Spielende Kinder am Wassertisch wie hier beim Sommer-Endspurt sind manchen offenbar ein Dorn im Auge. Foto: Karina Eyrich

Für Irritationen hat im Albstädter Gemeinderat der Sachstandsbericht zum Masterplan „Sicherheit und Ordnung sowie Sauberkeit in Albstadt“ gesorgt. Die Debatte geriet zum Prinzipienstreit, und die Jugend im Publikum fühlte sich erkennbar angefasst.

Seit bald zwei Jahren werden Ebingens und Tailfingens Innenstädte von vier Mitarbeitern eines neu geschaffenen Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) bestreift, die bei Ordnungswidrigkeiten einschreiten, den Spielregeln des Miteinanders Respekt verschaffen und fried- und ordnungsliebenden Bürgern ein Gefühl der Sicherheit vermitteln sollen.

 

Ihr Einsatz wird von der Stadt prinzipiell als Erfolg gewertet und auch im Gemeinderat nicht grundsätzlich in Frage gestellt – die beiden KOD-Mitarbeiter, die sich in der Sitzung eingefunden hatten, um im Bedarfsfall Fragen zu beantworten, bekamen ausschließlich Lobes- und Dankesworte zu hören.

„Unglaubliche Handlungsempfehlungen“

Die Stadt nicht. Die „unglaublichen Handlungsempfehlungen“ – so Manuela Heider, Fraktionschefin der Freien Wähler – die sich in der Sitzungsvorlage fanden, brachten nicht nur die jungen Leute auf den Rängen erkennbar auf die Palme, sondern auch etliche Gemeinderäte.

Der Sachstandsbericht kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass in einigen Brennpunktzonen, namentlich dem Unteren Stadtgraben und der Wilhelm-Dodel-Gasse in Ebingen sowie der Neuen Mitte von Tailfingen, Zustände herrschten, die nach Gegenmaßnahmen verlangen.

Pöbelnde Jugendliche und lärmende Kinder

Im Bericht ist von rauchenden, müllenden, „wildpinkelnden“, pöbelnden Jugendlichen im Unteren Stadtgraben und von tobenden und lärmenden Kindern am und auf dem Wassertisch am Markt in Tailfingen die Rede. Diesem Treiben soll Einhalt geboten werden. Und wie? Die Stadt hat sich Verschiedenes einfallen lassen: Ein öffentliches Grundstück, das sich als Jugendtreffpunkt etabliert hatte, wurde gesperrt und die Schulleitungen von Hohenberg- und Schlossbergrealschule gebeten, auf ihre Schüler und auch Eltern einzuwirken. Pfarrer Hartmann in Tailfingen wurde nahegelegt, die Sitzmöbel des eFas-Cafés wegräumen zu lassen, wenn kein Betrieb ist.

Sowohl das städtische als auch das kirchliche WLAN-Angebot in der Neuen Mitte könnten eingeschränkt und – last but not least – am Wassertisch im kommenden Sommer ein Plansch- und Badeverbot verhängt werden.

Speziell der letztgenannte Vorschlag – ergänzt um den Hinweis von Oberbürgermeister Roland Tralmer, dass ein Anwohner den Teich durch ein Pflanzbeet zu ersetzen wünsche – brachte das Fass respektive Planschbecken zum Überlaufen.

Steffen Conzelmann betont:„Friedhofsruhe in der Innenstadt? – Unmöglich!“

Wer Friedhofsruhe verlange, so CDU-Fraktionschef Steffen Conzelmann, solle gefälligst nicht in die Stadtmitte ziehen. Markus Ringle von den Grünen erklärte, man baue doch keine Neue Mitte, versuche die Ebinger Innenstadt zu reanimieren, schaffe Strände im Onstmettinger Park, um hinterher die Lebensäußerungen – die man ja wollte – mit dem ordnungsrechtlichen Zeigefinger auf Zimmerlautstärke herunterzudimmen.

„Wasser und Kinder gehören zusammen“, stellte schließlich Uli Metzger (Freie Wähler) fest; das sähen auch die allermeisten Senioren so. Die Beschwerdeführer seien eine kleine Minderheit. Auch die städtischen Versuche, die Jugend von heute zu domestizieren, stießen auf geharnischte Kritik. Nils Maute von der SPD verglich Versuche, sie aus dem öffentlichem Raum zu vertreiben, mit dem herbstlichen Einsatz von Laubbläsern – die „Kids“ könnten sich so wenig in Luft auflösen wie die Blätter. Manuela Heider forderte öffentliche Räume für die Jugend, die nicht den Charakter von Abstellgleisen hätten; Friedrich Rau, Stadtrat der Grünen und Architekt, schlug dafür die Ebinger Kapellkirche vor. Denkmalschutz? „Kein Problem. Ich habe schon einige Kirchen umgebaut. Nur eine war nicht denkmalgeschützt.“

Dialog wäre sinnvoll – aber wer macht mit?

OB Tralmer stand gegenüber der Protestflut ziemlich allein auf weiter Flur – und hält ja auch selbst Absperrketten und Reizgas nicht für Allheilmittel. Am Ende war man sich immerhin darin einig, dass der Dialog gesucht werden müsse, auch der zwischen Anwohnern und Jugendlichen. Ob sich an dem allerdings diejenigen beteiligen werden, die es am meisten betrifft, blieb offen.