauf binnen weniger Minuten (29:33, 57.) wurde schließlich zum Dolchstoß für alle Hoffnungen.

„Da ist leider das passiert, was uns in dieser Saison häufiger ereilt hat“, analysierte Hils. „Wir spielen unsere Chancen nicht sauber zu Ende und der Gegner bestraft das eiskalt.“ Altensteig verkürzte zwar noch einmal (31:34, 58.), doch der Tabellenführer brachte den Sieg routiniert ins Ziel. Trotz des Endstands war die Stimmung in der Halle geprägt von Stolz über diesen couragierten Auftritt.

Das sagt der Trainer

Diesen Stolz unterstrich Hils nach der Partie treffend: „Es war uns wichtig, uns dem eigenen Publikum mit einer starken Mannschaftsleistung zu präsentieren.“ Trotz des glücklosen Endes zollte er seinem Team Respekt, das in einer „hart umkämpften Partie starke Nerven und einen tollen Auftritt“ gezeigt hat. Einmal mehr bewies der TSV damit seine Vielseitigkeit und hielt mit bedingungslosem Kampfgeist dagegen.

Die „Dritte“ besiegte in der Bezirksliga auswärts den TV St. Georgen/ Schw.2 mit 39:30 (20:17).