Keinen Mangel spüren die Menschen im Schwarzwald-Baar-Kreis so schmerzhaft wie den an Ärzten. Hat man nun ein probates Mittel gefunden, neue Mediziner in die Region zu locken?
Ärztemangel – und die Schaffung einer Modellregion soll helfen, es zu richten. Geht der Plan auf?
Der Plan ist klar: Der Schwarzwald-Baar-Kreis sollte zur Modellregion in Sachen ärztliche Ausbildung werden. Weil die angehenden Mediziner im Rahmen ihrer Ausbildung diverse Praktika, Famulaturen und Einführungen in die klinische Medizin absolvieren müssen, ist die Hoffnung groß, dass einige von ihnen, sind sie erst einmal im Schwarzwald-Baar-Kreis gewesen, letztlich hier kleben bleiben und irgendwann helfen, den Mangel an Medizinern in der Region zu beheben. Im Oktober 2023 fiel der Startschuss für den Weiterbildungsverbund, und zwar mit 23 weiterbildungsbefugten Ärzte aus 15 Praxen sowie dem Schwarzwald-Baar-Klinikum und der Bezirksärztekammer Südbaden an Bord.
Jetzt ist es Fakt: Seit März 2024 können Studenten der Uni Freiburg unter den neuen Bedingungen ihr Blockpraktikum hier wahrnehmen. Und jetzt? Ist der Schwarzwald-Baar-Kreis der Lösung des Problems einen Schritt näher?
Was die Hoffnung nährt
Glaubt man dem Gesundheitsamtsleiter Hatem Saleh und Kerstin Pahlke vom Gesundheitsamt des Landkreises, welchem die Koordination des Projektes obliegt, könnte diese Rechnung aufgehen.
Freilich steckt die Modellregion noch in den Kinderschuhen und können in der Kürze der Zeit kaum aussagekräftige Argumente auf dem Tisch liegen, doch was bis dato in den Listen steht, gibt den Beteiligten große Hoffnung: Bevor der Schwarzwald-Baar-Kreis eine solche Modellregion war, kamen durchschnittlich nur 1,3 Studenten in den Landkreis – seither sind es 4,3 und damit mehr als dreimal so viele. Im Sommersemester kamen 13 Studenten in die Region – und die stieg damit sogar prompt zu den Top-Adressen für angehende Medizinstudenten in Freiburg auf: Der Schwarzwald-Baar-Kreis rangiere, so Pahlke, an zweiter Stelle. Besser angekommen sei nur der Landkreis Lörrach – und das liege an der besseren ÖPNV-Anbindung an Freiburg.
Verblüffende Zahlen
Und auch die Statistik gibt den Machern bei diesem Versuch offenbar recht: Die besagt nämlich, dass bei 81 bis 88 Prozent der Ärzte in Weiterbildung die spätere eigene Niederlassung in einer Entfernung von bis zu 25 Kilometern vom Ort der Weiterbildung erfolgt.
Und auch das Resümee der Studenten klingt für die Verantwortlichen gut: Sie seien „sehr zufrieden mit der Betreuung durch die Lehrpraxis dem fachlichen Programm am Klinikum und der Betreuung durch den Ansprechpartner im Gesundheitsamt gewesen.
CDU-Kreisrätin Lioba Kühne, die selbst in Weiterbildungen für Ärzte involviert ist, plauderte aus dem Nähkästchen: „Die Studenten sind jedes Mal irre begeistert und kommen jedes Mal gerne!“
Verheißungsvoll
„Das hört sich alles sehr gut an“, freute sich nicht nur Cornelia Kunkis von den Grünen. Und Fritz Link, der als Bürgermeister des Heilklimatischen Kurorts und Kneippkurorts Königsfeld sowie Vorsitzender des Gesundheitsnetzwerks im Schwarzwald-Baar-Kreis schon beinahe prädestiniert ist für Aussagen über die Medizinlandschaft der Region, ist sich sicher: Es lohnt sich, frühestmöglich den Kontakt zu Medizinern zu knüpfen. Natürlich könne man noch keine belastbare Aussage dazu treffen, wie viele der hier im Blockpraktikum tätigen Mediziner sich am Ende auch wirklich nach Abschluss ihrer Ausbildung hier niederlassen – „aber die Wahrscheinlichkeit ist so schon viel größer“. Das Auf- und Angenommen-Werden spiele dabei eine große Rolle.
Ein Anfang jedenfalls, da war man sich im Ausschuss für Verwaltung, Wirtschaft und Gesundheit des Schwarzwald-Baar-Kreises einig, ist gemacht. Und: „Im nächsten Blockpraktikum im Februar sind wir wieder mit sechs Studierenden dabei“, versprach Kerstin Pahlke.