Blutige Haut und kaum noch Fell: Im Landkreis Karlsruhe wurden Füchse mit Räude gesichtet. Doch ist die Krankheit auch für Hunde und Menschen ansteckend?
Blutiger Ausschlag, kaum noch Fell, mager bis auf die Knochen – so sehen Füchse mit der parasitären Krankheit Räude, auch Fuchsräude genannt, aus. Diesen kranken Tieren kann man derzeit im Landkreis Karlsruhe begegnen. Denn dort sind vereinzelt Fälle der hochgradig ansteckenden Räude gesichtet worden. Wie gefährlich diese Krankheit für Hund und Mensch wirklich ist und ob sie sich ausbreitet – wir haben nachgefragt.
Räude ist eine hochgradig ansteckende Hauterkrankung, die durch Grabmilben verursacht wird. Zu den charakteristischen Symptomen der Krankheit zählen kahle Stellen hin zu nahezu vollständig haarlosen Tieren, ein starker Juckreiz, der zu blutig gekratzten Stellen führt. Auch Verkrustungen und häufig ein insgesamt geschwächtes Erscheinungsbild seien Teil der Erkrankung, erklärt Katharina Daiss, Pressesprecherin des Landesjagdverbands Baden-Württemberg.
Die Räude sei durch diese sichtbaren charakteristischen Veränderungen in der Regel deutlich erkennbar, fügt Nicole Schwarz, Pressesprecherin des Landratsamts Karlsruhe, hinzu. Die Erkrankung sei für Jäger somit zumeist unmittelbar sichtbar.
Aktuelle Fälle im Kreis Karlsruhe
Aktuell lägen dem Veterinäramt von einem Jagdpächter aus Rheinstetten im Landkreis Karlsruhe Sichtungen von Füchsen mit Räude vor. Da jedoch keine Pflicht bestehe, die Sichtungen zu melden, würden diese nicht systematisch erfasst, meint Schwarz.
„Erfahrungen aus früheren Jahren zeigen, dass die Räude in Baden-Württemberg immer wieder auftritt“, erläutert Daiss. Dabei entstünden lokale Schwerpunkte, die sich verlagern. Ob und wie stark sich die Erkrankung verbreite, hänge zudem stark von der Populationsdichte der Füchse ab.
„Die Übertragung der Räude ist innerhalb der Fuchspopulation durch direkten Körperkontakt oder eine Übertragung über die Umgebung möglich“, meint Schwarz. Eine weitere Ausbreitung im Landkreis Karlsruhe sei möglich, da im Januar und Februar die Paarungszeit der Füchse beginne.
Lokale Begrenztheit der Fuchsräude
In diesem Zeitraum sei der Körperkontakt der Füchse untereinander intensiver und insbesondere die männlichen Tiere legten weitere Wege zurück. Hierdurch werde eine Weiterverbreitung der Räude begünstigt. In den Monaten März und April folge die Aufzucht der Jungtiere. Hier sei eine Übertragung von infizierten Elterntieren auf die Jungtiere möglich, so Schwarz.
Zu einer weitreichenden Ausbreitung der Krankheit, kann die Pressesprecherin Entwarnung geben: „Kranke Füchse werden entweder durch den Jäger aus der Population entnommen oder verenden an der Krankheit.“ Das Geschehen sei daher in der Regel lokal begrenzt, stellt sie fest. Nach einer epidemischen Welle gingen die Fälle im Anschluss erfahrungsgemäß wieder zurück.
Begegnung mit einem infizierten Tier
Sollten Spaziergänger offensichtlich erkrankten oder verendeten Tieren begegnen, empfiehlt Schwarz, Wildtiere nicht anzufassen und ausreichend Abstand zu halten. Außerdem sollte in diesem Fall der zuständige Jäger oder Wildtierbeauftragte informiert werden, ergänzt Daiss. „Wenn kein Ansprechpartner erreicht werden kann, hilft auch die Polizei weiter.“
Doch nicht nur Spaziergänger sollten achtsam sein – auch Hundebesitzer. Denn es ist auch eine Übertragung der Räude auf Hunde möglich, meint Daiss. „Hunde können sich sowohl durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren als auch indirekt, beispielsweise durch das Stöbern in einem Fuchsbau, anstecken“, fügt Schwarz hinzu.
„Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, sollten Hunde angeleint werden und nicht abseits der Wege laufen“, erklärt die Pressesprecherin des Landesjagdverbands Baden-Württemberg.
Im Falle einer Ansteckung könnten Hunde mit verschiedenen Antiparasitika behandelt werden, so Schwarz. Hundebesitzern werde zudem empfohlen, bei ersten typischen Symptomen – etwa Schuppenbildung im Bereich von Nase, Ohren oder Augen, starkem Juckreiz oder Hautveränderungen an Ellenbogen, Unterbauch oder Innenschenkeln – frühzeitig einen Tierarzt aufzusuchen.
Fuchsräude beim Menschen
Hunde sind allerdings nicht die einzigen Wirte, auf die sich die parasitären Grabmilben übertragen können. Auch der Mensch kann sich mit der Räude infizieren.
Aber der Mensch ist für die Fuchsräude ein sogenannter „Fehlwirt“. „Eine Ansteckung ist – ähnlich wie beim Hund – durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder indirekt über eine kontaminierte Umgebung möglich“, so Schwarz. In der Regel heile ein Befall mit tierischen Milben beim Menschen jedoch von selbst wieder aus, da sich diese im menschlichen Körper nicht korrekt vermehren könnten, meint sie.
Fuchsräude in der Region
In der Region gibt es derzeit keine Meldung zu Sichtungen der Fuchsräude. Wie Nicole Schwarz, Pressesprecherin des Landratsamts Karlsruhe, und Katharina Daiss, Pressesprecherin des Landesjagdverbands Baden-Württemberg, erklären, bleibe die Verbreitung der Krankheit erfahrungsgemäß lokal und breite sich nicht über Landkreise hinweg aus.