Bis zu 2500 Fußballfans pro Abend hatten sich 2024 zu den öffentlichen Übertragungen der deutschen EM-Spiele im Weiherstadion versammelt. In diesem Sommer müssen die Hechingerinnen und Hechinger auf ein Public Viewing in ihrer eigenen Stadt verzichten. Foto: Privat

Die Hechinger und Burladinger Veranstalter winken ab. Wer in ganz großer Gesellschaft Fußball gucken will, muss diesmal nach Balingen fahren.

Mit einiger Wehmut erinnern sich die Fußballfans aus dem Raum Hechingen an die EM 2024 in Deutschland. Das Baxter Public Viewing, veranstaltet vom FC Hechingen und DWS Veranstaltungstechnik und als Medienpartner unterstützt von der Südwest Presse Neckar-Alb, war das größte Public Viewing weit und breit. Insgesamt 8700 Fans verfolgten gemeinsam im Weiherstadion die fünf Spiele der DFB-Elf.

 

Jeder einzelne Abend sei einfach großartig gewesen, resümierte FC-Vorstandsmitglied Stefan Ermantraut damals nach dem Ende der Serie: „Ein Riesenspaß für alle, gechillte Stimmung und null Komma null Vorkommnisse.

Wir haben nicht mal ein einziges Pflaster gebraucht.“ Höchstens ein Trostpflaster, nachdem das begeisternde Viertelfinale gegen Spanien so unglücklich mit 1:2 und verweigertem Handelfmeter geendet hatte.​

Nichts mit „Hello again“

​Das Ganze schrie nach einer Neuauflage: Im Sommer 2026 wollten die Macher wieder am Start sein. Doch seit einiger Zeit steht fest: Ein „Hello again“ anlässlich der Fifa-WM in Nordamerika wird es nicht geben. „Wir haben uns das lange überlegt und alles geprüft und die Auslosung abgewartet“, gewährt Stefan Ermantraut einen Blick hinter die Kulissen und bekennt: „Wir hätten es auch absolut gerne wieder gemacht, und wir hatten viele Anfragen in den sozialen Medien.“u​

Nach reiflicher Überlegung und genauer Abwägung habe man aber entschieden: „Es macht keinen Sinn.“ Abschreckend wirkte zum einen der lange Zeitraum der diesjährigen Mega-WM mit 48 Teilnehmern. Das Turnier, das am 11. Juni eröffnet wird, erstreckt sich über fünfeinhalb Wochen. Das allein hätte die Hechinger Public-Viewing-Macher schon vor enorme logistische Herausforderungen gestellt.​

Und dann diese Anstoßzeiten...

​Zum anderen und noch gravierender: „die schwierigen Anstoßzeiten“. Das Auftaktspiel der Nagelsmann-Truppe am Sonntag, 14. Juni, um 19 Uhr gegen Curaçao wäre ja noch machbar gewesen. Aber schon die Spiele 2 und 3 lassen jeden Planer schaudern: Sowohl am 20. Juni gegen die Elfenbeinküste als auch am 25. Juni gegen Ecuador kickt die DFB-Elf ab 22 Uhr. „Das wäre logistisch schon eine Riesenchallenge geworden“, sagt Ermantraut, und obendrein „kritisch, auch wegen der Lärmbelästigung im Weiher“. Wann mögliche weitere Deutschland-Spiele angepfiffen würden, ist derweil noch gar nicht absehbar. Je nach Konstellation drohen Anstoßzeiten mitten in der Nacht.​ „Unterm Strich haben für uns die Risiken überwogen“, sagt Ermantraut. Der große Charme des Baxter Public Viewings habe bei der EM schließlich in der familiären Atmosphäre gelegen. Die Jungen und die Alten fläzten gemeinsam auf Picknickdecken vor der Großleinwand. ​ Nachts wäre der Charakter ein ganz anderer, und für Kinder und Jugendliche wäre ein Besuch der Übertragungen schon gar keine Option.​

Politik schreckt ebenfalls ab

​Einen weiteren Risikofaktor verschweigt Ermantraut ebenso wenig: die politischen Diskussionen rund um die Fußball-WM mit dem unsäglichen Trump-Amerika als Hauptaustragungsland. „Das“, so schwant dem FC-Vorstandsmitglied, „kann ja wie 2022 in Katar Dimensionen annehmen, dass der Fußball ganz ins Abseits gerät.“ Auch das wäre einer Fußballparty nicht zuträglich „Da freuen wir uns lieber auf die nächste EM in zwei Jahren“, sagt Ermantraut. Viele Sponsoren von 2024 wären wieder mit im Boot, neue Partner hätten schon Interesse signalisiert. Und die Anstoßzeiten wären beim Turnier in England, Schottland, Wales und Irland sicher wieder deutlich familienfreundlicher.​

Auch Burladingen nicht am Start

​Nicht nur in Hechingen wird es bei der diesjährigen WM kein Public Viewing geben. Auch in Burladingen, wo der Förderverein für Sport und Kultur schon seit zwei Jahrzehnten bei jedem Turnier mit einer Großveranstaltung am Start ist, hat man sich gegen das gemeinsame Gucken entschieden.

Der geschäftsführende Vorstand des Vereins hat sich darauf geeinigt, diesmal auf die Übertragungen zu verzichten. Als Hauptgrund werden „die teils unmöglichen Spielzeiten“ genannt: „Im schlimmsten Fall könnte ein Spiel um 6 Uhr morgens stattfinden.“

Balingen bietet die Ausweichmöglichkeit

Wer im Zollernalbkreis Fußball im Rudel schauen will, wird sich in diesem Sommer also nach Balingen orientieren müssen. Dort planen Stadt und Vereine, auf der Plaza, dem Strasser-Areal, verschiedene WM-Spiele unter freiem Himmel zu übertragen, auch dann, wenn sie um 22 Uhr beginnen. Die Stadt, so hieß es bei der Vorstellung der Pläne im Februar, stelle dabei LED-Leinwand, Strom, Wasser sowie zwei bis vier Verkaufshütten, Toilettenwagen, Müllbehälter und gegebenenfalls Bierbank-Garnituren. Jeweils zwei Vereine sollen pro Spiel die Bewirtung der Besucher mit Speisen und Getränken übernehmen. Die Verkaufsstände sollen immer zwei Stunden vor Spielbeginn öffnen.