Eine Hebamme nimmt einen Fußabdruck von einem Neugeborenen – die Pfade, auf welchen sich die Geburtshelferinnen aktuell bewegen, sind allerdings unsicher. Foto: ellaphotodesign

28 Beleg-Hebammen am Schwarzwald-Baar-Klinikum sind in Not. Ein neuer Vertrag gefährde die Versorgung von 2000 Babys jährlich.

Sie helfen Jahr für Jahr über 2000 Säuglingen auf dem Weg ins Leben. Sie sind das größte Team an Dienstbeleghebammen in Baden-Württemberg überhaupt. Aber jetzt haben sie Angst.

 

Schuld ist der neue Hebammenhilfevertrag, der ab November gelten soll. Er schwebt wie ein Damoklesschwert über ihnen. „Den Dienstbeleghebammen drohen Einbußen von 20 bis 30 Prozent“, sagen die Hebammen Susanne Waßmer und Stefanie Tröndle.

Und auch der Blick in die Nachbarschaft, nach Rottweil, verheiße nichts Gutes: „Was passiert mit den 800 Geburten, wenn dort der Kreißsaal schließt?“ Es sei kein unrealistisches Horrorszenario, das die beiden sich ausmalen.

Konkrete Gefahr

Nein, diese Gefahr sei real, denn an der Rottweiler Helios Klinik arbeite man ebenso wie am Schwarzwald-Baar-Kreis mit Dienstbeleghebammen, für die nun so krasse Einschnitte drohten, dass einige von ihnen erwägen, das Handtuch zu werfen und aus der klinische Geburtshilfe auszusteigen.

Ein Teil der Dienstbeleghebammen in Villingen-Schwenningen – wo es eigentlich gerade so richtig rund lief. Foto: ellaphotodesign

Die Dienstbeleghebammen sehen Rot. Eigentlich waren sie guter Dinge, als der alte Vergütungsvertrag von 2017 endlich angepasst werden sollte – schließlich seien die Lebenshaltungskosten seither gestiegen. Doch statt der Verbesserungen wie für manche ihres Berufsstandes in anderen Dienstverhältnissen, solle es die Dienstbeleghebammen nun ganz dicke treffen. Nachdem sich die verhandelnden Parteien nicht einigen konnten, sei ein Schiedsspruch gefallen, dessen Auswirkungen vor allem sie zu spüren bekämen.

Auf Hoffnung folgt Schock

Die beiden ziehen während des Gesprächs eine Tabelle der Abrechnungszentrale AZH aus der Tasche, die die voraussichtliche Umsatzveränderung aufzeigt. Minus 17,3 Prozent steht unter dem längsten Balken.

Ein starkes Team sieht sich mit enormen Herausforderungen konfrontiert Foto: ellaphotodesign

Dabei war nach turbulenten Jahren endlich so etwas wie Ruhe eingekehrt in ihrem Gewerbe. Das Dienstbelegsystem schien die Lösung zu sein, deshalb hatte man am Schwarzwald-Baar-Klinikum erst vor vier Jahren darauf umgestellt. Anstatt in einem starren Dienstverhältnis gefangen zu sein, konnten die 28 Hebammen am Klinikum sich nun selbst organisieren, eine Rufbereitschaft einrichten, die Besetzung variabel und bedarfsgerecht gestalten und so den Betreuungsschlüssel pro Frau verbessern. Denn die Schwankungen im Kreißsaal sind enorm – mal kommen „nur“ sechs bis acht Kinder in 24 Stunden zur Welt, „wir haben aber auch mal 17 Geburten an einem Tag“, schildert Stefanie Tröndle. Ein starrer Dienstplan war hinderlich, die „Selbstverwaltung“ ideal.

Die Hebamme Steffi Tröndle lauscht an einem Babybauch auf Herztöne. Für ihren Berufsstand wollen die Dienstbeleghebammen jetzt lauter werden. Foto: ellaphotodesign

Nun aber sollten sie die gleiche Leistung mit optimalem Betreuungsschlüssel erbringen, „aber für weniger Geld“, kritisiert Tröndle. Dabei seien die Fixkosten fast erdrückend – Rentenpflichtversicherung, Krankenversicherung, Haftpflicht – da komme man locker auf 3000 Euro im Monat, die erst einmal verdient sein wollen. „Es entsteht das Gefühl, der neue Hebammenhilfevertrag soll das Dienstbelegsystem kippen.“ Dabei laufe gerade das doch richtig rund.

Keiner bewirbt sich mehr

Schon jetzt, noch ehe sie in Kraft getreten sind, wirkten sich die geplanten Änderungen alarmierend negativ aus: Seit dem Schiedsspruch blieben zwei offene Stellen unbesetzt.

Machten zu viele der zwölf Rottweiler Kolleginnen mit ihrer Androhung, auszusteigen, ernst und müsse man das in VS auffangen, sehe es zappenduster aus – „wir können das nicht kompensieren“. Unruhe und regelrechte Angst mache sich in ihrem Team gerade breit, „das ist eine Katastrophe“ – die Dienstbeleghebammen sehen sich gezwungen, „laut zu werden“, auf ihre Notsituation hinzuweisen, und sie hoffen, nach einem bald zu terminierenden Gespräch mit der Klinikleitung in Villingen-Schwenningen neue Hoffnung schöpfen zu können.