Der Ritter auf dem schwarzen Pferd aus Glatt war eine Leihgabe für die große Landesausstellung „Uffrur! Utopie und Widerstand im Bauernkrieg 1524/25“ in Bad Schussenried. Jetzt setzt sich ein Buch mit dem Aufstand in der Region auseinander. Foto: Steinmetz

Ein Buch zum Bauernkrieg rückt die Region am Neckar in den Fokus. Mitgeschrieben haben auch Sulz’ Stadtarchivar Joachim Jehn und Museumsleiter Cajetan Schaub.

Mit dem neu erschienenen Band „Der Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar“ liegt eine umfassende Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung vor, die sechs Monate lang im Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt zu sehen war. Das Buch bündelt aktuelle Forschungen und macht deutlich, dass der Raum zwischen Schwarzwald und oberem Neckar einen eigenständigen und bislang unterschätzten Schauplatz des Bauernkriegs darstellt.

 

Aufständische erobern Dornhan

Der Bauernkrieg zählt zu den tiefgreifendsten Umbrüchen der frühneuzeitlichen Geschichte. Der Sammelband blickt gezielt auf Orte der Region und lokale Akteure. Ausgehend vom Kloster Alpirsbach breitete sich der Bauernkrieg im Frühjahr 1525 im Gebiet zwischen Schwarzwald und Neckar aus. Unter der Führung von Thomas Mayer forderten die Aufständischen gerechte Abgaben und Mitbestimmung.

Innerhalb weniger Wochen eroberten sie Städte wie Dornstetten, Dornhan und Sulz sowie Klöster, Burgen und Schlösser. Das Buch beleuchtet Ereignisse, Menschen und Schauplätze in den heutigen Landkreisen Freudenstadt und Rottweil. Historische Dokumente, Karten und Artefakte veranschaulichen das Leben zur Zeit des Aufstands.

Sulz wird belagert

Der Band ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Freudenstadt, dem Landkreis Rottweil und der Stadt Sulz. Auch Sulzer Fachleute waren maßgeblich beteiligt: Cajetan Schaub vom Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt fungiert als Mitherausgeber und verfasste einen Beitrag zum Bauernkrieg in Glatt.

Stadtarchivar Joachim Jehn steuerte einen Beitrag zum Aufstand des Armen Konrad (1514) sowie zum Sulzer Exemplar des Tübinger Vertrags bei. Kreisarchivar Johannes Waldschütz rückt in einem Beitrag die Belagerung der Stadt Sulz im April 1525 durch die Aufständischen in den Blickpunkt.

500 Jahre Bauernkrieg

Die Publikation unterstreicht damit die wichtige Rolle von Sulz in der regionalgeschichtlichen Forschung. Inhaltlich knüpft das Werk an die grundlegenden Studien von Johann Ottmar an, der bereits früh den Bauernaufstand zwischen Nordschwarzwald und oberem Neckar als eigenständigen Forschungsraum beschrieben hat.

Die Beiträge der Autoren zeigen eindrucksvoll, wie sehr auch kleinere Herrschaften und lokale Gemeinschaften von den Ereignissen des Jahres 1525 geprägt wurden. Das Projekt ist Teil eines größeren erinnerungskulturellen Kontextes rund um das Gedenkjahr „500 Jahre Bauernkrieg“.

Neue Perspektiven

Während landesweite Ausstellungen den überregionalen Blick eröffneten, setzt der Band bewusst ein regionales Schlaglicht und ergänzt die Gesamtschau um eine detaillierte Betrachtung der Ereignisse in der Region.

Realisiert werden konnten Ausstellung und Buch durch die Unterstützung zahlreicher Förderer sowie durch die Zusammenarbeit von Archiven, Museen, kirchlichen Einrichtungen und privaten Leihgebern.

„Der Bauernkrieg zwischen Schwarzwald und Neckar“ ist herausgegeben von Louis-David Finkeldei, Rainer Pohler, Cajetan Schaub und Johannes Waldschütz. Das im Gmeiner Verlag erschienene Buch umfasst 188 Seiten und kostet 24 Euro.