Erst ab 2025, nicht bereits 2024 sollen erstmals reguläre Fahrgäste einsteigen. Interessanterweise liegt das diesmal nicht nur am Fertigstellungstermin.
Für den Start der Hermann-Hesse-Bahn gab es in den vergangenen Jahren schon viele Termine. Aktuell steht Mitte 2025 im Raum. Ob diesmal alles glatt geht? Die Geschichte des Zuges lässt zumindest Zweifel zu.
Bereits im Herbst 2013 hatte der Calwer Kreistag grünes Licht für Planungsarbeiten und den Einstieg ins Genehmigungsverfahren gegeben. Mitte 2014 zeigte sich Landrat Helmut Riegger noch zuversichtlich, dass Ende 2017 oder Anfang 2018 die Züge rollen könnten. Es sollte anders kommen – nicht zuletzt aufgrund des Artenschutzes.
Knackpunkt Artenschutz
Das deutete sich Anfang 2014 an, als klar wurde, dass insbesondere für die in den Tunnel angesiedelten Fledermäuse eine Lösung gefunden werden muss. 2017 erklärte das Calwer Landratsamt dann auf Anfrage, dass der Termin 2018 deshalb nicht gehalten werden könne und eher ein Betriebsstart Ende 2020 realistisch sei.
Zu einer Einigung mit dem Naturschutzbund, der 2016 sogar Klage eingereicht hatte, kam es jedoch erst 2019 – immerhin ohne dass Gerichte die Fronten klären mussten, was möglicherweise das Ende des Projekts bedeutet hätte. Dafür hatte sogar Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Vermittlung übernommen.
Als Lösung der Artenschutzfrage war letztlich eine Art Tunnel im Tunnel beschlossen worden, den die Fledermäuse auch während des laufenden Bahnbetriebs unbeschadet nutzen können, sowie Ausweichquartiere für die streng geschützten Tiere. Der Start des Betriebs wurde für 2022 prognostiziert.
Wie meist bei großen Bauprojekten, die von vielen Faktoren abhängen, verschob sich auch dieser Termin auf 2023. Lange Zeit schien es, als könnte es diesmal klappen. Bis Ende 2022 Infrastrukturdezernent Andreas Knörle und Michael Stierle, Geschäftsführer des Zweckverbands Hesse-Bahn, bekannten, dass auch dies nicht zu halten sein wird. Als Gründe führten sie die geopolitische Weltlage (Corona und der Ukraine-Krieg), aber auch die Flutkatastrophe im Ahrtal an, wo dringend Material wie Signale, Weichen und anderes benötigt wurden. „Und dieses Material ist eben keine Massenware, sondern Manufakturware“, berichtete Stierle.
Bauprojekte im Zeitplan
Darüber hinaus verzögerten ein EU-Verfahren zu an der Strecke vorkommenden Steinkrebsen sowie ein Planfeststellungsverfahren für die Kammerlösung an den Tunneln zum Schutz der Fledermäuse das Vorhaben. Der nächste Starttermin: 2024.
Bei einer Veranstaltung der Initiative Infrastruktur Nordschwarzwald im Kursaal Hirsau vor wenigen Wochen brachte Knörle erneut ein späteres Datum ins Spiel: Mitte 2025.
Hinsichtlich der größeren Bauvorhaben scheint dem immerhin nichts mehr im Weg zu stehen. „Die Bauprojekte entlang der Strecke, wie der Neubautunnel Ostelsheim, das Stumpfgleis in Renningen, der Bahnsteig in Weil der Stadt, die Gleisbauarbeiten sowie die Hangsicherungsmaßnahmen sind teilweise schon abgeschlossen beziehungsweise liegen im Zeitplan“, erklärt Janina Dinkelaker, Sprecherin des Landratsamts. „Wir rechnen derzeit mit der Fertigstellung im dritten Quartal 2024.“
Probefahrten nötig
Der erste reguläre Fahrgast werde nach aktuellen Stand jedoch, wie bereits von Knörle angekündigt, erst Mitte 2025 mitfahren können. Denn: „In der Zwischenzeit finden verschiedene technische Prüfungen und Abnahmen statt. Ebenso erfolgt der Probebetrieb“, berichtet Dinkelaker.