Auf vielerlei Weisen haben Schülerinnen und Schüler in der Schulkunstausstellung in Weil am Rhein das Thema „Textil“ umgesetzt. Foto: Beatrice Ehrlich

Dass „Textil“ nicht unbedingt mit Stoff zu tun hat, zeigt die Schulkunst-Ausstellung in der Galerie Stapflehus in Weil am Rhein. Schulen von Kandern bis Bad Säckingen sind dabei.

„Am Ball bleiben, damit das Fach nicht immer kleiner wird“ – mit diesem Appell richtete sich Katja Fehrenbacher an die Besucher der Vernissage am Freitag: Lehrerinnen, Schüler, Vertreter der Stadt Weil am Rhein und des staatlichen Schulamts in Lörrach.

 

Darin zeigt sich die Furcht vor einer weiteren Bedeutungsverlust des Fachs Kunst in den öffentlichen Schulen, wo laut Fehrenbacher die Zahl der Unterrichtsstunden in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen ist.

Die Schulkunstausstellungen, 1985 ins Leben gerufen, setzen dennoch jedes Jahr ein Statement für die schulische Kunstausbildung.

Dank der Stadt Weil am Rhein, die seit vielen Jahren ihre Städtische Galerie Stapflehus für diese landkreisweite Ausstellung zur Verfügung stellt, kann diese ganz im Südwesten Baden-Württembergs jedes Jahr stattfinden. Das ist in ganz Baden-Württemberg einzigartig, wie an diesem Morgen zu erfahren ist, denn überall sonst finden diese Ausstellungen nur alle zwei Jahre statt.

Oberbürgermeisterin Diana Stöcker und Kulturamtsleiter Peter Spörrer begrüßen die Gäste in der Städtischen Galerie Stapflehus. Foto: Beatrice Ehrlich

Dazu brauche es engagierte Lehrkräfte für Bildende Kunst – „BK“ – betont Fehrenbacher, ebenso aber auch Schulleiter, die diesen freie Hand lassen und der Kunst im Schulalltag trotz aller zeitlichen Enge angemessenen Raum zur Verfügung stellen.

Zeitungskleider und gefaltetes Papier

Schulen von Kandern über Weil am Rhein und Lörrach bis Bad Säckingen sind an der Ausstellung beteiligt. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Textil“.

Aus Zeitungspapier geschaffene Kleider zeigten Schüler aus Bad Säckingen bei einer Modenschau. Foto: Beatrice Ehrlich

Bedruckte und bemalte Stoffe jeder Art sind in den Räumen des historischen Weiler Stapflehus zu sehen. Manche der Kunstschaffenden sind einen Schritt weiter gegangen, und haben die Stoff-Idee weitergesponnen.

Zu sehen ist das etwa bei den Zeitungskleidern, welche eine zehnte Klasse bei der Vernissage in einer Modenschau selbstbewusst präsentiert. Auch andere Materialien kommen zum Einsatz: eine umfunktionierte Plastiktüte als Kleid oder gefaltetes Papier.

Zum letzten Mal in dieser Formation im Einsatz: das Schulkunstteam mit (v.l.) Jana Fridrichova, Gabi Hügin und Katja Fehrenbacher Foto: Dieter Hügin

Dass ihnen diese Ausstellung wichtig ist, darin zeigen sich die Weiler Oberbürgermeisterin Diana Stöcker und Kulturamtsleiter Peter Spörrer einig. „Kunst wird erst dann zur Kunst, wenn man sie einem Publikum präsentieren kann“, unterstreicht Stöcker, und Spörrer weist darauf hin, dass man trotz angespannter Haushaltslage an dieser jährlichen Ausstellung festhalte.

In Weil am Rhein genießt Kunst einen besonderen Stellenwert

Mit der Klasse 10 b der Realschule Dreiländereck ist Lehrerin Marga Weidner bei der Vernissage mit dabei. Denn Schüler sollen die Ausstellung nicht nur machen, sondern auch sehen. Mit der Stadt Weil am Rhein genieße man das Glück, einen Schulträger zu haben, der die besonderen Bemühungen um das Fach Kunst in der Realschule mit einem eigenen Kunst-Profil wohlwollend begleitet. Keine Selbstverständlichkeit, wie Weidner hervorhebt.

Ein eingespieltes Team des ZSL (Zentrum für Schulquaität und Lehrerbildung) als Veranstalter der Schulkunsttage – neben Fehrenbacher sind das Gabi Hügin und Jana Fridrichova – übernimmt in der Woche vor der Eröffnung die Aufgabe, die Schülerarbeiten im Raum zu verteilen und zu hängen.

Tatkräftig unterstützt werden sie dabei von Hausmeister Georg Schäfer.

Zehntklässler aus Weil am Rhein mit ihrer Installation aus verfremdeten Altkleidern Foto: Beatrice Ehrlich

Mit einem lachenden und einem weinenden Augen verabschiedet sich Hügin aus dem Team, da sie dieses Jahr in den Ruhestand geht. Zwei Nachfolgerinnen für sie stehen schon in den Startlöchern.

Musikalisch umrahmt wird die Vernissage wie schon seit etlichen Jahren von einem Blasorchester der Gemeinschaftsschule Weil am Rhein, ausnahmsweise unter der Leitung von Rektor Burkhard Keller persönlich.