Die Bahn ist eines der Motive seiner Werke: Patrick Luetzelschwab im Atelier in der Bühlstraße. Foto: Beatrice Ehrlich

Manchmal reichen Engagement und Begeisterung nicht aus. Diese Erfahrung hat Patrick Luetzelschwab gemacht, der die Leitung der Städtischen Galerie Stapflehus nach zwei Jahren aufgibt.

In seiner kurzen Zeit als Galerie-Leiter in Weil am Rhein hat Patrick Luetzelschwab mit wegweisenden Ausstellungsprojekten Akzente gesetzt und gleich mehrfach Besucherrekorde gebrochen. Dennoch schlägt er nach nur zwei Jahren – im Einvernehmen mit dem Kulturamt Weil am Rhein, wie beide Seiten versichern – einen neuen beruflichen Weg ein.

 

Herr Luetzelschwab, kurz, aber intensiv war Ihre Zeit als Leiter der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein. Standen all die Ideen, die Sie dort realisiert haben – Kunst-Flashmob, die KI-kuratierte Ausstellung, die Retrospektive des Weiler Graffitikünstler DARE, um nur einige Beispiele zu nennen – schon von Anfang an fest, oder wie hat sich das entwickelt?

Die Grundidee war von Beginn an klar: Ich wollte das Stapflehus aus seinem Dornröschenschlaf wecken und es zu einem offenen, lebendigen Ort machen. Und gleichzeitig neue Wege beschreiten, wie etwa mit dem Kunst-Flashmob, der den Ausstellungsraum buchstäblich für alle geöffnet hat. Die KI-kuratierte Ausstellung wiederum war ein Experiment, das sich dem Zeitgeist gestellt hat – auch um herauszufinden, was passiert, wenn Technologie plötzlich zum Kurator wird. Viele Formate sind organisch aus Gesprächen, Begegnungen und Beobachtungen gewachsen – das macht für mich gute kuratorische Arbeit aus.

Hätten Sie gern noch andere Projekte im Stapflehus verwirklicht? Welche?

Ja, sehr gerne. Einige Projekte waren bereits in der Ideenphase, manches sogar schon weitergedacht. Besonders hätte mich eine Weiterentwicklung der KI-kuratierten Ausstellung gereizt im Zuge der Regionale. Auch ein zweiter Kunst-Flashmob war angedacht, um das gemeinschaftliche Format weiterzuführen. Und schließlich hätte ich gern an die DARE-Ausstellung angeknüpft – mit einer weiteren spannenden Künstlerpersönlichkeit aus dem urbanen Kontext, die einen ähnlich starken Bezug zur Region und zur Gegenwartskultur hat.

Wo liegen Ihrer Ansicht nach die besonderen Stärken dieses Ausstellungsorts?

Das Stapflehus ist ein besonderer Ort. Das historische Gebäude bringt eine ganz eigene Atmosphäre mit sich – warm, eigenwillig, charismatisch. Es ist kein neutraler White Cube, sondern ein Raum, der fordert. Das macht ihn besonders.

Was waren für Sie die Gründe dafür, an dieser Stelle einen Schlussstrich zu ziehen?

Es war keine leichte Entscheidung. Aber manchmal reichen Engagement und Begeisterung allein nicht aus – auch strukturelle Rahmenbedingungen und eine gemeinsame Vision sind entscheidend. In diesem Fall konnte trotz gegenseitiger Wertschätzung leider keine Lösung gefunden werden, um meine inhaltlichen und konzeptionellen Vorstellungen langfristig zu realisieren. Deshalb habe ich mich entschieden, die befristete Leitung mit Ablauf der zwei Jahre nicht zu verlängern.

Wohin jetzt mit Ihren Ideen? Haben Sie einen oder mehrere andere Orte, an denen Sie in der kommenden Zeit Ausstellungsvorhaben verwirklichen können?

Ideen haben zum Glück kein Ablaufdatum – aber sie brauchen den richtigen Ort und den richtigen Zeitpunkt. Und letztlich ist eine Idee nur dann wirklich gut, wenn sie auch realisiert wird. Einige meiner Konzepte leben weiter, andere entwickeln sich gerade neu. Im Herbst werden Niels Tofahrn und ich ein uns beiden vertrautes und geschätztes Künstlerpaar in unserem Atelier zeigen. Weitere Formate dieser Art sind in Planung. Auch meine eigene künstlerische Arbeit wird wieder mehr Raum bekommen – die Ideen dazu sind da, aber sie brauchen, wie immer, Zeit, Energie und den richtigen Moment.

Welche Projekte verfolgen Sie außerdem?

Neben den Atelierausstellungen, die ich gemeinsam mit Niels Tofahrn vorbereite, arbeiten wir beide aktuell auch an der Idee, hier im Atelier eine weitere Ausstellung zu realisieren, in der wir beide in derselben Technik arbeiten und unsere Positionen dialogisch gegenüberstellen. Zwei Projekte, bei denen es um künstlerische Gesamtkonzepte für öffentliche Einrichtungen geht, befinden sich aktuell in der Entstehungsphase.

Welchen Leitfragen folgen Sie in Ihrer eigenen künstlerischen Arbeit?

Ehrlichkeit ist für mich zentral. Meine künstlerische Arbeit muss aus Überzeugung entstehen – aus einem inneren Impuls heraus, der stimmig ist und zum richtigen Zeitpunkt kommt. Ich brauche ein Thema, das mich wirklich beschäftigt, das in mir arbeitet. Und idealerweise ist es eines, das auch beim Gegenüber etwas auslösen kann – ein Nachdenken, ein Gefühl, eine Reibung. Kunst hat für mich dann Bedeutung, wenn sie authentisch ist und das Potenzial besitzt, Menschen zu berühren.

Was sind Themen, die Sie besonders interessieren? Welche Fragen tauchen immer wieder auf?

Ein Thema, das mich aktuell sehr beschäftigt, ist das Wasser – in all seinen Facetten. Es ist Lebensquelle, Naturgewalt, mythologisch aufgeladen und zugleich ein Spiegel unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Mich interessiert besonders die zunehmende Verschmutzung, der industrielle Fischfang, aber auch der Einfluss des Klimawandels auf die Weltmeere. Ein wesentlicher Impuls dafür war mein Besuch der Ausstellung Midnight Zone von Julian Charrière im Tinguely Museum – sehr beeindruckend und absolut empfehlenswert. Seither setze ich mich intensiver mit dem Thema auseinander – auch mit Blick auf eine mögliche künstlerische Umsetzung.

Sie sind ja in Weil am Rhein aufgewachsen? Was macht für einen Bildenden Künstler den besonderen Reiz dieser Stadt und ihrer Umgebung aus?

Weil am Rhein ist eine Stadt im Wandel – dynamisch, vielfältig und immer in Bewegung. Die Lage im Dreiländereck macht sie besonders spannend: Mit Basel direkt nebenan, einer international renommierten Kunststadt, entstehen hier immer wieder neue Impulse und Verbindungen. Diese geografische und kulturelle Nähe zu unterschiedlichsten Strömungen macht die Region für mich als bildender Künstler sehr inspirierend.

Zur Person:

Patrick Luetzelschwab ist 1976 in Freiburg geboren und in Rümmingen und Weil am Rhein aufgewachsen. Fast 20 Jahre hat er freiberuflich für das Vitra Design Museum und das Kunstmuseum in Basel gearbeitet und ist heute mit einer Teilzeitstelle im Historischen Museum Basel beschäftigt – neben seiner freien künstlerischen Arbeit.

Bis Mitte Juni war er Leiter der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein mit einem Pensum von 20 Prozent. Er ist glücklich verheiratet, Vater von drei wunderbaren Töchtern und leidenschaftlicher Kunstgenießer.