Seit 15 Jahren hebt vom Donaueschinger Flugplatz von Mai bis September eine Partenavia, das Spezialflugzeug des Vereins zur Hagelabwehr Südwest, ab. Das sagen die Piloten.
Hagelfliegerpilot Markus Duwe, der in Deggingen den Jumara Air Service betreibt, und in den Sommermonaten dafür Sorge trägt, dass es in der Region keine Hagelschläge gibt, war mit seinen Kollegen ins Gemeindezentrum St. Franziskus nach Schwenningen gekommen. Dies sind der Pilot Sebastian Keller und die Pilotin Julia Rexroth.
Persönliche Einblick Bei einer Podiumsdiskussion informierten sie über die Saison. Cornelia Spitz, die Kreisredaktionsleiterin dieser Zeitung für den Schwarzwald-Baar-Kreis, hatte die Moderation der Gesprächsrunde übernommen, die viele Bereiche zur Hagelabwehr abdeckte, aber auch persönliche Einblicke bot.
Männerdomäne Julia Rexroth gehört zu den wenigen Berufspilotinnen, die auch hinter dem Steuerknüppel eines Hagelfliegers aktiv sind.
Die Mutter von drei Kindern ist von Haus aus eigentlich Hebamme, berichtete sie am Donnerstagabend und sagte, dass sie über das Segelfliegen in die Männerdomäne vorgestoßen sei und sich jetzt regelmäßig als Hagelfliegerin engagiert.
Vom Kreißsaal ins Cockpit
Zu dem Teilzeitjob sei sie durch eine Stellenausschreibung gekommen, und sie ist nach wie vor fasziniert. Gut erinnert sich Julia Rexroth noch an ihren ersten Flug im Hagelflugzeug. „Da gab es ein richtiges Gewitter“, so die Pilotin über ihren Einstieg in das Geschäft und ist überzeugt davon, dass es etwas bewirkt, wenn sie mit dem Silberiodid-Aceton-Gemisch die Gewitterwolken „impft“, um abregnen zu können.
Raketeneinsatz Kritisch sieht sie dagegen den Einsatz von Raketen und Kanonen bei der Hagelabwehr, wie es in der Schweiz praktiziert wird. „Es ist schwierig, eine Gewitterwolke zu treffen, mit dem Flugzeug ist man einfach flexibler“, so Julia Rexroth.
Das Hagelflugzeug vom Typ Partenavia trägt den Namen „Heinz 1“, ist mittlerweile 50 Jahre alt und tut noch seinen Dienst. „Trotz des hohen Alters hält die Maschine noch ganz gut“, betonte Markus Duwe. Für ihn ist die Partenavia ein verlässliches Flugzeug, das robust und gut zu fliegen ist.
Berufspilotenschein ist Pflicht
Zahlreiche Genehmigungen Bis ein Flugzeug als Hagelflieger starten darf, bedarf es einer Genehmigung vom Luftfahrtbundesamt. „Das ist ein aufwendiges Verfahren“, so Duwe. Voraussetzung, ein Hagelflugzeug fliegen zu dürfen, ist neben dem Berufspilotenschein auch die Instrumentenflugberechtigung. Markus Duwe berichtete, dass er bereits 2008 seine Pilotenlizenz machte und auch schon immer fasziniert war. Wenn er einen Einsatz fliegt, gilt es, den Weg durchs Gewitter zu finden, um zur Wolke zu gelangen.
Windverhältnisse Die Schwierigkeit sind bei diesen Flügen die nicht zu unterschätzenden Auf- und Abwinde, erläutert Duwe und erwähnte, dass ein Einsatz zwischen 45 und 90 Minuten dauern kann. Obwohl er und seine Kollegen sich dafür einsetzen und gegen die Gewitterzellen fliegen, machte Duwe auch klar, das es keinen hundertprozentigen Schutz gibt.
Keine Vollkaskoversicherung
„Ein Hagelflieger ist keine Vollkaskoversicherung“, so der Inhaber des Air Service, den er vor 13 Jahren vom Hagelpiloten Rainer Schopf übernommen hat und der personell gut aufgestellt ist.
Schneller Start Pilot Sebastian Keller kam eher durch Zufall zum Hagelflieger, erzählt er. Mit Holger Miconi, der lange Jahre ein Hagelflugzeug flog, habe er damals den Berufspilotenschein gemacht, erinnerte sich Keller. Für ihn macht der Job aus, dass man noch ein Flugzeug fliegt und keine Maschine, in der der Computer die Arbeit abnimmt.
Beim Flugplatz Donaueschingen geht es rund fünf Minuten bis das Hagelflugzeug in der Luft ist. In Ballungszentren dauert es länger. Wenn Sebastian Keller fliegt, sieht er relativ schnell die Erfolge seiner Impfaktion. „In gut 15 Minuten regnet eine Wolke ab“, berichtete der Pilot.
Mitgliederzahl rückläufig
Mitgliederzahl Mit der Podiumsdiskussion, bei der die Piloten befragt worden sind, ist der Verein zur Hagelabwehr neue Wege gegangen, um die Versammlung interessanter zu gestalten – auch im Hinblick auf die Werbung neuer Mitglieder. Denn seit Jahren hat man einen stetigen Mitgliederrückgang zu beklagen, von einmal 3200 Personen in den Anfangsjahren auf jetzt aktuell 2650 Mitglieder. 93 Prozent sind Einzelpersonen. Hinzu kommen 185 Firmen und 19 Gemeinden in Schwarzwald-Baar-Kreis und im Landkreis Tuttlingen.
Eine Ausnahme hier mache immer noch die Stadt Bad Dürrheim, die bislang dem Verein zur Hagelabwehr noch nicht beigetreten sei. „Die zahlen nichts und sind Nutznießer“, erklärte hierzu Vereinsschatzmeister Rolf Münsterberg.