Der Freiburger Bahnhof aus dem Jahr 1845 hatte noch viele Torbögen. Foto: Stadtarchiv Freiburg

Am 30. Juli 1845 hat der Freiburger Bahnhof seine Tore geöffnet. Der Basler Kulturwissenschaftler Dominik Wunderlin hat auf die Geschichte des Bahnhofs zurückgeblickt.

Ende Juli 1845 wurde die Bahn in Freiburg mit Kanonenschüssen vom Schönberg begrüßt: Der erste Zug fuhr den Badischen Großherzog Friedrich I. von Emmendingen in die Stadt. Den Dampf der Lok konnte man von Freiburg aus gut sehen, so dass das Kanonenfeuer perfekt zeitlich abgestimmt war. Die Einweihung des eingleisigen, von Offenburg kommenden Streckenabschnitts markierte einen Meilenstein und wurde entsprechend gewürdigt: Das dazu gehörende Festmahl fand im Historischen Kaufhaus statt. Damals hatte Freiburg rund 15 000 Einwohner.

 

Die Planungen für die Strecke Mannheim–Basel–Bodensee begannen bereits 1833 im „Eisenbahnlandrat“ in Mannheim mit dem Ziel, in Baden den „National-Reichthum zu erhöhen“. Den entscheidenden Anstoß für ein Zugnetz in Baden gaben aber die Pläne von Nicolas Koechlin für eine Bahn von Strasbourg nach Mulhouse im Elsass. Baden wollte nicht zurückbleiben und hatte große Konkurrenzangst.

Wetter verzögert Bau des Schienennetzes

Leopolds „Badisches Eisenbahngesetz“ von März 1838 ließ noch viele Details offen, und so wurde zunächst ein Breitspurnetz eingeführt.

Im Vergleich zu heutigen Bahnprojekten ging alles ziemlich flott: Die Schienen nach Freiburg konnten jedoch erst im Mai 1845 verlegt werden, nachdem Winter und Frühling zu kalt und regnerisch gewesen waren. Der Bahnhof in Freiburg wurde rund einen Kilometer westlich des Münsters außerhalb der Innenstadt gebaut. Er war damit der Startschuss für die Entwicklung der Stadt nach Westen hin und für den heutigen Stadtteil Stühlinger.

Stadt wächst durch den Bahnhof

Entlang der Eisenbahnstraße mit Poststation und ersten Hotels wuchs die Stadt schnell mit dem Bahnhof zusammen. Der Architekt Friedrich Eisenlohr entwarf den Bahnhof und zahlreiche Gebäude entlang der Strecke. Sein vom Historismus geprägtes Design zeigte Torbögen, über welche die Fahrgäste je nach Klasse getrennt in den Bahnhof eintraten. Die Wartehalle aus sichtbarem, offenem Backstein mit hölzernem Dach war über 100 Meter lang.

Die Gleise überspannte eine über zwölf Meter hohe Hallenkonstruktion aus weißem Backstein. Der Bau kostete damals eine halbe Million Gulden, was heute etwa 13 Millionen Euro entspricht. In den Jahren nach der Einweihung des Freiburger Bahnhofs entwickelte sich das Zugnetz schnell weiter: 1847 wurde die Bahn bis nach Schliengen im Markgräflerland verlängert und erhielt ein zweites Gleis. 1848 folgte der Anschluss nach Efringen-Kirchen.

Neuer Hauptbahnhof wurde 1999 eingeweiht

Die Umspurung von der 1,6 Meter breiten Breitspur auf die 1,435 Meter breite Normalspur war 1851 vollzogen. Rund 200 Kilometer Gleise mussten dafür umgespurt und zahlreiche Lokomotiven und Waggons umgebaut werden. Mit den 1870er-Jahren kam die Anbindung an den Kaiserstuhl, nach Breisach und ins vordere Elztal hinzu. 1901 wurde mit der Höllentalbahn Donaueschingen erreicht und damit die Verbindung nach München geöffnet. Im Zuge des Gleisausbaus entstand Ende des 19. Jahrhunderts der Wiehrebahnhof in Freiburg, weshalb der ursprüngliche Bahnhof 1887 zum Hauptbahnhof aufgewertet wurde.

Die markanten Bögen sind beim heutigen Gebäude nicht mehr vorhanden. Foto: Alexander Blessing

1944 wurde der Freiburger Hauptbahnhof durch britische Fliegerbomben in Schutt und Asche gelegt. Doch bereits am 1. August 1945 fuhren erste Züge wieder nach Freiburg. Ein Provisorium wurde am 9. November 1949 als erster Hauptbahnhof einer Großstadt nach dem Krieg eröffnet und sollte einige Jahrzehnte halten.

Der heutige Hauptbahnhof aus dem Jahr 1999 ist 265 Meter lang und eine Drehscheibe der Mobilität mit Anschluss an Busse und Straßenbahn.

Die Vortragsreihe

„Auf Jahr und Tag – Orte im neuzeitlichen Freiburg“
  beleuchtet noch bis zum März prägende Orte, an denen die Entwicklung Freiburgs hin zur Großstadt beispielhaft dokumentiert werden. Die Vorträge können im Hörsaal 1098 der Uni Freiburg und online über Zoom verfolgt werden. Dazu ist eine Anmeldung per Mail (anmeldung@alemannisches-institut.de) notwendig. Das Programm steht auf der Seite der Uni Freiburg unter www.uni-freiburg.de.

Der Referent
 Der Basler Kulturwissenschaftler Dominik Wunderlin referierte auf Einladung des Alemannischen Instituts über die Geschichte des Freiburger Hauptbahnhofs.