Insgesamt fünf Biber wurden seit Oktober in Loßburg von der Kinzigtalbahn überfahren. Das sagen der Wildtierbeauftragte des Landkreises und die Deutsche Bahn zu den Vorfällen.
„Was ist denn eigentlich mit dem Biber?“, brachte Gemeinderat Thomas Gisonni (GL) das Thema am Ende der jüngsten Sitzung auf den Tisch, nachdem ihn die Frage aus der Bevölkerung erreicht hatte. „Dafür, dass in Loßburg kein Zug mehr fährt, wurden schon drei vom Zug überfahren“, berichtet Bürgermeister Christoph Enderle. „Also ohne Witz“, ergänzte er auf das schallende Gelächter aus den Reihen der Gemeinderäte.
Sonderlich witzig ist das Thema jedoch nicht. Allein im Frühjahr wurden bereits zwei Biber auf der Strecke der Kinzigtalbahn in Loßburg überfahren. Zwei weitere waren es im vergangenen November, einer im Oktober. Das berichtet der Wildtierbeauftragte des Landkreises Freudenstadt Peter Daiker auf Anfrage unserer Redaktion.
Dass der Biber nicht für alle Menschen ein gerngesehener Gast in der Gemeinde ist, zeigte auch der Vorfall 2023, als bislang Unbekannte mutwillig den Biberdamm am Heimbach in Loßburg-Betzweiler zerstörten – eine Straftat. „Der Biber stirbt durch die Zerstörung nicht und wandert auch nicht ab“, erklärte Daiker damals gegenüber unserer Redaktion. Wodurch er jedoch sehr wohl stirbt, ist die Kinzigbahn. Dabei liegt der Kinzigsee, an dem die Biber sich niedergelassen hatten, doch in einigen Hundert Metern Entfernung zu den Bahngleisen. Wie kamen die Biber also dorthin? Und wieso?
Der Hunger trieb sie auf die Gleise
Waren sie kürzlich noch am Kinzigsee sesshaft, so hatte sich die Biberfamilie in der Zwischenzeit an einem kleinen Wassergraben neben der Kinzigtalbahnlinie, etwa unterhalb des Loßburger Freibades, niedergelassen. Kein untypisches Verhalten: Ein Biberrevier könne sich laut Daiker über eine Länge von ein bis zwei Kilometern erstrecken.
Der Grund für den Umzug an die Gleise sei jedoch das dortige, für die Biber im Winter einfach zu verlockende Futterangebot in Form von Zitterpappeln gewesen, erklärt Daiker. Um an diese heranzukommen, seien sie wohl immer wieder, vom Hunger getrieben, über die Bahngleise gelaufen – bis sie irgendwann einer nach dem anderen vom Zug erwischt wurden. Von der Familie dürfte nun laut Daiker nicht mehr viel übrig sein.
Deutsche Bahn steht im Austausch mit Wildtierbeauftragten
Der Deutschen Bahn sei der Umstand in diesem Ausmaß bisher nicht bekannt gewesen, jedoch stünden sie mittlerweile im Austausch mit dem Wildtierbeauftragten, erklärt eine Sprecherin der Bahn auf Anfrage unserer Redaktion.
„Grundsätzlich prüfen wir mögliche Maßnahmen wie angepasstes Vegetationsmanagement, punktuelle Vergrämung, Wildfangzäune, Querungshilfen oder den Schutz einzelner Bäume und tauschen uns mit zuständigen Behörden und Fachstellen aus“, erklärt die Sprecherin. Jedoch seien sich die Bahn und Daiker einig, dass es momentan keine geeignete Lösung gebe, um die Tiere vollends davon abzuhalten, die Gleise zu überqueren.
Nicht die letzten Biber in der Gemeinde Loßburg
Verkehrsunfälle sind bei Bibern die Haupttodesursache – etwa acht bis zehn Tiere werden jährlich im Kreis Freudenstadt überfahren. „Klar ist es schade um die Tiere“, sagt Daiker. Doch je mehr Nager es gebe, desto mehr würden auch überfahren. Mindestens 40 Reviere mit jeweils rund vier bis sechs Bibern gibt es laut dem Experten derzeit im Kreis Freudenstadt.
Auch mit Blick auf die Gesamtgemeinde Loßburg habe es sich bei den überfahrenen Tieren nicht um die letzten Exemplare gehandelt: In den Teilorten Sterneck, Wittendorf, Betzweiler, Wälde und Lombach gebe es noch immer Biber, so Daiker. Zudem seien am Kinzigsee schon wieder neue Nagespuren gesichtet worden, berichtet Daiker. Vielleicht habe sich hier also bereits ein neuer Jungbiber niedergelassen.