Seher Donner vom Lahrer Caritasverband hat vor drei Monaten ein Themen-Café für Frauen gestartet. Die monatliche Aktion richtet sich vor allem an Migrantinnen.
Beim Caritasverband ist Donner zuständig für den Sozialdienst und die Schwangerschaftsberatung. Vom Themen-Café im Don-Bosco-Zentrum zeigt sie sich überzeugt.
Frau Donner, warum haben Sie ein Café nur für Frauen ins Leben gerufen?
Es ist doch so, dass Frauen zu Hause bleiben, wenn Kinder da sind, um die sie sich kümmern. Besonders bei Migrantinnen kommt hinzu, dass sie häufig aus Kulturen kommen, in denen die Frauen generell für den Haushalt zuständig sind. Weil sich ihr Leben hauptsächlich in der Familie abspielt, fehlen ihnen die sozialen Kontakte außerhalb der Familie. Diese können sie jetzt im Themen-Café knüpfen. Im Übrigen können Frauen auch viel offener sprechen, wenn sie unter sich sind.
Was wollen Sie mit einem solchen Treffpunkt für Frauen erreichen?
Wir wollen ihnen einen Raum anbieten, in dem sie sich mit Themen, die sie bewegen, auseinandersetzen. Beim Treffpunkt können sie mit anderen Frauen in Kontakt treten und lernen einen Platz außerhalb ihrer familiären Umgebung kennen. Im Café können sie in angenehmer und lockerer Atmosphäre Bekanntschaften schließen und sich miteinander vernetzen.
Was passiert im Café?
Die Frauen bekommen beim Treffen Tee oder Kaffee. Schon beim ersten Mal sagten die Frauen, sie wollten auch selbst etwas mitbringen. So gab es beim nächsten Mal ein kleines internationales kaltes Buffet. Ein langfristiges Programm gibt es nicht. Bei jedem Treffen werden die Themen oder Aktionen für das nächste Mal abgesprochen. So hatten wir im November eine große Runde zum Kennenlernen und wir sprachen über Möglichkeiten, die deutsche Sprache möglichst schnell zu lernen. Im Dezember haben wir Weihnachtsschmuck gebastelt. Dabei hat uns eine deutsche Frau geholfen. Über die Schwierigkeiten, einen Kinder, Frauen- oder Hausarzt zu finden, beschäftigen wir uns dann beim nächsten Treff.
Wie kommen die Themen ins Café?
Die Themen, die in diesem Raum besprochen werden, kommen von den Teilnehmerinnen selbst. Beim ersten Mal haben wir den Fokus für den zweiten Termin festgelegt und uns dann damit auseinandergesetzt. Die Stärkung von Selbstbestimmung durch Vernetzung und Information sind die zentralen Punkte.
Welche Themen bewegen die Frauen am meisten?
Da stehen wir noch ganz am Anfang. Die Frauen lernen sich gerade erst kennen und das Vertrauen zueinander wächst. Bisher war es wichtig, sich über die Erfahrungen in Deutschland und mit der deutschen Sprache auszutauschen. Die Frage, ob es richtig war, mit der Familie nach Deutschland zu kommen, bewegt viele.
Wie funktioniert die Verständigung unter den Frauen aus verschiedenen Nationen?
Wir sprechen zusammen eine Sprache, und zwar Deutsch. Egal, wie gut sie die Sprache kennen, sich zu bemühen, sich auf Deutsch zu verständigen, tut den Frauen gut. Sie werden dafür gelobt und wertgeschätzt. Ihnen wird vermittelt: Sprich, egal ob es grammatikalisch richtig oder falsch ist. Und es ist schön, wenn es dann ein Leuchten in ihren Augen gibt – vor Stolz: Ich werde verstanden, auch wenn ich nicht perfekt spreche.
Wie ist Ihr Fazit nach drei Monaten?
Das Interesse der Frauen ist da, sie fühlen sich angesprochen und wertgeschätzt. Die Rückmeldungen der Frauen waren sehr positiv, nach jedem Treff kamen sie zu mir und haben sich bedankt, dass wir als Caritasverband diese Möglichkeit für sie auf den Weg gebracht haben
Welche Art von Unterstützung wünschen Sie sich für Ihr Projekt?
Mit dem Stadtteilzentrum Don Bosco haben wir als Caritasverband Lahr gute Möglichkeiten für offene Angebote im Sozialraum. Eine finanzielle Unterstützung ist aber immer willkommen. Für größere Aktionen, zum Beispiel einen Ausflug, fehlen uns die Mittel. Und noch etwas: Wenn Frauen über bestimmte Dinge sprechen wollen, würden wir uns auch über Politikerinnen oder andere Fachfrauen freuen, die dann eine kompetente Einführung in die Themen übernehmen könnten.
Das Angebot
Das Themen-Café findet jeweils am letzten Montag eines Monats von 16.30 bis 18.30 Uhr statt. Veranstaltungsort ist das Don-Bosco-Zentrum in der Lahrer Flugplatzstraße 105. Der Kontakt läuft laut einer Pressemitteilung des Caritasverbands Lahr via E-Mail an seher.donner@caritaslahr.de oder über Telefon 07821/9 06 60.