Am Donnerstag und Freitag sind in Wyhlen und Grenzach weitere Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt worden.
Es waren Menschen von hier, Menschen, die dort wohnten, wo viele Zeitgenossen weiterhin regelmäßig vorbeigehen oder fahren. Die Rede ist von den Opfern des Nationalsozialismus in der Doppelgemeinde. Für sie engagiert sich seit fast zwei Jahren die Initiative „Stolpersteine Grenzach-Wyhlen“ unter der Federführung von Historikerin Sandra Grether und dem pensionierten Pfarrer Axel Huettner.
Auftakt war im Jahr 2025
Nach der Verlegung der ersten Steine durch Initiator Gunter Demnig selbst im vergangenen Jahr in Grenzach waren am Donnerstagnachmittag die ersten Erinnerungssteine für Wyhlener Opfer an der Reihe. Begleitet wurde die Verlegung in der Lörracher Straße und in der Rheinfelder Straße durch Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums, die in Folge der Auseinandersetzung mit dem Thema an Projekttagen sich ausführlicher mit der Biografie der Opfer beschäftigt hatten und diese kurz vorstellten. Zusätzlich nutzte Religionslehrerin Marit Johannsen mit ihrer siebten Klasse die Gelegenheit für die lebensnahe Erfahrung. Als Gäste waren neben der Initiative „Stolpersteine Wiesental“ mit Pfarrer Gerd Möller und Diakonin Iris Feldmann Vertreter der örtlichen Kirchen anwesend.
Wer liest, verneigt sich
„Um den Namen zu lesen, der auf den Steinen steht, müssen wir uns vor den Personen verneigen“, wiederholte Axel Huettner einen der Grundgedanken von Gunter Demnig. Huettner kündigte an, dass zu späterer Zeit noch QR-Codes angebracht werden sollen, damit die Biografien der Opfer abgerufen werden können, die die Schüler und die Initiative aufgearbeitet haben.
Anna Wunderlin
Anna Wunderlin, geboren 1893 in Wyhlen, arbeitete zunächst als Dienstmädchen, später als Fabrikarbeiterin. Aufgrund einer psychischen Erkrankung wurde sie zunächst in die „Anstalt Wiechs“ (das heutige Markus-Pflüger-Heim), dann wiederholt in das St. Josefshaus und 1934 in der Heilpflegeanstalt (HPA) Emmendingen untergebracht. Im August 1940 folgte die Verlegung in die Landespflegeanstalt Grafeneck-Münsingen, wo Wunderlin vermutlich noch am Ankunftstag ermordet wurde. Perfide: Vater Anton Wunderlin musste mit 79 Jahren eine Schuldanerkenntnis unterzeichnen und posthum für die Unterbringungskosten von Anna aufkommen.
Alfons Hassfeld
Eine angeborene Intelligenzminderung hatte Alfons Hassfeld. 1905 geboren und in der Lörracher Straße 15 aufgewachsen, wurde er auf „Empfehlung“ des Wyhlener Bürgermeisters Heribert Mutter 1934 in Lörrach zwangssterilisiert. Nach Aufenthalten in den HPA Reichenau und Wiesloch erfolgte im April 1941 nach der Verlegung in die Tötungsanstalt Hadamar seine Ermordung.
Siegfried Wertheim
Den Nationalsozialisten entkommen konnte Siegfried Wertheim. Der 1910 in Osthessen geborene Jude betrieb in der Lörracher Straße 5 ein Kaufhaus, wo nach dem Krieg das Kaufhaus Blum und die Lindenapotheke einzogen und heute ein Bistro ist. Wertheim musste Neid und Diffamierungen ertragen.
Huettner berichtete, dass sein eigener Vater dort regelmäßig eingekauft habe, bis ein Parteigericht dies untersagte. Nach einer „Schutzhaft“ von acht Wochen flüchtete Wertheim in die USA.
Fatale Beziehung
Ein bekanntes Schicksal ist in Grenzach das des polnischen Zwangsarbeiters Wladyslaw Wielgo. 1941 wurde er an einer Buche oberhalb des Grenzacher Rathauses hingerichtet, da er „verbotenen Umgang“ mit Berta Liesenfeld hatte. Sie wurde zunächst an den Pranger an der Hauptstraße gestellt, dann im KZ Ravensbrück inhaftiert, aus dem sie kurz vor dem Ende des Krieges entlassen wurde. Liesenfeld zog nach Basel, scheiterte aber aufgrund der Moralvorstellungen der Nachkriegszeit an einer Entschädigung. Beide wohnten an der heutigen Rheinallee in Grenzach, wo am Donnerstagnachmittag drei Steine verlegt worden sind.
Walter Hermann Mönch
Der dritte Stolperstein unweit der ehemaligen Fischerhäuser ist Walter Hermann Mönch gewidmet – dem Onkel Axel Huettners. Nach fragwürdigen ärztlichen Untersuchungen wurde Mönch „Schwachsinnigkeit“ attestiert. Kurz nach seinem 18. Geburtstag wurde er trotz Protests der Mutter im Krankenhaus Lörrach zwangssterilisiert und litt später mental unter dieser Maßnahme.
Weitere Steine sollen folgen
Am Freitag folgte die Verlegung von sieben weiteren Steinen in Grenzach. Diese und weitere Schicksale sind im Buch von Sandra Grether, Johann Faltum und Axel Huettner zusammengefasst, das am Freitagabend durch den Verein für Heimatgeschichte vorgestellt wurde. Für den Herbst ist die Verlegung von 18 weiteren Stolpersteinen bereits geplant.