Unvergleichliches Spektakel: die Gugge-Explosion auf dem Alten Markt Foto: Kristoff Meller

Narrengilde, Lörrachs Verwaltung und zahlreiche Stadträte fanden bei einer Debatte nicht zusammen. Der strittige Betrag ist klein, die gegenseitigen Vorbehalte aber gewaltig.

Für Außenstehende ist kaum noch zu verstehen, wer wen wann warum enttäuscht hat. Wer zu welchem Zeitpunkt was gesagt und bei nächster Gelegenheit wieder anders dargestellt hat. Verwaltung und zahlreiche Stadträte – etliche Kommunalpolitiker hielten sich aber bedeckt – auf der einen und die Spitze der Narrengilde auf der anderen Seite stehen sich derzeit nahezu unversöhnlich gegenüber.

 

Narrengilde schreibt Fasnachtswochenende aus

Obergildenmeister Michael Lindemer will nun das Fasnachtswochenende mit Gugge-Explosion und Sonntagsumzug – es geht vor allem um diese beiden zentralen Großveranstaltungen – für die Innenstadt ausschreiben: bis Ende Oktober, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung .

Wie kam es dazu? Am Ende verdichtet sich die Sachlage einerseits auf die Entscheidung über einen einfach zu verstehenden Zuschusskonflikt. Andererseits aber auf ein diffiziles Geflecht aus Befindlichkeiten, Enttäuschungen, Zuständigkeiten, Gesichtsverlustängsten, Machtfragen und einer Wortwahl, die allmählich Züge eines veritablen Bühnendramas annimmt.

Die finanzielle Dimension der Debatte

Die Stadt bietet der Narrengilde für das Jubiläumsjahr 2026 einen Zuschuss in Höhe von 20 000 Euro an. Für das Jahr 2027 wiederum einen Zuschuss von 15 000 Euro – und für 2028 erst mal gar keine Zuschussperspektive. Hinzu kommen stets Leistungen wie etwa Straßenreinigung, die die Stadt für die Fasnacht erbringt. Bislang betrug der Zuschuss für die Gilde neben den Dienstleistungen der Stadt 5000 Euro.

Michael Lindemer Foto: Fraune

Die Narrengilde werde das Lörracher Fasnachtswochenende 2026 mit diesen Zuschussperspektiven nicht veranstalten, sagte Lindemer im Ratsaal. Die Gilde biete gerne ihre Expertise an, hafte aber nicht für Misserfolge.

Sie benötige angesichts steigender Kosten und notwendiger Planungssicherheit einen verlässlichen Zuschuss in Höhe von jährlich jeweils 20 000 Euro über drei Jahre. Dies, obgleich sie eigentlich knapp 40 000 Euro brauche, so Lindemer gegenüber unserer Zeitung. Mit 20 000 Euro könne die Gilde immerhin arbeiten. Das war’s eigentlich schon – finanziell.

Die für die Gilde gangbare Variante entspricht offenbar einem Kompromiss, den Ehrenobergildenmeister Jörg Roßkopf mit Oberbürgermeister Jörg Lutz und dem Lörracher Obergildenmeister auf den Weg gebracht hat.

Die Positionender Lörracher Stadträte

Hier wiederum wollten einige Stadträte nicht mitgehen. Fritz Böhler (Grüne) sagte, Lindemer kündige mit dieser Haltung die Gesprächsgrundlage auf. Auch Lutz selbst sah auf dieser Basis „keine weitere Grundlage für Gespräche“.

Ulrike Krämer (CDU) zeigte sich enttäuscht von Lindemer. Thomas Böhringer (SPD) sprach von einer „Schlammschlacht“. Es sei Lindemer persönlich, der dem Kompromiss im Wege stehe.

Matthias Lindemer (Freie Wähler) erinnerte dagegen an die enorm hohen Summen, die die Stadt etwa in Maßnahmen für Straßenbau stecke – dagegen sei der fragliche Zuschussbetrag für die Fasnacht minimal. Matthias Koesler (FDP) versagte Lindemer die Unterstützung.

Bernhard Escher (CDU), Georg Leisinger (Freie Wähler) und Birger Bär (Bürger für Lörrach) zeigten Verständnis für die Position der Gilde.

Roßkopfs Kritik an den Stadträten

Auftritt Jörg Roßkopf. Der langjährige Obergildenmeister hatte seinerzeit bei allen Unstimmigkeiten mit der Stadt immer eine Lösung gefunden. Am Donnerstagabend rief er den Stadträten nach fortgeschrittener Debatte indes entgegen: „Ihr zerschießt die Fasnacht!“ Gegenüber unserer Zeitung sah Roßkopf vor allem den Unwillen der Stadträte als mögliche Ursache für das Scheitern einer Lösung an – und weniger die Verwaltung.

Das Thema wird nun nochmal mit in die Fraktionen genommen. Allzu viel Zeit bleibt nicht mehr.