Das kostenlose Angebot für die Neurieder Bürger soll auf Empfehlung der Verwaltung zum 31. März eingestellt werden. Darüber entscheidet der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch.
Die Planungen für das kostenlose Mobilitätsprojekt liefen über viele Monate, am 17. März 2025 war es schließlich so weit: Der Neurieder Bürgerbus fuhr zum ersten Mal als kostenlose ÖPNV-Ergänzung durch die Gemeinde. Vier Fahrer sind seitdem im Einsatz, um Bürger innerhalb der Kommune von A nach B zu bringen. Zur Finanzierung des Bürgerbusses waren 10 000 Euro in den Haushalt eingeplant. Der Transporter ist planmäßig an drei Tagen in der Woche unterwegs.
Zum Start des Projekts, für das ein Jahr als Testphase vorgesehen war, zeigte sich Bürgermeister Tobias Uhrich zuversichtlich und hoffte, dass das Angebot oft genutzt werde. „Wir haben von Anfang an gesagt: Der Bürgerbus ist ein Pilotprojekt, das wir erproben und weiterentwickeln können“, betonte der Neurieder Rathauschef. Uhrich war sich jedoch schon zu Beginn bewusst, „dass mangelndes Interesse innerhalb der Bevölkerung das Projekt beenden kann“.
Durchschnittlich gab es nur 40 Fahrgäste pro Monat
Seine Befürchtung könnte nun – zehn Monate nach Beginn – Realität werden: Vor der ersten Sitzung des Gemeinderats am 21. Januar geht aus den Sitzungsunterlagen hervor, dass die Verwaltung die Einstellung des Bürgerbusses zum 31. März diesen Jahres empfiehlt. Begründet wird dies mit einer zu geringen Auslastung des kostenlosen ÖPNV-Angebots.
„Die Gemeinde Neuried hat den Bürgerbus mit dem Ziel eingerichtet, die Mobilität innerhalb der Ortsteile zu verbessern und den Bürgern ein zusätzliches, kostenloses Fahrangebot bereitzustellen“, betonte die Verwaltung zunächst. Man habe das Projekt mit großem Engagement vorbereitet und umgesetzt.
Die Auswertung der Fahrgäste zeige jedoch, dass der Bürgerbus nur in sehr begrenztem Umfang in Anspruch genommen wurde. „Bis Ende Dezember lag die durchschnittliche Nutzung bei lediglich circa 40 Fahrgästen pro Monat“, zeigt die Verwaltung in der Sitzungsvorlage auf. Somit sei insgesamt keine ausreichende Nachfrage erkennbar, um einen dauerhaften wirtschaftlichen Betrieb zu rechtfertigen.
Werbung hat auch kein Erfolg gebracht
Im Rahmen des Projekts gab es bereits eine Fahrgastumfrage der Gemeinde Neuried. Diese habe ergeben, dass der bestehende Fahrplan einschließlich der Haltestellen sowie der Fahrzeiten von den Nutzern grundsätzlich als angemessen und zufriedenstellend bewertet werde. Dementsprechend leitete die Stadtverwaltung ab: „Daraus konnten keine Ansatzpunkte für Anpassungen abgeleitet werden, die eine signifikante Steigerung der Nachfrage erwarten lassen.“
Trotz der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit in Form von Werbung im Amtsblatt und in den sozialen Medien konnte keine nennenswerte Erhöhung der Fahrgastzahlen erzielt werden, lautet die Erklärung in der Sitzungsvorlage. Unter Berücksichtigung der geringen Nutzung sowie der organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen empfehle die Verwaltung daher, den Bürgerbus einzustellen.
Der vorgesehene Zeitpunkt zum 31. März trage den bestehenden Arbeitsverträgen mit den Fahrern Rechnung und ermögliche eine „ordnungsgemäße Beendigung des Projekts“. Die Neurieder Verwaltung bedauere diese Entscheidung ausdrücklich und „möchte sich bei allen Beteiligten bedanken, insbesondere bei den Fahrern sowie den Bürgern, die das Angebot genutzt und unterstützt haben“, heißt es in der Sizungsvorlage.
Neuried ist kein Einzelfall
Auch die Gemeinde Schwanau hat den Bürgerbus eingestellt. Dieser fuhr seit Dezember 2023 an zwei Tagen pro Woche. Zu Beginn diesen Jahres ist ebenfalls Schluss mit dem Projekt. Die Nutzung des Angebots sei im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, zudem „stehen die jährlichen Kosten für Betrieb, Wartung und Personal in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung“, begründete Rechnungsamtsleiterin Karin Hildebrand die Entscheidung in der Gemeinderatssitzung vom 1. Dezember 2025. 515 Fahrgäste nutzten 2024 den Bus, bis Oktober 2025 waren es nur 363 Menschen.