Um ein Gesetz zu umgehen, welches Photovoltaik-Anlagen über Parkplätzen vorschreibt, wird Ostelsheim am Haltepunkt weniger Parkplätze bauen. Dabei hilft die Umsetzung in zwei Bauabschnitten.
Ende 2025 soll die Hermann-Hesse-Bahn (HHB) endlich fahren. Doch bis dahin ist noch einiges zu erledigen. Für die Brücken, den Tunnel und die Gleise ist der Zweckverband verantwortlich. Hier kommen die Arbeiten gut voran. Für die Ausgestaltung des Haltepunktes in Ostelsheim samt den ihn umgebenden Anlagen ist die Kommune zuständig.
Und obwohl der Gemeinderat hier eigentlich schon einen Entwurf beschlossen hatte, musste er sich in seiner jüngsten Sitzung wieder einmal mit dem Thema beschäftigen. Grund hierfür ist eine Gesetzesänderung. Das Klimaschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg schreibt nämlich vor, dass neugebaute Parkplätze mit Photovoltaik (PV)-Anlagen überdacht werden müssen. Zumindest wenn eine Fläche mit mehr als 35 Stellplätzen entsteht.
Zwei Bauabschnitte
Die Pläne der Gäukommune sahen bisher insgesamt 45 Stellplätze auf beiden Seiten der Verlängerung der Bahnhofstraße vor. An deren Ende soll ein Wendehammer die Ausfahrt aus der Sackgasse ermöglichen. Die Maßnahme war in zwei Bauabschnitten geplant. Zuerst sollten die 25 Parkplätze auf der Straßenseite hin zu den Gleisen gebaut werden –inklusive Stellplätzen für Menschen mit Behinderung sowie für E-Autos. In einem zweiten Schritt sollten weitere 20 Stellplätze auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstehen. Und zwar dort, wo sich jetzt noch das Gelände des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) befindet.
Die Lösung: nur 34 Stellplätze
Wegen der PV-Anlagen-Pflicht schlug Bürgermeister Ryyan Alshebl dem Gemeinderat vor, insgesamt nur 34 Parkplätze zu bauen. Diese Zahl liege unter dem Grenzwert und die Kommune müsse keine PV-Überdachung für die Parkplätze bauen. Für die gebe es zwar eine Förderung. Die sei jedoch gering. Deshalb lohne sich das für die Gemeinde nicht. „Wenn PV wieder wirtschaftlich wird, können wir das gerne machen. Aktuell ist das aber kein rentables Geschäft“, meinte Alshebl. Sollte es sich wieder lohnen, könnten auch die geplanten 45 Stellplätze errichtet werden.
Verweis auf Gutachten
Klaus Richter (FWV) fragte, ob die Maßnahme trotzdem in zwei Bauabschnitten umgesetzt werde. Das bestätigte Alshebl. Der nördliche Teil, also der beim OGV, solle jedoch reduziert umgesetzt werden. Rudi Schlienz (FWV) meinte, dass die Kommune wie geplant den ersten Bauabschnitt umsetzen solle. Die nördlichen Parkplätze sollten nur bei Bedarf gebaut werden. Denn ein Gutachten habe vor rund vier Jahren ergeben, dass es nur einen Bedarf von 20 bis 25 Parkplätzen gebe. Das wäre mit dem ersten Bauabschnitt abgedeckt. Für dieses Vorgehen entschied sich der Gemeinderat einstimmig.
Der richtige Standort für Schnellladesäulen?
Ernst-Martin Gehring (FWV) meinte noch, dass die geplanten Schnellladesäulen für E-Autos am Bahnhof nicht sinnvoll seien. Die meisten Bahnkunden stellten ihr Auto dort ja für einen längere Zeit ab. Es parkten nicht nur Bahnkunden dort, entgegnete Alshebl. Dann sei es aber besser, die Schnellladesäulen woanders im Ort zu bauen, so Gehring.
Abstellmöglichkeiten für Fahrräder
Am künftigen HHB-Haltepunkt sind auch Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geplant. Es wird zwei gesicherte Abstellboxen mit je zehn Stellplätzen geben. Dort sollen vor allem teure E-Bikes unterkommen. Eine Lademöglichkeit in den Boxen ist vorgesehen. An der einen Box stehen zusätzlich elf Schließfächer bereit. Zusätzlich zu den Boxen will die Kommune noch 18 einfache Abstellmöglichkeiten für Fahrräder schaffen.
Wann die Baumaßnahmen –sowohl die für Autos, als auch die für die Fahrräder umgesetzt werden – wurde in der Gemeinderatssitzung nicht besprochen.