Die Bären sind zwischen Februar und Mitte März wieder aus ihrer Winterruhe erwacht. Foto: Holderied

Im Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach ist der Frühling eingekehrt. Die Bären sind aus der Winterruhe erwacht. Warum jetzt die beste Zeit für einen Besuch ist.

Schon beim Näherkommen sind heulende Wölfe und trampelnde Bären zu hören. Spätestens jetzt ist klar: Die Winterruhe im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau-Schapbach ist vorbei – zumindest für die Bären.

 

Der Park ist das Zuhause von vier Wölfen, einem Luchs und zehn Bären – darunter drei Wildbären. Während der Wintermonate halten die Bären Winterruhe – manche mehr, manche weniger erfolgreich.

Für die Wildbären ist der Park eine Umstellung

„Die ersten Bären haben ihre Winterruhe bereits im Februar beendet“, sagt der Projektleiter des Wolf- und Bärenparks, Raoul Schwarze. In freier Wildbahn umfasst das Revier eines Wildbären etwa 250 Quadratkilometer. Zwar bietet der Park ein großflächiges Gehege, insbesondere im Vergleich zu einem Zoo, dennoch sind die Tiere es gewohnt, sich selbst einen sicheren Platz zum Überwintern zu suchen. „Wir stellen jedem Bären ein bis zwei Höhlen zur Verfügung“, erklärt Schwarze. Die Umstellung bedeute dennoch Stress für die Tiere.

Raoul Schwarze ist der Projektleiter des Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald. Foto: Holderied

Die tierischen Bewohner stammen aus unterschiedlichen Ländern und lebten unter verschiedenen Bedingungen. Bärin Franca etwa kommt aus der Haltung eines französischen Schaustellerpaares und hauste dort in einem dunklen Verschlag. „Obwohl sie es nie gelernt hat, hält sie bei uns mittlerweile auch Winterschlaf“, sagt Schwarze sichtlich berührt.

Die Wölfe und der Luchs sind das ganze Jahr über aktiv. Der letzte Bär hat in diesem Jahr etwa Mitte März seine Höhle verlassen. „Das dauert dann auch ein bisschen, bis sie wieder fit sind – die sind dann auch mal drei Tage weg und kommen dann wieder“, sagt Schwarze.

Ab Ende Oktober halten die Bären Winterruhe

Vor der Winterruhe legen sich die Bären eine Fettreserve an und nehmen dabei rund 40 Prozent an Gewicht zu. „Ab August bekommt jeder Bär täglich etwa 50 Kilogramm Futter, auch viel Fruchtzucker – die stehen halt auf süße Sachen“, sagt er und lacht.

Vor der Winterruhe nehmen die Bären etwa 40 Prozent ihres regulären Gewichts zu. Foto: Holderied

Während der Winterruhe – von Ende Oktober bis etwa März – verändert sich der Hormonhaushalt der Tiere. Körpertemperatur, Herzschlag und Atmung werden heruntergefahren. „Sie müssen in diesen Monaten kaum Flüssigkeit zu sich nehmen.“

Das Erwachen aus der Winterruhe lasse sich laut Schwarze mit dem Aufwachen eines Menschen vergleichen: „Sie sehen richtig verschlafen aus, sind viel dünner und bewegen sich zunächst nur langsam, bauen aber keine Muskeln ab. Dann beginnen sie zu trinken und Gras zu fressen, um den Magen anzuregen. Anfangs sind sie nur drei bis vier Stunden am Tag wach.“

Insgesamt zehn Bären leben in dem Alternativen Wolf-und Bärenpark Schwarzwald. Foto: Holderied

Ziel des Projekts ist es, den Tieren vor Ort ein neues Zuhause zu geben und sie einzugliedern. „Wir sprechen davon, dass der Wolf der Psychologe des Bären ist“, sagt Schwarze und schmunzelt. Als Nahrungskonkurrenten sollen Wölfe und Bären durch das Zusammenleben ihre Verhaltensauffälligkeiten abbauen. Der Park ist privat finanziert und auf Eintrittsgelder sowie Sach- und Geldspenden angewiesen. „Man kann auch Patenschaften für die Tiere erwerben“, erwähnt der Projektleiter.

Ziel ist die Rettung von Tieren aus schlechter Haltung

Die Tiere stammen aus dem In- und Ausland, meist aus schlechten Haltungen – etwa aus Privathaltungen, Zoos oder Zirkussen. Drei der Bären sind ursprünglich Wildbären, die aufgrund auffälligen Verhaltens, etwa nach Vorfällen mit Menschen, nicht mehr in der Natur leben durften. Neue Bewohner sind vorerst nicht geplant: „Wir sind aktuell mit der Rettung vieler Tiere beschäftigt.“ Zuletzt kam die Wildbärin Luna, früher JJ4 genannt, aus dem Trentino in Italien in den Park.

Mit dem Frühling kommt auch wieder mehr Bewegung in den Park. Die Bären gewöhnen sich langsam wieder an das Leben außerhalb ihrer Höhlen. Für Besucher ist das die beste Zeit: Noch ist das Gelände nicht zugewachsen – und die Chancen stehen gut, Bären, Wölfe und Luchs in Aktion zu erleben.