Wie der aktuelle Stand beim Thema Breitbandnetz in Balingen ist, haben die Leiter der Stadtwerke und des Internetanbieters Zollernalb-Data berichtet.
Wer in Roßwangen, Erzingen, Streichen oder Heselwangen wohnt weiß, dass schnelles Internet nicht unbedingt zu den Vorzügen des Balinger Stadtteillebens gehört. Doch das soll sich ändern. „Unser Ziel ist es, insbesondere die weniger gut versorgten Gebiete mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen“, erzählt Markus Streich, Werkleiter der Stadtwerke Balingen im Gespräch mit unserer Redaktion.
Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten die Stadtwerke mit ihrem Tochterunternehmen Zollernalb-Data zusammen. „Die Stadtwerke verlegen die Leitungen und wir als Provider bieten die Internet Services an“, erklärt Matthias Pyka, Geschäftsführer von Zollernalb-Data.
Aktueller Stand
Grundsätzlich ist man in Balingen relativ gut mit schnellem Internet ausgestattet, das zeigt auch der Breitbandatlas Karte des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr: „Dort sieht man in Balingen schon viele Bereiche in denen Nutzer Zugang zu schnellem Internet von bis zu 1000 Mbit haben“, so Pyka. Im Stadtgebiet laufe das überwiegend über das Kupferkabelnetz von Vodafone.
In den Industrie- und Gewerbegebieten habe man das Glasfasernetz bereits flächendeckend ausgebaut. „Gerade dort wird die große Bandbreite bereits gebraucht“, weiß der Geschäftsführer von Zollernalb-Data.
„Jetzt machen wir uns an die Bereiche, die besonders schlecht versorgt sind“, so Streich. Das betrifft insbesondere, wie auch der Breitbandatlas bestätigt, Erzingen, Roßwangen, Zillhausen, Teile von Streichen und Heselwangen. „In Eringen sind wir gerade mit dem ersten Bauabschnitt fertigstellen“, berichtet der Stadtwerke-Chef. In Roßwangen werden in den kommenden Wochen rund 60 neue Glasfaseranschlüsse fertiggestellt und in naher Zukunft mit schnellem Internet versorgt. Als nächstes soll Zillhausen an das Netz angeschlossen werden – mit dem Ziel, in den kommenden Jahren Hausanschlüsse anbieten zu können.
Vorgehen
„Wir gehen so vor, dass wir grundsätzlich immer wenn irgendwo eine Straße aufgerissen wird, direkt auch Leerrohre für Glasfaser reinlegen“, so Streich. So wolle man das Netz langfristig und möglichst kostengünstig ausbauen. „Die Kabel legen wir bis an die Grundstücke ran, so dass die Bürger, wenn sie Interesse haben, später nur noch den Anschluss brauchen.“
Zudem spiele auch die Nachfrage eine Rolle. „Wenn sich in bestimmten Bereichen einige Bürger zusammentun, die einen Glasfaseranschluss möchten, dann prüfen wir, ob das möglich ist“, sagt der Stadtwerke-Chef.
„In Roßwangen war das Interesse beispielsweise erfreulich hoch, teilweise tun sich aber insbesondere ältere Menschen bei dem Thema noch schwer“, so Pyka.
Technologie der Zukunft
Ein Glasfaseranschluss sei jedoch auch eine nicht zu unterschätzende Wertsteigerung für das Gebäude. „Aktuell kommt man meistens noch gut mit 50Mbit aus, aber in Zukunft wird das nicht mehr reichen“, so Pyka. „Damit kann man locker an zwei Geräten streamen. Wenn man aber auch noch aus dem Homeoffice arbeitet, wird es schon schwierig. Dann braucht man mehr Bandbreite.“
Große Unternehmen würden bereits bis zu zehn Gigabit benötigen. „Das liegt daran, dass sie eine schnelle Anbindung an die großen Rechenzentren brauchen, um an ihre Daten zu kommen. Denn die werden mittlerweile oft in eine Cloud ausgelagert.“
Zielsetzung
Das Ziel sei daher in Balingen und den Stadtteilen eine Übertragungsleistung von mindestens 100Mbit zu erreichen. Ein zeitliches Ziel habe man sich jedoch nicht gesetzt. „Ideal wäre es natürlich, wenn man einen Versorgungskreis aufbauen könnte“, so Pyka. Aufgrund der Topographie sei das jedoch eher schwierig. „Aber wir haben einen Masterplan für den flächendeckenden Glasfaserausbau in Balingen besteht, den wir regelmäßig aktualisieren und an die aktuellen Gegebenheiten anpassen..“
In Zukunft wolle man sich dahin entwickeln, dass jede Wohneinheit an das Glasfasernetz angeschlossen werden kann. „Das bedeutet, dass nicht nur jedes Gebäude, sondern jede Wohnung Zugang hat.“
Kosten
Der Ausbau des Glasfasernetzes ist nicht billig und wird in Zukunft tendenziell teurer. Allein der erste Bauabschnitt in Roßwangen habe bereits 350 000 Euro gekostet, am Ende wird der Ausbau in Roßwangen etwa 1,2 Millionen Euro kosten. „Leider erhalten wir hier auch keine Fördergelder vom Bund, wie es in vielen kleineren Gemeinden häufig der Fall ist“, so Streich. Denn dafür sei die Versorgung in Balingen zu gut.
Glossar des Gigabitbüros des Bundes
Glasfasern
werden als Lichtwellenleiter innerhalb eines Glasfaserkabels zur Datenübertragung verwendet. Diese erfolgt optisch in Form von Licht. Als Strahlungsquelle kommen in der Regel Laser zum Einsatz. Glasfasern bestehen aus Quarzglasfasern oder polymeren optischen Fasern. Sie werden zur schnellen Übertragung hoher Datenmengen genutzt und weisen auch über große Entfernungen kaum Leistungsverluste auf.
Breitband:
Die Geschwindigkeit einer Internetverbindung wird durch die Bandbreite (auch Datenübertragungsrate) angegeben. Beispielsweise benötigt man für störungsfreies Voice over IP (VoIP, Internettelefonie) oder Fernsehen im HD-Format eine Datenübertragungsrate von 16 Mbit/s.
Megabit:
Ein Megabit entspricht etwa einer Million Bit und etwa einem achtel eines Megabytes.
Gigabit
: Die Datenübertragungsrate von einer Milliarde Bits pro Sekunde, wobei ein Gigabit 1000 Megabit entspricht.