Maximiliane Rall – hier im Spiel gegen den FC Barcelona – ist in Chicago eingetroffen. Foto: Kohring/Eibner-Pressefoto/Beaut.Sports/Wunderl

Anfang der Woche machte sich die Bösingerin Maximiliane Rall auf den Weg in die Staaten. Die 30-Jährige wechselt im Winter vom FC Bayern München zu den Chicago Red Stars und freut sich auf die USA. Mit unserer Redaktion hat sie über die Gründe für den Wechsel, das Niveau der US-Liga und die Zukunft gesprochen.

Als Lothar Matthäus im März 2000 zu MetroStars in die USA wechselte, sagte er den legendären Satz: „My english is not very good, my german is better“. 24 Jahre später wagt die Bösingerin Maximilane Rall den Schritt in die USA. Eine Sprachbarriere wird es dabei jedoch wohl nicht geben.

 

Englisch ist kein Problem

Rall erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Mein Englisch ist sicher ausreichend für die Kommunikation. Bei Bayern hatten wir ja einen norwegischen Trainer (Anm. d. Redaktion: Alexander Straus), da wurde auch überwiegend Englisch gesprochen. Außerdem finde ich das amerikanische Englisch leichter zu verstehen.“

Die 30-Jährige machte sich Anfang der Woche auf den Weg nach Chicago. Drei Wochen zuvor hatte der FC Bayern die Vertragsauflösung mit den Worten „damit sich Rall einen Traum vom Wechsel in die USA verwirklichen kann“ vermeldet. In der Tat war dieser Schritt bereits im vergangenen Jahr eine Option. Rall blickt zurück: „Der Wunsch war auf jeden Fall da, aber da die Saison in den USA im März startet, wäre ich dann mitten in der Saison gekommen und das wollte ich nicht.“

Wenig Einsatzzeit

Die in Rottweil geborene Akteurin verlängerte daraufhin nochmals beim FC Bayern. In der Vorsaison war sie noch absolute Stammkraft, startete in 16 Bundesligaspielen sowie sieben Partien in der Champions League und hatte damit auch ihren Anteil an der Meisterschaft des FCB. In dieser Saison stand sie hingegen erst 18 Minuten für die 1. Mannschaft auf dem Platz.

Versprechungen nicht eingehalten

„So hatte ich mir das natürlich nicht vorgestellt. Ich habe vor der Verlängerung das Gespräch mit dem Trainer gesucht und nach meiner Rolle gefragt. Mir war klar, dass verletzte Spielerinnen zurück kommen.“ Wie Rall erzählt, wollte Straus sie aber unbedingt halten. Nennenswerte Einsatzzeiten gab es aber nach der Rückkehr von Rechtsverteidigerin Giulia Gwinn nicht mehr, ebenso wenig auf einer offensiveren Position, was Straus angedeutet hatte. Ralls Fazit: „Im Endeffekt waren das genau die Fragen, die ich gestellt hatte. So ist das schon unglücklich gelaufen und war am Ende eigentlich ein Witz. Man weiß natürlich nie wie es dann läuft, aber da hätte ich mir eine bessere Einschätzung gewünscht.“

Groll will sie deswegen aber auf keinen Fall hegen. Sie bezeichnet die zweieinhalb Jahre beim FC Bayern als „eine gute Zeit mit einer tollen Mannschaft und vielen Spielen die im Kopf bleiben“. So sind unter anderem die CL-Spiele in der Allianz Arena und die Auswärtspartie in Barcelona zu nennen. „Ich bin auf jeden Fall froh, diesen Schritt gegangen zu sein“, so Rall, die zuvor in Hoffenheim gespielt hatte.

Vorfreude auf die USA

Vorfreude herrscht bei ihr nun aber den Wechsel nach Chicago. Die Mannschaft befindet sich bereits in der Vorbereitung auf die am 13. März beginnen Saison. Nachdem nun mit dem Visum alles geklärt ist, kann Rall miteinsteigen. Sie stellt sich dabei auf „ein hohes Niveau ein“. So werde in den USA sehr athletisch und schnell gespielt. „Das Niveau wird sicher nicht schlechter und in der Breite wohl besser als in der Bundesliga sein“, prognostiziert die 30-Jährige. Sie weiß daher auch: „Ich werde sicherlich nicht kommen und dann fliegt mir alles zu. Das muss man sich im Training erarbeiten.“

Die Begeisterung für den Frauenfußball sei in den USA in jedem Fall hoch. Die positive Entwicklung in Deutschland kann Rall aus eigener Erfahrung bestätigen. „Es wurde schon mehr und mehr in großen Stadien gespielt. Das Niveau hat sich über die Jahre auch deutlich verbessert.“

Psychologie als interessantes Feld

In den USA wolle sie nun neue Erfahrungen sammeln, andere Stadien sehen, die großem Städte des Landes kennenlernen und möglichst viel spielen. Parallel blickt sie auch mit einem Auge schon auf die Zeit nach der Karriere. „Das ist sicher nicht ganz weit weg. Die restlichen Jahre kann man wohl an einer Hand abzählen.“

Rall hat einen Bachelor in Psychologie, per Fernstudium soll hier eventuell der Master folgen. „Wir hatten in München einen sehr guten Sportpsychologen. Eine Arbeit in diesem Bereich kann ich mir schon irgendwann vorstellen“, so Rall.