Drei Weitschüsse entscheiden das Endspiel beim 15. Hermann-Häberle-Gedächtnisturnier in Bad Liebenzell. Ein Nasenbeinbruch trübt die Stimmung.
Badischer gegen Württembergischer Fußballverband – oder eine Nummer kleiner: Kurstadt gegen Stadtteil. Die SG Nagold-Platte, eine Spielgemeinschaft der Vereine SV Bad Liebenzell und TSV Schwarzenberg, stand am Samstagabend gegen den TSV Möttlingen im Finale des 15. Hermann-Häberle-Gedächtnisturniers.
Das war mit Blick auf den zweitägige Turnierverlauf zwar nicht unbedingt zu erwarten. Für das mit lediglich acht Punkten arg gebeutelte Schlusslicht der Kreisliga Pforzheim war der 6:1-Sieg gegen den Bezirksligisten aus Möttlingen natürlich Balsam auf die geschundenen Seelen.
„Der TSV Möttlingen hat das Derby, wir das Turnier gewonnen“ entwickelte SVL-Fußball-Chef Ekkehard Häberle dazu seine eigene Version. Die Möttlinger hatte die Gastgeber in der Gruppenphase noch mit 8:1 abgefertigt, die Nagold-Platte-Kicker hatten im Endspiel mit 6:1 zurückgeschlagen.
Nasenbeinbruch bei Thomas Kattner
Allerdings gegen einen stark „ramponierten“ Bezirksligisten, der personell auf dem Zahnfleisch daherkam und mit Thomas Kattner seinen besten Spieler im Halbfinale mit Verdacht auf Nasenbeinbruch verloren hatte.
Schweres Finale
„Das wurde nach drei verletzungsbedingten Ausfällen schon sehr schwer“, kommentierte TSV-Routinier Alexander Gans das Endspiel. Möttlingen wurde in diesem ein Opfer seiner bis dahin mit Andreas Essig als sehr offensiv spielenden Torhüter sehr erfolgreichen Offensivtaktik.
Andreas Essig glänzt
Der „Man of the match“ im Halbfinale – drei gehaltene Neunmeter, einen selbst verwandelt – wurde beim 6:1 im Endspiel durch drei, jeweils nach Ballverlusten per Weitschüsse erzielte Treffer ins leere Tor gegen die SG Nagold-Platte zur tragischen Figur. „Merke“ so Häberle: „Torhüter in so einer offensiven Variante spielen zu lassen, führt nicht immer zum Erfolg.“
Dabei hatte der SVL-Vorsitzende auch GW Ottenbronns Torhüter Tiago Melicias im Blick. Melicias hatte das Spiel der Grün-Weißen aus der Defensive heraus mit viel Übersicht dirigierte und war auch als Torschütze erfolgreich.
Drama um Platz 3
Aber im Spiel um Platz drei gegen den spielstarken 1. FC Ispringen kam es zu einem „Tag der offenen Tore“. Ottenbronn, personell bestens ausgestattet, wurde von vielen zu diesem Zeitpunkt als neuer Turniersieger gehandelt. Aber der Bezirksligist geriet nicht nur schnell in Rückstand, sondern fiel nach dem Ausgleich des starken Micael Marques auch scheinbar hoffnungslos 1:4 zurück.
Immisch-Truppe dreht auf
Der Begriff: „hoffnungslos“ hielt jedoch nur bis zur neunten Minuten. In der Schlussphase drehte die nimmermüde Immisch-Truppe auf und konnte innerhalb von drei Minuten noch zum 4:4 ausgeglichen. Der Lohn für diese Energieleistung blieb jedoch aus. Als die meisten schon den Schlusspfiff im Ohr hatten, unterlief Fabio Mandel ein klassisches Eigentor zum 4:5-Endstand.
1. FC Ispringen glänzt
Allerdings gegen einen 1. FC Ispringen, der vom spielerischen Potenzial und von dem her, was er in Bad Liebenzell auf den Sportboden gezaubert hatte, eigentlich einen Platz im Finale verdient gehabt hätte.
Niklas Hinza treffsicher
Diese Einschätzung hatte der Möttlinger Torhüter dem 1. FC jedoch im Halbfinale verdorben, als er mit zahlreichen Top-Paraden die Ispringer Angreifer zur Verzweiflung brachte. Damit nicht genug: Nach einer emotionalen Partie (3:3), in der Niklas Hinza erst 26 Sekunden vor dem Abpfiff den Ausgleich zum 3:3 für Ispringen hatte erzielen können, wehrte Essig im Neumeterschießen drei Versuche ab und verwandelte den entscheidenden zum 6:5-Endstand.
Die Möttlinger hatten im Viertelfinale der SG Hirsau/Oberkollbach mit 5:1 das Turnier-Aus beschert, im zweiten Viertelfinale besiegte der 1. FC Ispringen in einem rein badischen Duell den SV Huchenfeld. Der hatte zwar durch ein Kopfballtor zum 3:3 ausgeglichen können, kassierte kurz vor Schluss aber noch ein Tor zum 3:4 Endstand. Allerdings nach einer umstrittenen Zeitstrafe, die im Nachhinein zur einzigen Roten Karte des Turniers wegen Reklamierens gegen einen Huchenfelder Spieler geführt hatte.
Zwei Teams kommen weiter
Im dritten Viertelfinale spielten die SG Nagold-Platte und GW Ottenbronn 1:1 Unentschieden, damit hatten sich beide Teams für das zweite Halbfinalspiel qualifiziert. In dem lief Ottenbronn zum dritten Mal in Folge einem schnellen Rückstand hinterher. Diesmal jedoch vergeblich, denn der Anschluss zum 2:3 durch Fabian Mandel kam zu spät.
U19 des CfR begeistert
Bis in die Zwischenrunde konnten unter anderem die U 19 des CfR Pforzheim der A Ligist VfB Pfinzweiler spielerisch einiges bieten. Beim Thema – für das nächste Tor gibt es eine Flasche Sekt – spielte GW Ottenbronn ganz vorne mit.
232 Tore fallen
„Alle Mannschaften, die zugesagt hatten, sind auch gekommen“, freute sich der SVL-Vorsitzende Ekkehard Häberle. Unter denen konnte GW Ottenbronn und der TSV Möttlingen auf seine treuen Fans bauen. Insgesamt bekamen die Zuschauer an den zwei Turniertagen 232 Tore zu sehen. Der höchste Sieg gelang dem TSV Möttlingen beim 8:1 über den späteren Turniersieger, das torreichste Spiel lieferten sich GW Ottenbronn und der 1. FC Ispringen (7:3) mit zehn Toren.
Zuschauerresonanz enttäuscht
Als bester Torschütze wurde Niklas Hinza vom 1. FC Ispringen mit zwölf Toren ausgezeichnet, die Trophäe „Bester Torhüter“ konnte der umtriebige SVL-Turnierleiter Andreas Schanz an Andreas Essig vom TSV Möttlingen übergeben. Die Zuschauerresonanz war ein Wermutstropfen bei der 15. Auflage des Turniers. Heimische Fans konnte man an den Händen abzählen.