Die geburtshilfliche Versorgung im Landkreis Lörrach weist nach wie vor Lücken auf. Nicht jede Schwangere findet eine Hebamme.
Die geburtshilfliche Versorgung im Landkreis Lörrach war Thema in der Februar-Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags. Alexander Mion von der Stabsstelle Gesundheitskonferenz beim Landratsamt stellte dazu einen Ergebnisbericht vor.
Dabei offenbarten sich einmal mehr Versorgungslücken bei den Hebammenleistungen – insbesondere in den ländlichen Gebieten. Schwerpunktmäßig untersucht wurde darüber hinaus die Verbreitung gynäkologischer Praxen als erste Anlaufstelle bei einer Schwangerschaft.
Eine Umfrage unter Gynäkologinnen, Hebammen, Schwangeren und Müttern von Neugeborenen ergab, dass es im Landkreis Lörrach 35 Hebammen gibt (Stand 2024), davon jedoch nur eine im oberen Wiesental. Mion sprach von einer sehr erfahrenen Fachkraft, die das Gebiet im Alleingang abdecke. Bei dieser Darstellung lag die später geäußerte Vermutung nahe, dass sie in absehbarer Zeit in Rente gehen wird.
Hohe Arbeitsbelastung
Die Arbeitsbelastung sei hoch, führte Mion weiter aus. Im Durchschnitt müsse eine Hebamme im Landkreis Lörrach jährlich rund 46 Schwangere ablehnen. Nicht erfasst werden konnte, ob und wie viele dieser Frauen bei ihrer Suche später vielleicht doch noch erfolgreich waren. Fest steht dem Bericht zufolge jedoch, dass etwa ein Drittel der befragten Frauen keine Hebamme für die Vorsorge findet und etwa ein Sechstel keine für die Nachsorge. Die Versorgungsengpässe bedingen insbesondere auf dem Land lange Anfahrtswege, etwa bei Kursen zur Geburtsvorbereitung oder Rückbildung.
Gynäkologen, Hebammen und Beraterinnen sahen in der Hebammenversorgung die größte Herausforderung im Landkreis. Fast 80 Prozent schätzten die Lage als schlecht beziehungsweise eher schlecht ein.
Nur minimal besser wird die Situation der psychologischen Versorgung bewertet, mehr als 50 Prozent der Befragten hielten diese sogar für sehr schlecht. Etwas besser sieht es mit der ambulanten gynäkologischen Versorgung aus, die aber immer noch von mehr als 60 Prozent der Teilnehmer als herausfordernd bewertet wird. Im Großen und Ganzen gut finden die meisten die stationäre Geburtshilfeversorgung.
Als Gegenmaßnahme schlägt Mion Hebammenstützpunkte vor. Gearbeitet wird zudem an einer umfassenden Erstinfomappe mit mehrsprachigen und geprüften Informationen zu regionalen Angeboten. Auch die Möglichkeit für Hebammen, kostenlos zu parken wurde diskutiert, nachdem ein solcher Wunsch geäußert worden war. Die meisten hielten diesen Vorschlag jedoch für nicht praktikabel, zumal er dann auch für andere Berufsgruppen gelten müsste. Landrätin Marion Dammann sprach von bereits gescheiterten Versuchen.
Unterstützung für Familien
Schon jetzt besteht für Schwangere die Möglichkeit, Kontakt zu einer der fünf Beratungsstellen im Landkreis sowie zu den Fachstellen der Frühen Hilfen aufzunehmen. Letztere bieten Unterstützung für Familien ab der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr eines Kindes – insbesondere in herausfordernden Lebenssituationen. Zu den Angeboten zählen die vor einem Jahr eingeführte „HalLÖchen“-App für die Eltern von Neugeborenen, die Vermittlung einer Familienbegleitung (FaF) sowie beratende Familien- und Kinderservicebüros (FamKi) im Familienzentrum in Schönau und in einer Schopfheimer Kinderarztpraxis. Mion sah insbesondere in digitalen Angeboten eine Möglichkeit, die angespannte Situation zu entschärfen.
Was kann der Landkreis noch tun? Kostenlose Räumlichkeiten für Rückbildungskurse zur Verfügung stellen, laute ein Vorschlag, da diese von den Krankenkassen nur unzureichend finanziert würden. Auch Videoberatungen und eine zentrale Vermittlungsstelle für Hebammen wurden vorgeschlagen. Diakonie-Geschäftsführerin Karin Racke verwies auf multiprofessionelle Teams, die auch psychologische Beratungen anbieten.
Kritik an Kreiskliniken
Dass die Kreiskliniken keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen, kritisierte Angelika Schwehr (FDP). Mion bestätigte, dass operative Abbrüche derzeit in Umkirch erfolgen müssten. An langen Wartezeiten für eine Schwangerschaftskonfliktberatung könne es nicht liegen, dass ein operativer Eingriff überhaupt erfolgen muss, so Racke. Die Termine würden innerhalb von zwei Tagen vergeben. Ob das neue Zentralklinikum diese Leistung künftig anbieten wird, konnte Dammann nicht beantworten. Das sei die Entscheidung der Kreiskliniken, erklärte sie.