Ende des Jahres sollen zwischen Calw und Weil der Stadt Züge fahren. Dazu muss aber erst die Strecke befahrbar sein. Am Bauwillen hängt es nicht – sondern an Genehmigungen, die seit Jahren auf sich warten lassen. Konkret geht es um die Tunnel sowie den Abschnitt im Hau bei Heumaden. Und um Naturschutz.
Geht es um die Hermann-Hesse-Bahn, denken viele Menschen automatisch auch sofort an Fledermäuse.
Das ist nur wenig überraschend – immerhin deutete sich bereits Anfang des Jahres 2014 an, dass für diese Tiere, die die Tunnel zwischen Calw und Hirsau sowie zwischen Althengstett und Ostelsheim besiedeln, eine Lösung gefunden werden muss.
Kosten in Millionenhöhe
Es folgten etliche Gespräche, Verzögerungen, eine Klage des Naturschutzbundes im Jahr 2016, eine Einigung im Jahr 2019, eine Lösung in Form einer Trennwandkonstruktion in den Tunneln und viele, viele Ausgleichsmaßnahmen – sowie Kosten in Millionenhöhe.
Allein für die Trennwandkonstruktionen waren zuletzt knapp 24 Millionen Euro veranschlagt worden.
Nur von Mai bis September
Trotz all dieser Maßnahmen fehlte indes zuletzt noch eines: der Abschluss des Planfeststellungsverfahrens in Sachen Trennwände für die Tunnel – also kurz gesagt die Genehmigung, diese bauen zu dürfen.
Ohne Genehmigung keine Trennwände, ohne Trennwände kein Bahnbetrieb – und gebaut werden darf wiederum nur von Anfang Mai bis Mitte September jeden Jahres. Weil das Bundesnaturschutzgesetz es unter anderem verbietet, wildlebende Tiere streng geschützter Arten in Fortpflanzungs- und Überwinterungszeiten erheblich zu stören.
Langsam, bedächtig, schwierig
Bereits vor knapp einem Jahr hatte diese Frist den Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn beschäftigt. „Wir kämpfen jetzt seit einem Jahr mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe“, hatte Landrat Helmut Riegger im Mai 2024 erklärt. „Es geht langsam, es geht bedächtig und es ist schwierig.“
Das Problem damals: Damit die Tiere sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnen können, muss vor Betriebsbeginn eine gewisse Zeit vergangen sein, in der die Konstruktionen bereits stehen – von Juli bis über den gesamten Winter. Die Genehmigung zum Bau der Trennwände fehlte aber noch.
Immerhin folgte später die Erlaubnis, in den Tunneln bei Hirsau und Althengstett Provisorien zu errichten, die den späteren Bauten nachempfunden wurden.
Um Ende 2025 fahren zu können, muss nun aber endgültig richtig gebaut werden. Und diesbezüglich scheint es, kurz vor knapp, tatsächlich Bewegung gegeben zu haben.
„Die vorläufige Anordnung für den Bau der Trennwandkonstruktion ist am Donnerstag den 17. April 2025 eingegangen“, berichtet Janina Haußmann, Sprecherin des Landratsamtes Calw, auf Anfrage unserer Redaktion.
Voraussichtlich im Juli 2025
Die Bauarbeiten hätten wie geplant am 22. April in den Voreinschnitten begonnen. Und: „Die Genehmigung zum Planfeststellungsverfahren der Trennwandkonstruktion erhalten wir voraussichtlich im Juli 2025“, erklärt Haußmann.
Und auch eine zweite Hürde, die noch aussteht, werde in Kürze genommen: die seit langem erwartete Genehmigung für die Arbeiten „Im Hau“, einem Abschnitt bei Heumaden zwischen Calw und Althengstett. Dort sind noch Gleisbaumaßnahmen sowie die Sanierung einer Stützmauer nötig. Und auch hier geht es um den Schutz strengstens geschützter Tiere, in diesem Fall Steinkrebse.
„Die Genehmigung im Rahmen des Planfeststellungsverfahren im Hau erwarten wir am 30. April 2025“, verkündet die Sprecherin.
Entsprechend optimistisch zeigt sich das Landratsamt abschließend in Sachen Zeitplan. „Sofern keine unerwarteten Ereignisse eintreten und alle Abstimmungen weiterhin so positiv verlaufen, streben wir weiterhin den Bahnbetrieb für Dezember 2025 an“, so Haußmann.