Matthias Holtmann wollte als an Parkinson Erkrankter die „Mut-Lokomotive“ spielen. Foto: Die Oberbadische

Unser Autor hat Matthias Holtmann im Jahr 2014 interviewt. Jetzt ist das Radio-Urgestein mit 75 Jahren verstorben.

„Wer singen kann, der lässt die Sonne aufgehen“, zitierte Matthias Holtmann bei seiner Lesung in Weil am Rhein ein brasilianisches Sprichwort. „Und sehen Sie: Ich singe, es ist dunkel und regnet.“

 

Im Jahr 2014 war das, und das SWR1-Urgestein stellte sein Buch „Holtmanns Erzählungen: Porsche, Pop und Parkinson“ vor. Letzteres, seine Parkinson-Erkrankung, zeichnete ihn damals bereits: Seine Bewegungen waren langsam, längere Sätze vernuschelte er schon einmal. Wenn er aber den Dialog mit seinen Zuhörern suchte, Keyboard spielte und sich diebisch freute, wenn eine Pointe gut ankam, dann war klar: Da lässt sich einer nicht unterkriegen.

Als jemand, der in der Öffentlichkeit stand, ging Holtmann mit seiner Erkrankung offen um. Er wolle für andere mit einer ähnlichen Diagnose die „Mut-Lokomotive“ spielen, hatte Holtmann vorab im Interview mit dem Autor dieser Zeilen verraten. Das ist ihm den begeisterten Reaktionen nach an jenem Herbstabend vor elf Jahren gelungen.

Jetzt ist Matthias Holtmann im Alter von 75 Jahren verstorben. Er wird fehlen. Als Mutmacher und als Mensch.