Betroffene Anlieger äußern weiterhin erhebliche Bedenken gegen den von den Stadtwerke Tübingen geplanten Bau von fünf Windrädern im Feurenmoos.
Insbesondere werfen sie dem Gesetzgeber vor, mit „zweierlei Maß“ zu messen. So werde dem Investor, den Stadtwerken Tübingen, die Möglichkeit eingeräumt, die Baugenehmigung für die Windräder im vereinfachten Verfahren durchzuführen, wenn der Bauantrag bis 30. Juni gestellt ist. Das bedeute, dass auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine artenschutzrechtliche Prüfung verzichtet werde.
Zu wenig Speicherkapazität
„Jeder Bürger oder Kleinunternehmer wird gegängelt, wenn er bauen will. Er muss dann nicht nur eine Menge Geld für einen vorhabenbezogen Bebauungsplan bezahlen, sondern auch für den ökologischen Ausgleich. Und die Stadtwerke Tübingen können einfach so bauen“, empört sich ein Anlieger vom Friedrichsberg in Hardt über die Privilegierung der Windkraft, bei der alles erlaubt werde.
Die Windkraft habe eine totale Lobby erlangt, die von der grün-schwarzen Landesregierung gewollt sei. Die Förderung des Leitungsbaus und der Speicherkapazität von grünem Strom sei dagegen sträflich vernachlässigt worden. „In Baden-Württemberg stehen rund 800 Windräder, die die Hälfte Zeit stillstehen, weil der überschüssige Strom nicht gespeichert werden kann. Bis 2040 sollen es bis zu 3000 Windräder sein. Da macht dann niemand mehr aus Norddeutschland Urlaub im Schwarzwald, weil er die Windräder schon vor der Haustür hat“, folgert er. Um die 1,8 Prozent Fläche für Windkraft auszuweisen, gehe man in den Wald, damit man nicht mit dem geforderten Abstand in Konflikt gerate. Aber im Feurenmoos passe das auch nicht.
Absenkung des Grundwassers
Eine Anwohnerin von der Hutneck verweist auf eine Erhebung dreier Mitarbeiter des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft und Umwelt von Schleswig-Holstein, wonach die größte Gefährdung von Grundwasserböden, in der Fachsprache „Gley“ genannt und die im Feurenmoos nachweislich vorkommen, durch Grundwasserabsenkungen ausgehe. Durch den Verlust der Grundwasserdynamik entstünden veränderte Bedingungen für Pflanzen und Tiere.
Nicht nur sie befürchtet, dass das Feucht- und Moosgebiet durch die Betonplatten (Fundamente) für das Aufstellen der Windräder zerstört wird und das Quellwasser andere Wege sucht. Zu Gehöften wie Deisenhof, Gifizenmoos, Hutneck und Friedrichsberg betrage der Mindestabstand 500 Meter und zur Siedlung Schönbronn 750 Meter.
Feuchtgebiet wird geopfert
Als die Abstände festgelegt worden seien, hätten die Windräder noch keine Höhen von 285 Meter gehabt, wie der Plan nun vorsehe, unterstreicht die Hutneckerin. Das Paradoxe sei, dass für die Windräder ein Feuchtgebiet und Strukturen geopfert würden, die Ökopunkte bringen könnten. Auf der anderen Seite stelle die Stadt am Gründlesee auf einer Fläche von circa 30 Hektar ein künstliches Moor her, das 600 000 Euro koste und die Gemeinden Hardt, Schramberg und Eschbronn zahlen müssten.
Ein anderer Anlieger wirft den Investoren vor, sich als die Guten darzustellen und anzupreisen, wie viele Windräder sie schon gebaut hätten und regenerativen Strom erzeugten. „Aber kein einziges Windrad steht auf Gemarkung Tübingen“, findet er ungewöhnlich.
Landwirt Manfred Flaig vom Burschachen, der nichts gegen seine namentliche Erwähnung hat, wundert sich nicht, dass aus dem Gemeinderat Eschbronn kein Widerspruch gegen das Vorhaben kam. „Da geht es nur ums Geld. Die Gemeinde Eschbronn wird von den Windrädern am meisten profitieren. Die Siedlung und Gehöfte liegen aber am weitesten entfernt. Da fällt es einem Rat leicht, dafür zu stimmen“, stellt er fest.
2375 Unterschriften bei Petition
Insgesamt fragen sich die Anlieger: „Wo sind die (Naturschutz)-Behörden als Kontrollorgan, so wie sie bei jedem Baugebiet vor Ort sind? Man wird das Gefühl nicht los, dass alles schon in trockenen Tüchern ist und der Bürger wieder nicht mitgenommen wird“.
Weil für den Windpark mehrere Hektar Wald gerodet werden müssen, hat sich im Herbst eine Initiative „Gegenwind Feurenmoos“ gegründet, die eine Online-Petition gestartet hat. Bislang haben 2375 Personen die Petition auf „change.org“ unterschrieben.