Rettungskräfte kommen, um zu helfen. Doch teils werden auch sie Ziel von Gewalt. Der DRK-Rettungsdienstleiter im Kreis Rottweil, Marcus Stotz, erzählt über die aktuelle Situation.
Beleidigt, geschubst, bespuckt oder gar geschlagen – Rettungskräfte müssen bei ihren Einsätzen teils auch sich selbst verteidigen. Und das obwohl sie zum Helfen alarmiert werden. Mancher Fall landet dabei sogar vor Gericht.
So auch die Beleidigung gegen zwei Sanitäter im Kreis Rottweil, die Anfang Juli verhandelt wurde. Dabei wurde einer der Sanitäter sogar bespuckt und es wurden Schläge angedroht.
Doch sind solche Angriffe auf Rettungskräfte im Kreis Rottweil ein Einzelfall? Unsere Redaktion spricht mit dem Rettungsdienstleiter des Roten Kreuzes in Rottweil, Marcus Stotz, über die Gefahrenlage.
Hohe Dunkelziffer
Erschrocken sei er selbst beim Blick in die Zahlen. Denn: Im System wurden nur zwei Fälle im Jahr 2024 und 2025 dokumentiert. Die Dunkelziffer sei aber hoch, betont der Rettungsdienstleiter gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Im System würden nur Fälle auftauchen, in denen es auch tatsächlich zu einer körperlichen Auseinandersetzung kam. Solche Fälle wie oben beschrieben, würden hingegen nicht auftauchen. Und auch „beinahe Gefährdungen“ fallen unter den Radar.
Oft unbefriedigendes Ergebnis
Verbale Angriffe gegen Rettungskräfte würden häufiger vorkommen, so Stotz. Erst neulich habe es aber auch eine Gerichtsverhandlung gegeben, bei denen nicht die Rettungskräfte angegriffen wurden, sondern das Rettungsfahrzeug – der Kühlergrill wurde zusammengetreten.
Doch nicht jeder Fall lande tatsächlich vor Gericht. Oftmals komme bei den Anzeigen nicht besonders viel heraus, verrät der Rettungsdienstleiter. Teils werde einem von der Polizei im Vorfeld schon gesagt, dass die Chancen auf Strafe eher gering seien. Für die Rettungskräfte sei dies ernüchternd.
Gespräche im Kollegen-Kreis helfen bereits
Belastendes werde oft bereits im Kollegen-Kreis besprochen, so Stotz. Nicht jeder Fall würde bis in die Rettungsdienstleiter-Ebene überschwappen. Aber auch im privaten Umfeld sei es hilfreich, über belastende Momente in Einsätzen zu sprechen.
Falls jemand mit einem Erlebnis jedoch psychisch gar nicht zurecht komme, dann gebe es unter den Kollegen einen sogenannten „Peer“. Dieser habe eine Zusatz-Qualifikation, um Kollegen in solchen Situationen zu helfen. Einigen seien dann aber auch externe Helfer lieber, die das DRK dann ebenfalls vermitteln kann, zeigt Stotz auf. „Niemand wird alleine gelassen.“
Schulungen verhindern nicht den Ursprung
Außerdem gebe es auch unterschiedliche Schulungen und Lehrgänge, die sich mit psychischen Belastungen und Stresssituationen befassen und den Rettungskräften helfen sollen. Azubis in der Notfallsanitäter-Ausbildungen hätten sogar ein Deeskalationstraining mit einem Kampfsporttrainer.
Dies würde aber nicht den Ursprung verhindern. Hierbei unterscheide er aber in verschiedene Kategorien: die tatsächlichen Schläger, Alkoholisierte und Drogenabhängige und psychisch Kranke und Menschen mit Handicap, die teilweise die Situation zu Beginn bereits nicht verstehen würden.
Bürger sollen Respekt vor Rettungskräften zeigen
Dennoch ist Marcus Stotz mit Blick auf die Zahlen auch erleichtert. „Zum Glück haben wir kein Großstadt-Milieu.“ Und es gebe selten bis keine verletzten Kollegen. Er appelliert an die Bürger, vor allem Respekt gegenüber den Rettungskräften zu zeigen. Es gebe immer einen Grund, warum sie auftauchen, und zwar weil Menschen in einer Notsituation sie rufen.