Aus dem Engagement von vielen entsteht immer wieder etwas Neues. Quartiersmanagerin Brigitte Lill hat ihre Arbeit vorgestellt.
Der Name des Quartierstreffs scheint nicht perfekt, denn er vermag das gesamte Gebiet nicht zu umschreiben, wie Caritas-Quartiersmanagerin Brigitte Lill in der Sitzung des Kultur, Sport- und Verwaltungsausschusses erklärt: „Eigentlich müsste es wohl Weil-Henschberg heißen.“ Doch so ganz genau ließe sich das nicht eingrenzen, denn viele Besucher und Engagierte kämen auch aus „anderen Ecken von Weil am Rhein“, viele zudem aus Haltingen.
Es geht um die Frage der Identität
Auf der Tagesordnung der Ausschusssitzung heißt der Quartierstreff „Weil-Ost“ und wird auch „Hohe Straße“ oder „August-Bauer-Straße“ genannt, dem neuen Wohngebiet gemäß, das für mehr als 8000 Menschen erschlossen worden ist.
Von Anfang an sollte ein geeignetes Konzept für eine gute Lebensqualität aller Bewohner im Quartier sorgen. In Abstimmung mit der Stadt organisiert Lill dies. Und weil dort so schnell so viel gewachsen sei, gehe es auch um die Frage der Identität: „Wer sind wir und wie nennen wir unser Quartier?“
Unabhängig davon sei es ein guter Lernort, um demokratische Prozesse an der Basis erlebbar zu machen. Deshalb orientierten sich die Angebote an den Bedürfnissen der Menschen und daran, wofür sie bereit seien mitzuwirken. Ein weiteres Prinzip ihrer Arbeit erklärt Lill so: „Die Quartiersarbeit ist nicht nur für Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, sondern für alle – ob wohlhabend oder nicht, ob schon länger in Weil lebend oder neu zugezogen.“ Darüber hinaus soll diese einen präventiven Ansatz haben.
Gemeinsam schauen,was möglich ist
Zudem ginge es nicht ohne Kooperationen. So stelle die Weiler Wohnbau Räume zur Verfügung, die Caritas in Weil am Rhein übernimmt das Quartiersmanagement, die Stadt trage die finanzielle Verantwortung.
Die Finanzierung ist eine Mischung aus Landesförderungen für Projekte und kommunalen Eigenmitteln zur Sicherstellung der Strukturen, um die Quartiersentwicklung nachhaltig zu gestalten. Und durch weitere Zusammenarbeit und Vernetzung könne der Quartierstreff weiterwachsen. „Alles ist ineinander verwoben, das macht Quartiersarbeit aus“, sagt Lill.
Und auch wenn es mit der Finanzierung schwieriger werde, sagt sie trotzdem „toll, toll, toll, weil es auch hätte sein können, dass diese Arbeit gar nicht mehr möglich ist.“ Nun gelte es auch gemeinsam mit den Ehrenamtlichen zu schauen, was künftig wie noch möglich sei.
Insgesamt laufe es aber gut im Quartier August-Bauer-Straße. Aus dem Engagement der Bürger entstehe immer wieder etwas Neues, so hätte sich in den Räumen des Quartierstreffs eine Näh- sowie eine Selbsthilfegruppe angesiedelt, Armin Wikmann biete darüber hinaus Naturprojekte an.
Als weiteres Beispiel des Erfolgs nennt Lill auch den Adventszauber, der dort am Sonntag stattgefunden hat. Dazu seien derart viele Besucher zusammen gekommen, dass noch Stühle geholt und hinzugestellt werden mussten.
Ukrainische Frauen hatten in der Küche gewirkt, die über das Ukraine-Café in den Räumen des Quartierstreffs zusammengefunden hatten.
„Prävention gegen die Einsamkeit für alle“
„Ehrenamt muss Spaß machen und dazu braucht es Koordination, das machen Sie super“, sagte Oberbürgermeisterin Diana Stöcker in der Sitzung an Lill gewandt. Die Gemeinderäte nahmen ihren Bericht wohlwollend zur Kenntnis und zeigten sich einig, dass die Quartiersmanagerin gute Arbeit leiste. Simone Brobeil (CDU) sagte: „Ich finde es fantastisch, was Sie da machen, das ist Prävention gegen Einsamkeit für alle.“ Sie bedauerte, dass die Förderung aus dem Landesprogramm „Quartiersimpulse“ im Frühjahr 2027 ausläuft: „Wir müssen etwas finden, das dann einspringt.“ Ulrike Fröhlich (Grüne) sah einen solchen Bedarf in fast allen Stadtteilen und fragte, ob man so etwas auch rein aus der Arbeit von Freiwilligen aufbauen könnte.
Stöcker: „Fürs Dranbleiben braucht es Koordination“
Stöcker meinte, dass das Anschieben im Ehrenamt nicht das Problem sei, fürs „Dranbleiben und weitermachen braucht es aber Koordination.“ Lill zeigte sich überzeugt, dass es für die Nachhaltigkeit professionelle Betreuung brauche.