Für die neue Kreißsaal-Leiterin Franziska Haas ist das Klinikum-Angebot in Freudenstadt das Konzept der Zukunft. Im Nebenberuf hat sie ihre kleine Hebammen-Praxis in Sulz-Holzhausen beibehalten.
Lange hat das Klinikum Landkreis Freudenstadt eine neue Leitung für den Kreißsaal gesucht. Mit Franziska Haas hat das Klinikum nun eine neue leitende Hebamme für den Kreißsaal und die Wochenbettstation gewonnen, wie die Krankenhäuser Landkreis Freudenstadt gGmbH (KLF) mitteilt.
Beruflich verfüge die 27-Jährige über das gesamte Erfahrungsspektrum von Uniklinik über Geburtshaus bis zur Selbstständigkeit. In Freudenstadt fühle sie sich mit diesem Erfahrungskoffer am richtigen Ort.
Die Geburtsstation am Klinikum Freudenstadt sei nach Meinung der neuen leitenden Hebamme Franziska Haas ein idealer Mittelweg aus einem modernen medizinischen Rahmen und intimer Atmosphäre, wenn es um die Geburt geht.
Intensive Schule an der Uniklinik Tübingen
Ihre Ausbildung hat die leitende Hebamme am Universitätsklinikum Tübingen absolviert und das ganze Fallspektrum der Geburtshilfe kennengelernt. „Darunter natürlich auch viele schwierige Geburten“, blickt Haas zurück. Das riesige Handlungsfeld und die medizinische Interventionskraft an der Uniklinik seien für Haas eine intensive Schule gewesen. Sie habe aber auch gesehen, wie Frauen in so einem großen Apparat mit seinem großen Andrang manchmal unter die Räder geraten können.
Das Stipendium des Landkreises Freudenstadt führte Haas nach der Ausbildung zurück in die Heimat. Sie machte sich selbstständig und arbeitete zudem als Hebamme im Geburtshaus Horb-Dießen. „Diese ruhige, intime Eins-zu-Eins-Betreuung im Geburtshaus war das komplette Gegenteil zu Tübingen“, blickt Haas zurück.
Doch die Weitläufigkeit des ländlichen Raums spiele bei Geburten eine wichtige Rolle. „Im Notfall sind die Strecken für Rettungswagen lang“, sagt Haas. Aus ihrer Sicht biete der Kreißsaal am Klinikum Freudenstadt deshalb einen idealen Mittelweg: Klein genug, um in einer ruhigen Atmosphäre zu gebären, aber groß genug, um im Bedarfsfall ein modernes medizinisches Fangnetz zu bieten. Für Haas ist diese Kombination aus Intimität und Sicherheit „das Konzept der Zukunft“.
Hebammen-Mangel inzwischen gravierend
Für das Klinikum Landkreis Freudenstadt sei die neue leitende Hebamme für den Kreißsaal und die Wochenbettstation ein Glücksgriff, heißt es in der Mitteilung. „Franziska Haas verfügt über das komplette Erfahrungsspektrum, das man als Hebamme haben kann“, freut sich Peter Seropian, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
Auch Ausbildung sei für Franziska Haas ein großes Thema. Im Nebenberuf hat sie ihre kleine Praxis in Sulz-Holzhausen beibehalten. Die Not von Frauen, die schon im frühsten Schwangerschaftsstadium händeringend nach einer Hebamme suchen, bekomme sie hier direkt mit. „Der Hebammen-Mangel ist riesig“, schildert Haas. Inzwischen sei die Situation auch hier in der Region so gravierend, dass vereinzelt Frauen ohne Betreuung auf die Geburt zugehen müssen.
Ein Grund- und Regelversorger wie das Klinikum Landkreis Freudenstadt bekomme damit nochmals eine ganz neue Relevanz. „Wir müssen nicht nur die Geburt selbst betreuen, sondern auch die Lücken in der Vor- und Nachsorge auffangen,“ beschreibt Franziska Haas die Situation.
Angesichts der Diskussionen von Klinikschließungen im Südwesten sei sowohl Kreißsaal-Leiterin Franziska Haas wie auch Chefarzt Peter Seropian bewusst, dass Freudenstadt künftig noch mehr Versorgungsdefizite auffangen müsse. Die Zeiten der Abwanderung von werdenden Eltern in andere Geburtskliniken sind vorbei. „Seit dem Bezug des neuen Klinikums kommen immer mehr Frauen zu uns“, bilanziert Peter Seropian.
Er und Franziska Haas sind überzeugt, dass dies nicht nur an geografischen und strukturellen Rahmenbedingungen liegt. „In Freudenstadt wird gute Geburtshilfe geleistet“, sagt Haas. „Das hat sich mittlerweile herumgesprochen.“