Das Frühlingswetter lockt viele Kinzigtäler auf den Drahtesel. Aber wie bewerten Fahrradhändler den Markt? Tragen hohe Spritpreise zu gestiegenen Umsätzen bei?
Auch wenn die Straßen und Wege im Schwarzwald bergig sind, schwingen sich Einheimische und Besucher gleichermaßen gerne auf ihr Fahrrad. Nach den nass-kalten Wintermonaten scheint nun auch wieder das Wetter zu passen. Und mit dem „Stadtradeln“ oder dem „Kinzig-Rad-Tag“ stehen besondere Aktionen rund um das umweltschonende Zweirad bevor.
Aber hinter dem Drahtesel stehen nicht nur Mobilität, Sport und Spaß: Das Radgeschäft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. 3,8 Millionen Räder wurden 2025 laut einer Mitteilung des Zweirad-Industrie-Verbands in Deutschland verkauft. Auch wenn der Umsatz aus dem Verkauf von Rädern und E-Bikes um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro sank, habe sich die Branche „auf gutem Niveau stabilisiert“, heißt es.
Und für das laufende Jahr sieht der Fahrradhändlerverband gute wirtschaftliche Chancen. Wir haben bei „Fahrrad am Bächle“ in Oberwolfach und dem Hornberger Fahrradhändler Faißt Bike Sport nachgefragt, wie es um das Radgeschäft steht.
Schon im Winter lief das Geschäft an
„Bei uns läuft die Saison schon länger“, berichtet Sonja Sum vom Oberwolfacher Radgeschäft „Fahrrad am Bächle“ im Gespräch mit unserer Redaktion. Schon im Januar sei für einen Wintermonat viel Betrieb im Laden gewesen, erinnert sie sich. Inzwischen laufe das Geschäft aber schon länger „auf Hochtouren“, freut sie sich. Woran das liegt?
Einen spezifischen aktuellen Grund, etwa die gestiegenen Spritpreise, kann sie nicht ausmachen. Auch beliebte Aktionen wie das „Stadtradeln“, an dem sich auch die Kinzigtalgemeinden teils seit vielen Jahren beteiligen, seien nicht der Hauptauslöser. Beim Stadtradeln seien diejenigen dabei, die eh schon ihr Rad haben, so Sum. Immer wieder kämen jedoch auch Radbesitzer, die ihr Gefährt flottmachen lassen. Das Oberwolfacher Geschäft hat auch eine angeschlossene Werkstatt.
Bei dem Oberwolfacher Radgeschäft hält auch ein Trend weiter an: „Bio-Bikes sind eine Randerscheinung“, berichtet Sum. Ohne E-Motor seien immer weniger unterwegs, und nur eine Minderheit der Räder, die hier verkauft würden, seien herkömmliche Räder ohne Akku und Co. Selbst im Jugendbereich würden mehr Menschen auf Elektro umsteigen. Sum vermutet auch abgelegene Wohnorte als Grund – sprich: E-Bike statt Elterntaxi. Der Topseller seien die Allrounder. Diese hätten eine entsprechende Bereifung, mit der sich auch Waldwege gut befahren ließen.
Ähnliches schildert auch Ferdinand Hug. Der Geschäftsführer von Hornbergs „Faißt Bike Sport“ vermittelt ebenfalls meist E-Bikes. Eine gestiegene Nachfrage nach Drahteseln aufgrund des teureren Diesels und Benzins sieht er nicht. „Nur weil der Sprit 20 Cent teurer wird, kauft sich niemand ein Rad“, vermutet er. Mögliche Auswirkungen des Ölpreises auf das Radfahren müssten sich langfristig zeigen. Unabhängig davon ist er mit dem Geschäft aber zufrieden. „Gut ausgelastet“ sei er – und das auch schon seit Jahren. Auch die Fahrradwerkstatt des Betriebs laufe gut, bestätigt er. Das „Stadtradeln“ als Motivation, sich ein neues Rad zu kaufen, hält Hug für unrealistisch. Da würden sich Radgruppen beteiligen – und die hätten ja schon ihr Rad.
Das „Stadtradeln“
Im Kinzigtal wird im Rahmen der Aktion Stadtradeln kräftig in die Pedalen getreten. Start ist am 1. Mai, die gesammelten Kilometer werden am 21. Mai abgerechnet. Viele fahren als Team, etwa über Firmen, Vereine oder andere Einrichtungen. Zahlreiche Gemeinden deutschlandweit nehmen Teil. In den Kinzigtalgemeinden gibt es teils besondere Veranstaltungen oder Aufrufe der Kommunen. Über das Programm und die Teilnahmebedingungen werden wir noch ausführlich in einer unserer Ausgaben berichten.