Rottweil steht für Vieles: Hunde, die höchste Aussichtsplattform Deutschlands, die älteste Stadt und bald für die höchsten Weinberge im Ländle. Wir haben mit Michael Grimm, Thomas Lippert und Elke Hugger über ihr Projekt „Civitis“ gesprochen.
Am Höllenstein und am Schwarzen Felsen sollen die beiden Bürger-Weinberge entstehen – dort wo bereits vor hunderten Jahren in Rottweil Wein reifte. Die Idee im Rahmen der Landesgartenschau 2028 diese alte Tradition wieder aufleben zu lassen, stammt von Michael Grimm, Elke Hugger und Thomas Lippert – allesamt Experten, wenn es um das Thema Wein geht.
Michael Grimm ist nicht nur Weinhändler, sondern eine gelernte „Kellerratte“, wie er sagt. Nach drei Jahren Weinküfer hat er Getränketechnologie und anschließend Oenologie studiert. „Das Thema Wein war schnell nicht nur Beruf, sondern Berufung. Keinen Tag habe ich dies bisher bereut“, sagt Grimm.
Elke Hugger hat den Weinbau quasi in die Wiege gelegt bekommen. Sie ist Winzertochter, mit familieneigenem Weinberg am Bodensee aufgewachsen und ihre Leidenschaft für Weinbau ist groß. Sie hat Weinbetriebswirtschaft studiert und wurde 2006 zur badischen Weinprinzessin gekürt.
Thomas Lippert, der Dritte im Bunde, ist Weinbautechniker und Kellermeister. Dass der Weinanbau in Rottweil erfolgreich wird und auch ihr Konzept vom Bürger-Mitmach-Weinberg funktioniert, davon sind die drei überzeugt.
Die Rebsorten
Mitmachweinberge gibt es mittlerweile in vielen Kommunen. Bürger können sich hier entweder als tatkräftigen Mithelfen einbringen, oder finanziell als Rebpate. Und dass der Altrottweiler Spruch auf dem hübschen Buntglasfenster der Grimmschen Weinstube „Z‘Rotwil wächst an Wi, er könnt nit surer si“, nicht stimmt, das möchten die drei unbedingt aufzeigen. Deshalb sind sie dabei – nachdem der Umwelt-, Bau-, und Verkehrsausschuss (UBV) kürzlich dem Vorhaben zugestimmt hat – mit Experten unter anderem vom Weinbauinstitut Freiburg, die richtigen Rebsorten auszuwählen.
„Wichtig ist uns, dass sie gegen Schädlinge größtenteils resistent sind“, erklärt Thomas Lippert. Deswegen haben die drei die so genannten PIWI Rebsorten im Blick. „Sie weisen eine hohe Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten auf und ermöglichen eine deutliche Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln“, so Lippert weiter. In den europäischen Weinbauländern sind PIWIs bereits weit verbreitet.
Charmant fänden es die Drei, wenn in einem Weinberg rote und im anderen weiße Trauben reifen würden. „Das eröffnet vielerlei Möglichkeiten“, so Grimm. Doch bevor überhaupt Rebstöcke gepflanzt werden können, muss die Untere Naturschutzbehörde zustimmen.
„Die Bürokratie ist hoch im Weinbau“, weiß Elke Hugger. Umso mehr gelte es nun dranzubleiben, damit dann im besten Fall im Jahr 2027 die erste Lese stattfinden kann.
Die Bewirtschaftung
Die Stadt Rottweil, die das Projekt finanziert, will mit dem Bürger-Weinberg Naturschutz, soziales Engagement und Naherholung vereinen. Engagierte Bürger und Interessierte für die Bewirtschaftung der Rebhänge suchen die Drei bereits für den Verein CIVITIS (lat. Civitas = Bürgerschaft, vitis = Rebe).
Die Bewirtschaftung soll in bürgerschaftlichem Engagement erfolgen. Die Bürger als Weinbergpaten werden von fachkundigen Experten und Winzern angeleitet. Auch die Lebenshilfe, die Gartenbaugruppe vom Vinzenz-von-Paul oder andere Gruppierungen könnten sich einbringen, so die Idee. Spezielle Weinbaukenntnisse braucht es nicht. „Wenn die aber vorhanden sind, freuen wir uns umso mehr“, sagt Michael Grimm.
Und was passiert mit dem Wein, wenn es ihn dann gibt? Die Experten rechnen mit etwa 500 Flaschen für den Anfang. „Der Gewinn soll gemeinnützigen Zwecken zukommen. So fließen die Investitionen der Stadt letztlich an die Bürger zurück„, erklärt das Trio.
Wer Interesse hat im Verein und im Weinberg mitzuwirken, der kann sich bei Michael Grimm per Mail unter info@bacchus-vinothek.com melden.