Wie steht es um die Seelbacher Feuerwehr? Der Bedarfsplan für die kommenden fünf Jahre lieferte viele positive Ergebnisse. Bei der Vorstellung im Gemeinderat wurde jedoch mehrfach betont, dass ein neues Feuerwehrhaus hohe Dringlichkeit hat.
Erst am Sonntag hat die Seelbacher Feuerwehr bei der Übung in der Ortsmitte in der Praxis gezeigt, was sie kann, am Montagabend war dann die Theorie an der Reihe. Im Feuerwehrbedarfsplan für die Jahr 2025 bis 2029 wurde festgehalten, in welchen Punkten die Wehr gut aufgestellt ist und wo Verbesserungsbedarf herrscht. Dafür hat sich die Gemeinde erstmals Unterstützung geholt – und zwar von der Brandschutz Vier GmbH aus Schmieheim.
Das Prozedere: Es war an Kämmerer Wolfgang Mech, den Feuerwehrbedarfsplan im Gemeinderat vorzustellen. Er erläuterte, dass es mit der Erstellung bereits am 27. März los ging. Am 21. August wurde der Plan der Projektgruppe, bestehend aus Kameraden, Mitgliedern der Verwaltung und des Gemeinderats, Bürgermeister Michael Moser und der Rechtsaufsichtsbehörde, präsentiert. Nun war es am Gemeinderat, den Plan abzusegnen.
Die Kameraden: Die Feuerwehr Seelbach besteht aus 102 aktiven Einsatzkräften, wovon 81 regelmäßig verfügbar sind und die Personalverfügbarkeit damit grundsätzlich auf einem breiten Personalstamm fußt, heißt es im Plan. Von den Kameraden befinden sich 49 in der Abteilung Seelbach, acht am Standort Wittelbach und 24 in der Abteilung Schönberg. Mech erläuterte, dass bei Alarmierungen in der Nacht die Anwesenheit von ausreichend Kameraden gewährleistet ist. Leichte Defizite gebe es jedoch am Tag in Seelbach, noch größere am Tag in Schönberg. „Durch neue Mitglieder stellt sich die Situation aber besser da, als im Plan verzeichnet ist“, relativierte der Kämmerer.
Die Anfahrtszeiten: Untersucht wurden im Feuerwehrbedarfsplan auch die Anfahrtszeiten zu Einsätzen. Hier vermeldete Mech gute Nachrichten: Auch die entlegenen Außenbezirke, etwa im Großen Grassert, sind innerhalb von 15 Minuten zu erreichen. Der gesamte Teil der geschlossenen Wohnbebauung in Seelbach sowie der größte Teil Wittelbachs werden im Ernstfall sogar innerhalb von fünf Minuten erreicht.
Die Fahrzeuge: Einige Feuerwehrfahrzeuge sind in die Jahre gekommen, sie sind bis zu 40 Jahre alt. Drei der sechs in Seelbach stationierten Feuerwehrautos müssen in den kommenden fünf Jahren ausgetauscht werden, berichtete Mech. Laut Plan ist Ersatz für den Mannschaftstransportwagen, den Einsatzleitwagen und das Löschgruppenfahrzeug 10/6 vorgesehen. Auch für die Fahrzeuge in Schönberg und Wittelbach soll Ersatz beschafft werden. Das Schönberger TSF-W zu ersetzen, ist laut Plan am dringlichsten.
Die Häuser: Auch die Feuerwehrhäuser wurden unter die Lupe genommen. Dabei kam heraus, dass das Gerätehaus in Seelbach den Ansprüchen nur noch teilweise genügt. Das war weder für die Kameraden noch für den Gemeinderat etwas neues. Ein Neubau ist schon lange im Gespräch, ein möglicher Standort jedoch noch nicht gefunden. Dennoch fasst der Feuerwehrbedarfsplan zusammen, warum etwas getan werden muss: Die Umkleiden etwa bieten keinen Platz für zusätzliche Einsatzkräfte, was aber aufgrund der Personalsituation gerade tagsüber zwingend notwendig ist, heißt es. Auch eine Geschlechtertrennung sei nur bedingt möglich, es gebe zudem keine geeigneten Wasch- und Duschmöglichkeiten. Die Lagerflächen seien nicht ausreichend, auch die Fahrzeughalle sei zu klein. Bis 2026, hob Kämmerer Mech hervor, sollte die Frage nach einem Neubau oder einem Umbau des bisherigen Standorts entschieden sein.
Die Dringlichkeit einer Lösung hoben auch die Gemeinderäte hervor. „Wir hoffen, dass wir bald einen geeigneten Standort finden“, betonte etwa Stefanie Scharffenberg (CDU). Markus Himmelsbach (Grüne) betonte, man müsse „bald entscheiden“, falls nicht neu gebaut werden kann und auch Finanzierungsstrukturen nochmals diskutieren. „Der Gemeinderat muss noch dicke Bretter bohren. Wir sind aber dabei, die Bohrer zu schleifen, dass sie auch richtig schneiden“, fasste Wolfgang Himmelsbach (SPD) zusammen.
Rathauschef Moser versprach, dass die Verwaltung „mit Hochdruck“ an der Standortsuche arbeite. „Das war eines der ersten Dinge, denen ich mich ab Amtsantritt angenommen habe.“
Lob für Plan und Wehr
Bürgermeister Michael Moser betonte abschließend, dass der Plan zwar Schwächen, aber auch viele Stärken aufzeige. Er sprach ein „Kompliment an die Vergangenheit“ aus. Die Feuerwehr habe viel richtig gemacht. Lob gab es auch von Albert Himmelsbach (FBL): „Wir haben uns noch nie so ausführlich mit dem Feuerwehrbedarfsplan beschäftigt“. Der Rat verabschiedete den Bedarfsplan schließlich einstimmig.