Die Alemannen erhitzen im Freilichtmuseum Stein einen Ofen, um Bronze zu verflüssigen und in Form zu gießen. Foto: Kauffmann

Das Römische Freilichtmuseum Stein hat über das Wochenende Sippen der Alamannen und Römern aus Süddeutschland, der nahen Schweiz und Österreich beherbergt.

Es schüttet am Samstagnachmittag wie aus Eimern. Eckhart Liebler sitzt im sogenannten „Gemeinschaftsraum“, ein größerer Bereich, den eine Zeltplane überspannt. Er gehört zu einer von rund zehn Gruppen aus Süddeutschland und der Schweiz, die zum Freundschaftstreffen ins Römische Freilichtmuseum nach Stein gekommen sind.

 

Stoisch wartet er auf das Ende des Regens. Der Nürtinger gehört zur Gruppe „Viatores Aetatis“, mal ist er Alemanne, mal Kelte, wie es gerade passt. Und ja, man müsse sich jedem Fall aber schon mit der Geschichte befasst haben.

Den kulturellen Unterschied sieht man deutlich: Die Römer haben mehrere kleine Zelte, die schnell auf- und abgebaut sind. Die Gruppe „Viatores Aetatis“ fällt mit deutlich größeren Zelten auf. Liebler berichtet von dem Anhänger, auf dem eineinhalb Tonnen Material nach Stein transportiert wurden. Dazu kommt ein vollgeladener Van.

Römer haben die kleineren Zelte

Das lässt sich historisch begründen: Die Römer zogen mit ihrem Heer von Ort zu Ort, während die Kelten mit der ganzen Sippe unterwegs waren. Und natürlich haben in Stein alle Teilnehmer eines gemein: Sie haben so viel dabei, dass sie ein Wochenende auf dem Gelände des Freilichtmuseums kampieren können.

Was sie gegen das Regenwetter und den Wind tun, der von allen Seiten reinzieht? „Singen“, antwortet Birgit Seitz. Seemannslieder, Irish Folk, Lumpenlieder und ja, auch mal der eine oder andere Hit der „Backstreet Boys“ darf nicht fehlen. Was das Herz wärmt, wärmt den Körper.

Kinder schwingen mit Eifer die Schwerter

In Sichtweite probieren sich Kinder im Schwertkampf. Manuel Muttner, der aus der Schweiz kommt, schlüpft in die Rolle eines Legionärs. Dann trägt er den Namen „Pullo“, angelehnt an den raubeinigen Legionär einer Fernsehserie. Wer sich mit ihm unterhält, merkt aber schnell: Ganz so brutal ist der Mann aus dem Thurgau ja doch nicht.

Die Kinder hat er mit Schwertern ausgestattet, eigentlich sind es kurze Stangen, verkleidet mit Schaumstoff. Wer ein Kettenhemd trägt und drei Treffer bekommt, ist raus aus dem Spiel, wer zwei Treffer auf Lederbekleidung einsteckt, muss das „Schwert“ niederlegen und auf die nackte Haut genügt dafür schon ein Treffer.

Köcher für Pfeile herstellen

Somit müsste „Pullo“, der mit einem Kettenhemd dasteht, die besten Überlebens-Chancen haben. Doch Vorsicht, die Eifer, mit der die Kinder Schaumstoff-Schwerter schwingen, dürfte ihn dann doch beeindruckt haben.

Filigraner geht es in einer Alemannenhütte zu. Im Schutz der Trockenheit stellen sie einen Köcher für Pfeile her. Daneben waltet ein kräftiger, bärtiger Mann seines Handwerks: Er nennt sich „Gangleri“ und ist Häuptling der Sippe „Tywaskier“. Er und seine Mitstreiter kommen aus Basel, in Stein sind sie in ihrem Element.

„Gangleri“ hat schon eine kleine Zuschauerschar um sich versammelt. Er blickt konzentriert auf einen kleinen Ofen, der auf 900 bis 1200 Grad erhitzt. Lehm fixiert die Schamottsteine, zwei Blasebälge lassen die Flammen kontrolliert höher schlagen.

Ein Kelte wiegt 82 Kilogramm

Der Häuptling gießt die flüssige Bronze in die Form. Bricht sie auf. Alle Augen richten sich auf den Guss. Ganz zufrieden ist er mit dem Ergebnis nicht, aber sei’s drum: „Wenn es beim ersten Mal auf Anhieb funktioniert, ist es komisch“, meint „Gangleri“. Wenn dem wirklich so wäre, könne da irgendwas doch nicht stimmen.

So einzigartig dieser kleine Ofen ist, so einzigartig ist die antike Waage der Keltengruppe Riusiava aus Grabenstetten (Kreis Reutlingen). Die Konstruktion ist eine originalgetreue Nachbildung eines Wieg-Instruments, das ursprünglich um 100 vor Christus im Einsatz war. Es war für den Handel und auf größere Gewichte ausgelegt.

Das Gewicht kann die Waage aber nur bestimmen, wenn die Ware zwischen 50 und 92 Kilogramm wiegt. Wer sich den Spaß erlauben will, kann sich selbst wiegen. Einer der Kelten setzt sich aufs Brett, um die Funktionsweise zu demonstrieren. Das Ergebnis: 82 Kilo.