Seit rund 18 Monaten ist sie nun im Amt und blickt zurück. Wie es zu ihrem politischen Engagement kam, hat sie unserer Zeitung erzählt.
Jessica ist 1998 geboren und stammt aus einer alteingesessenen Fischinger Familie. Bereits der Großonkel Emil Herr engagierte sich im Gemeinderat, genauso wie ihr Vater Christian, der als Geschäftsführer einer Metallbaufirma in Efringen-Kirchen tätig ist. Sie hat eine vier Jahre jüngere Schwester. Mutter Antje Gündner, die aus Istein stammt, ist ebenfalls im Dorfleben verankert. Sie leitet die bestens nachgefragten Feuerwehr-Bambinis und hat zu diesem Zweck sogar eine Feuerwehr-Ausbildung absolviert. Jüngst wurde Mama Antje – sie arbeitet als Erzieherin im Kindergarten – bei der Feuerwehrversammlung von Abteilungskommandant Harald Lehmann nach erfolgreicher Ausbildung in die Mannschaft als Feuerwehrfrau aufgenommen.
Jessica sagte: „Ich war von klein auf im Dorfleben unterwegs“. Das familiäre Anwesen „Am Graben“ besaß einen Partykeller, der von den beiden Mädchen gern und viel benutzt wurde. Auch einen großen Garten gibt es, wo Jessica sich mit ihrem „grünen Daumen“ verwirklichen kann.
„Irgendwas mit Bio“
Neben ihrer Schulzeit im Kant-Gymnasium in Weil, mit Leistungsklasse in Biologie, entwickelte sie seit ihrem 15. Lebensjahr das Gestalten von Gartenblumensträußen und Züchten von Gemüse als Hobby. So wird von ihr auch Apfelsaft aus eigener Produktion hergestellt. Familiäre Vorbilder bei der Floristik gab es genug, die Oma verkaufte auf dem Wochenmarkt in Lörrach ihre gebundenen Sträuße. Dass die Gymnasiastin „irgendwas mit Biologie“ machen will, war ihr sehr früh klar.
Nach dem Abitur ging es zunächst nach Basel zum Bio-Studium mit Abschluss als „Master of Science“. Anschließend erfolgte der Berufseinstieg beim Uni-Spital in Basel, als Mitarbeiterin in der Grundlagenforschung und Immunbiologie. Nach drei Jahren Labor-Arbeit wechselte sie 2024 ihre Arbeitsstelle, wollte etwas anderes ausprobieren und begann im Qualitätsmanagement eines Herstellers von Medizinprodukten in Schönenbuch im Kanton Basel-Land. Dort beschäftigt sie sich mit der Herstellung von diagnostischen Test, unter anderem für Allergien, für die Gastroenterologie und Neuro-Immunologie. Sie sagte: „Das ist genau die projektbasierte Arbeit, die mir Spaß macht. Die Tätigkeit ist abwechslungsreich, wir haben ein tolles Betriebsklima und es erfolgt auch eine kontinuierliche Weiterbildung“.
Jessica Jäger: „Ich will mich im Dorf einbringen“
Jessica Jäger berichtete: „Der Gedanke, mich beim Gemeinderat zu bewerben, hatte ich bereits frühzeitig“. Bereits zur Wahl 2019 überlegte sie ihre Bewerbung, entschied jedoch, erst das Studium zu beenden. Sie sagte: „Mir war früh klar, dass ich im Dorf bleiben möchte und mich hier einbringen will“. Sie entschied, dass eine Mitwirkung im Gemeinderat der richtige Weg ist, besuchte vor den Wahlen 2024 eine Info-Veranstaltung in Fischingen und warf „den Hut in den Ring“.
Tatsächlich gab es mehr Bewerber als Plätze im Gemeinderat. Sie sagte: „Zu meiner Überraschung wurde ich gewählt, was vielleicht auch damit zu tun hatte, dass ich in Fischingen tief verwurzelt bin. Dass man mir sowas zutraute, hat mich sehr gefreut“.
Ihr Augenmerk liegt auf der Mitwirkung im Gemeindeleben und beim Organisieren von gemeindlichen Veranstaltungen und Festen. Sie schmunzelte: „Wenn ich jetzt Post bekomme mit der Adresse ’Frau Gemeinderätin Jessica Jäger’ muss ich immer noch schmunzeln“.
„Nett aufgenommen“
Sie ist für den Gemeinderat als Mitglied des Wasserverbandes Südliches Markgräflerland tätig und ist Stellvertreterin im Kuratorium Kindergarten. Mit ihrer Schwester als Partnerin hat sie sich das Schminken von Kindern selbst beigebracht und bringt ihre Fähigkeiten gern bei örtlichen Veranstaltungen ein.
Vor kurzem erhielt sie von Feuerwehrkommandanten Harald Lehmann ein Blumensträußchen als Dankeschön, über das sie sich sehr freute. Probleme mit der „Neuen“ im Gemeinderat habe sie nicht wahrgenommen, sie ist begeistert: „Ich wurde gleich nett aufgenommen, ich wurde unterstützt, und hatte auch nie Hemmungen, meine Kollegen etwas zu fragen“.
Auch nach 18 Monaten gibt es für sie noch viel zu lernen, darunter Angelegenheiten des Haushalts oder Bauangelegenheiten. Erfreulich war für sie die Erkenntnis , wie viele Bürger sich in Fischingen ehrenamtlich betätigen.
Die junge Gemeinderätin will in Fischingen bleiben
Hobbys hat sie reichlich: Gemeinsam mit ihrem aus Wintersweiler stammenden Freund unterhält sie in Vorarlberg auf einem Stellplatz einen Wohnwagen. Von hier aus kann das sportliche Paar im Sommer nach Herzenslust wandern, im vergangenen Winterhalbjahr verbrachten sie dort 14 Wochenenden beim Skifahren. Auch geht sie regelmäßig ins Fitnessstudio.
Aber auch für die schönen Künste hat die junge Gemeinderätin ein Herz: Ihr Klavier zuhause würde sie nie hergeben. Nach vielen Jahren Klavierunterricht ist sie querbeet beim Spiel von vielen Genres anzutreffen, egal ob Klassik, Pop oder Melodien aus Musicals. Dabei begeistern sie insbesondere die Musicals von Andrew Lloyd Webber – so hat sie im vergangenen Jahr das „Phantom der Oper“ in Basel gleich zwei Mal besucht.
Eigene Wohnung bezogen
Dass sie in Fischingen bleibt, resultiert auch aus dem Umbau eines Teils des familieneigenen Anwesens. Dort bezog sie nun vor vier Wochen gegenüber ihres Elternhauses mit ihrem Freund ihre eigene Wohnung. Sie schmunzelte: „Momentan leben wir noch in Kartons“.
Zur Person
Jessica Jäger
ist die jüngste Gemeinderätin von Fischingen und ist 2024 mit 26 Jahren gewählt worden. Sie ist Bio-Technikerin und arbeitet im Kanton Basel-Land. Die gebürtige Fischingerin wohnt gemeinsam mit ihrem Lebenspartner im Heimatort. Die sportliche junge Gemeinderätin ist floristisch begabt, betreibt Sportarten wie Wandern und Skifahren und spielt für den Hausgebrauch leidenschaftlich gerne Klavier.