Genossenschaften
: „Wir wollen unsere Kräfte bündeln“

Die Genossenschaften im Kreis Calw wollen enger zusammenarbeiten.
Von
Alfred Verstl
Oberndorf
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Schwarzwälder Bote

„Wir wollen unsere Kräfte bündeln, unsere Stärke zeigen und Mehrwert schaffen für die Region“, erläutert Karlheinz Walz. Er ist Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank (Raiba) im Kreis Calw eG und Initiator der Kooperation.

Verstaubtes Image abgelegt

„Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele“, so lautet der genossenschaftliche Grundsatz. Lange Zeit haftete der Organisationsform ein verstaubtes Image an. Das gilt längst nicht mehr. Schließlich hat die UNO 2025 zum Internationalen Jahr der Genossenschaften erklärt.

Jedes Mitglied eine Stimme

Eine Rendite um jeden Preis zu erzielen – das stehe bei den Genossenschaften nicht im Vordergrund. „Dennoch muss die Bank profitabel arbeiten“, sagt der Raiba-Vorstand, „schließlich müssen wir unser Eigenkapital erwirtschaften und unsere Mitglieder erwarten eine angemessene Rendite.“ Im Vordergrund steht die Förderung der Mitglieder. Sie bestimmen mit, profitieren von den Gewinnen. Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe seiner Geschäftsanteile.

Wohngemeinschaft für Senioren

Damit lässt sich Erstaunliches leisten. So ist die Bürgergenossenschaft Neuweiler eG gerade dabei, einen Neubau zu erstellen, in dem die Tagespflege „Herbstrose“, eine selbstverantwortete Wohngemeinschaft für Senioren und drei barrierefreie Wohnungen untergebracht sind. Damit stemmt die Genossenschaft ein Projekt von 4,5 Millionen Euro, für eine Gemeinde mit gut 3000 Einwohnern ein gewaltiges Vorhaben.

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Steigende Zinsen und Baupreise

Einfach war es nicht, wie Vorstandsvorsitzende Anita Burkhardt erläutert. Die Corona-Pandemie sowie steigende Zinsen und Baupreise hatten das Projekt verzögert. Ohne einen Landeszuschuss von insgesamt rund einer Million Euro wäre es kaum umzusetzen gewesen. Und, so Burkhardt: „Wir müssen nur durchkommen, wir müssen keine Gewinne machen.“ Das ist geschafft, nun wird gebaut – mit großer Unterstützung der Bevölkerung und vor allem der 189 Mitglieder, die 884 Anteile à 1000 Euro gezeichnet haben.

Die Mieter sind auch die Eigentümer

Genossenschaften könne dazu beitragen, aktuelle gesellschaftliche Probleme zu lösen – ein Allheilmittel sind sie nicht. Neben der Versorgung einer alternden Gesellschaft sind es die Wohnungsnot und steigende Mieten, die Sorgen machen. Wenn Arno Dangelmaier, Vorstand der Kreisbaugenossenschaft Calw eG, von Durchschnittsmieten von sieben Euro pro Quadratmeter erzählt, bekommen viele glänzende Augen. Die Nachfrage nach Wohnungen des gerade mal acht Mitarbeiter zählenden Unternehmens sind groß. Zumal die Mieter auch die Eigentümer sind und es folglich keine Eigenbedarfskündigungen gibt.

Vormerklisten werden nur für Mitglieder geführt. Und bei Neubauten werden dann schon auch zweistellige Quadratmeterpreise erreicht. So manches neue Projekt lässt sich derzeit wegen hoher Preise und Zinsen nicht realisieren, weil sich eine negative Eigenkapitalrendite ergibt.

Team für komplexe Gesundheitsfragen

Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum ist ein weiteres Problem, das Genossenschaften zwar nicht lösen, aber Abhilfe schaffen können. Die Mednos eG, Bad Teinach-Zavelstein, betreibt Hausarztpraxen im Landkreis. Sie nimmt, so Geschäftsführerin Viola Behrens, den Ärzten die Verwaltungsarbeit ab, ermöglicht bei einem zunehmend weiblicher werdenden Beruf mehr Teilzeitarbeit und hat ein „Kümmerteam“, das Patienten bei komplexen Gesundheitsfragen weiterhilft.

Soziale Nachhaltigkeit

Mit zum genossenschaftlichen Netzwerk im Kreis Calw, das sich künftig alle sechs Monate treffen wird, gehört die Verbrauchergenossenschaft (VGC) eG Calw, die in zehn Edeka-Filialen im Nordschwarzwald 400 Mitarbeiter beschäftigt und 84 Millionen Euro umsetzt. „Zufriedenheit, Ausbildung und Motivation der Mitarbeitenden sind ein zentrales Element der sozialen Nachhaltigkeit“, sagt Vorstandsvorsitzender Marco Saile. Dazu zählen vor allem faire Arbeitsbedingungen. Die VGC-Märkte setzen zunehmend auf regionale Produkte, um die heimischen Bauern und Lieferanten zu unterstützen und die Umwelt zu schonen.

Regionale Energiewende

Die Umwelt steht auch bei der BEGO-Bürgerenergie im Kreis Calw im Vordergrund. Mit Photovoltaik (PV)- und später auch Windenergieanlagen soll die regionale Energiewende unterstützt werden, so Vorstandsmitglied Tobias Mohn Die BEGO mit ihren 95 Mitgliedern hat derzeit zwei PV-Anlagen in Betrieb.

Schließlich ist die Schülergenossenschaft des Calwer Hermann-Hesse-Gymnasium dabei. Sie betreibt an der Schule einen Snack-Automaten, vertreibt einen Schulplaner und handelt mit T-Shirts.