Das Olivenöl von Juliane und Ekkehard Kallfaß erhielt bei einem Wettbewerb in New York – sozusagen eine Weltmeisterschaft für die Olivenöl-Hersteller – die Silbermedaille.
Insgesamt 1300 Teilnehmer aus 30 Ländern hatten für den „New York International Olive Oil Contest“ ausschließlich Olivenöle eingereicht, die die höchste Qualitätsanforderung „nativ extra“ erfüllen – darunter auch Ekkehard Kallfaß. Und der Dundenheimer überzeugte: Er gewann mit seinem Olivenöl die Silbermedaille.
Diese Auszeichnung ist umso bemerkenswerter, wenn man weiß, dass bis vor wenigen Jahren die Familie Kallfaß mit der Produktion von Olivenöl gar nichts am Hut hatte. Ekkehard Kallfaß war im südbadischen Raum ein bekannter Fachtierarzt für Pferde, seine Frau Juliane assistierte in der Praxis. Im Jahr 2014 kauften sie sich als Feriendomizil einen alten Bauernhof in der Region Alentejo in Portugal. Die 900 verwilderten Bäume auf dem dazugehörigen Gelände stellten sich nach behutsamer Freilegung als bis zu 300 Jahre alte Olivenbäume heraus. Die Familie entschied sich dafür, alle Bäume vom Wildwuchs zu befreien und sich mit dem Olivenanbau und der Produktion von Olivenöl zu befassen, erzählt Ekkehard Kallfaß im Gespräch mit unserer Zeitung.
Bei einem Aufenthalt in Italien lernte er, wie man fachgerecht Olivenbäume schneidet und das begehrte Öl herstellt. Damit er das Öl selbst produzieren kann, kaufte er eine Ölmühle und brachte sie nach Portugal.
Ganze Familie hilft bei der Ernte mit
Zunächst schnitt er dort nur einige wenige Olivenbäume in Form, erntete die Oliven und produzierte vor zehn Jahren sein erstes eigenes Olivenöl. Die erste Charge betrug 20 Liter. Für die Herstellung von einem Liter Olivenöl benötige er zehn Kilogramm Oliven. Von Anfang an wurden die Bäume biologisch bewirtschaftet – ohne Düngung und sogar ohne Bewässerung. Der Bauernhof liegt in einem Naturschutzgebiet, in dem im Sommer große Trockenheit herrscht.
„Die Bewirtschaftung der Olivenbäume ist sehr arbeits- und zeitintensiv“, erklärt er. Die Seitentriebe der Bäume werden behutsam und fachgerecht beschnitten – nur die ganz jungen Triebe werden von den Schafen gefressen, die dem benachbarten Landwirt gehören. Gegen die Schädlinge Olivenfliegen werden Pheromonfallen aufgehängt und die Oliven werden ausschließlich mit der Hand geerntet. In den ersten Jahren war dies nur in den Ferien möglich. Die ganze Familie Kallfaß, zu der auch die Söhne Jonas und Ruben sowie die Tochter Magdalena gehören, ist mit dabei und bei der Ernte helfen noch Freunde mit.
2023 beendete Kallfaß seine Tätigkeit als Tierarzt
Anfang 2023 beendete Ekkehard Kallfaß seine Tätigkeit als Tierarzt und konnte sich daher intensiver um den Bauernhof und die Olivenbäume kümmern. „Ich will mit meiner Arbeit dazu beitragen, eine einzigartige Kulturlandschaft mit hoher Biodiversität zu erhalten“, betont er.
Sechs Wochen dauert die Olivenernte im Herbst und das ist eine sehr arbeitsintensive Zeit. Die grünen Oliven werden früh am Vormittag geerntet, bevor es heiß wird und dann sofort in den Schatten gebracht, in der eigenen Ölmühle verarbeitet und gepresst. Um das Prädikat Kaltgepresst zu erhalten, darf das Olivenöl bei der Pressung maximal 27 Grad warm sein, erklärt Kallfaß.
Aroma von Pinienkernen überzeugte die Jury
Die 900 Bäume tragen ausschließlich die alte Olivensorte Galega, die wenig Fruchtfleisch hat und das daraus gewonnene, reinsortige Öl beurteilte die Wettbewerbsjury als „mild, mit dem Aroma von Pinienkernen“. Um dieses besondere Aroma zu erhalten, wird das Olivenöl, das einen hohen Anteil an Antioxidantien hat, in Metalldosen abgefüllt, damit es vor Licht und Luft geschützt ist. „Es eignet sich besonders für leichte Gerichte wie Salat, Pasta und Fisch“, so Kallfaß. Die Bezeichnung Bio bekam das Öl, weil die Familie seit vielen Jahren die Bäume nach strengen Richtlinien bewirtschafte.
Seit zwei Jahren werden auch die Olivenblätter geerntet. Juliane Kallfaß trocknet sie behutsam, füllt sie in Papierverpackungen, damit daraus ein milder Bio-Tee aufgebrüht werden kann. Er erinnert im Geschmack an Grüntee und enthält ebenfalls viele Antioxidantien.
Die erstmalige Teilnahme an dem Wettbewerb in New York war für die Familie Kallfaß ein Test – umso mehr freut sie sich über die Anerkennung ihrer Arbeit mit der Silbermedaille.
Verkaufsstelle
Schon seit einigen Jahren verkauft die Familie ihr Bio-Olivenöl und den Tee online, unter www. serralento, die Produkte gibt es auch in Neuried bei Ledig’s Gewürzmanufaktur und in der Conceptstore Augenweide sowie in „Das Atelier“ in Achern.