Friedliche Landidylle? Das liebe Vieh sorgte in Simmersfeld früher für einiges an Streitigkeiten – manche davon kurios. (Symbolbild) Foto: Henning Kaiser/dpa

Die Geschichte Simmersfeld bietet einiges an Kuriosem um den Dauerstreitbrenner: Wem gehört welche Weide? Die Frage brachte einmal sogar den Schultheiß hinter Gitter.

Der Wald war in früheren Zeiten nicht nur für die Forstwirtschaft bedeutungsvoll, sondern auch für die Landwirtschaft: Er wurde als Weidegebiet genutzt. Das ist für uns heute verwunderlich, da wir den heutigen dichten Tannenwald vor Augen haben. Wo soll denn hier Grasfutter für Ziegen, Schafe, aber vor allem für Rinder herkommen?

 

Doch dieses für den „Schwarz“-Wald so typische Bild des dunklen Tannenwalds ist erst ein Produkt des 19. Jahrhunderts. Zuvor waren die wertvollen Eichen- und Buchenbäume stetig herausgehauen worden waren. So gab es jahrhundertelang genügend lichte Flächen mit entsprechendem Graswuchs.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde täglich Vieh in den Wald zur Weide getrieben. Hirten, oft auch Hütekinder, beaufsichtigten die Tiere. Dabei kam es oft zu Streit, wenn sich die Herde auf fremden Boden befand. Oft fehlten im Wald natürliche Grenzlinien wie Bachläufe, so dass es zu unterschiedlichen Ansichten über den Grenzverlauf kam.

Im Wald weidendes Vieh-Gemälde (beginnendes 19. Jahrhundert). Das Kunstwerk hängt im Pfarramt Simmersfeld. Foto: Dietmar Waidelich

Im „stillen Wald“ gab es also viel Zunder für Konflikte. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele. So schlug zum Beispiel um 1480 der Ettmannsweiler Hirte Peter Helmling seinen Überberger Kollegen, weil dieser sein Vieh auf Ettmannsweiler Gebiet getrieben hatte. Beide mussten deshalb in Altensteig eine Geldbuße, Frevel genannt, bezahlen.

War die Waldbeweidung jedoch zwischen zwei Parteien umstritten, wurde in der Regel ein Schlichtungsverfahren zur Konfliktlösung angestrengt. Doch bis es zu einer Einigung kam, fanden oft Viehpfändungen oder Verhaftungen der eigentlich unschuldigen Viehhirten statt. So pfändeten die Besenfelder im Gebiet westlich von Enzklösterle Richtung Murgtal um 1460 einfach Ochsen von einer Überberger Herde, da die Besenfelder dieses Gebiet als ihr Weidegebiet ansahen.

Überberger nehmen Ochsen mit – leider die falschen

Die Überberger blieben daraufhin nicht untätig: Mit der Hilfe von einigen Simmersfeldern wurden Besenfelder Ochsen aus dem Langenhardt nach Simmersfeld getrieben. Dummerweise erwischten sie dabei Ochsen vom benachbarten und unbeteiligten Göttelfingen.

Besonders tatkräftig wurde in einem Weidestreit von 1599 vorgegangen. Hier gab es auf der Wiese im Köllbachtal unterhalb der Bayermühle einen Rechtsstreit über den Grenzverlauf zwischen Zwerenberg und Berneck, wo hier die Grenze verlief. Im Oktober 1599 trafen die Zwerenberger jedoch dort eine Bernecker Herde mit 87 Rindern an, aus der sie einen Stier zur Pfändung aussuchten und diesen in ihren Heimatort trieben. Dort schufen sie gleich vollendete Tatsachen, indem der Stier gleich „gemezget“ wurde. Das Fleisch, etwa 100 Kilogramm, wurde zu einem Kilopreis für sieben badische Pfennig verkauft.

Blöderweise gehörte dieser Stier ausgerechnet dem Bernecker Schultheißen Georg Bäuerle, weshalb es zu einem längeren Rechtsstreit zwischen dem gültlingischen Berneck und dem badischen Zwerenberg kam.

Äußerst Unangenehmes musste auch der Ettmannsweiler Schultheiß Konrad Schaible (1765-1848) 1807 am eigenen Leibe erfahren. Als er wegen eines solchen Weidestreits zwischen den Altensteiger Kirchspiels-Gemeinden einerseits und Gernsbach andererseits das strittige Gebiet zwischen Großer Enz- und Murgtal besichtigte, wurde er von badischen Männern gefangen genommen.

Vieh beschlagnahmt, Badner ins Gefängnis geworfen

Danach saß er tagelang im Gernsbacher Gefängnis. Zuvor allerdings hatten die Württemberger weidendes Vieh beschlagnahmt sowie badische Bürger „arretiert“, das heißt, ebenfalls ins Gefängnis gesteckt gehabt. Wann Schultes Konrad Schaible dann freigelassen wurde, ist nicht überliefert. Immerhin setzte sich aber niemand Geringerer als der württembergische König Friedrich für ihn ein. Friedrich forderte nämlich in einem Schreiben vom 4. September 1807 an die badische Regierung seine Freilassung.