Die Stadt bemüht sich um Fördermittel des Bundes. Bekommt Calw Gelder aus der „Sportmilliarde“, könnte die Stadt ihre Hallen in Hirsau und Altburg sanieren.
Seit dem vergangenen Sommer laufen die Sanierungsarbeiten an der Stammheimer Gemeindehalle. Die Fassade sowie der Innenbereich bis auf den Boden und die Tribüne werden gerichtet. Hinzu kommt ein neues zweistöckiges Foyer, welches den bisherigen Eingangsbereich ersetzen wird. Alle Arbeiten sollen bis September 2026 abgeschlossen sein, damit die Halle im neuen Schuljahr wieder voll genutzt werden kann.
8,4 Millionen Euro kostet das Projekt. Doch die Stadt bekommt dafür eine Förderung von rund 3,6 Millionen Euro. Angesichts der Haushaltslage kann Calw solche Projekte nicht ohne erhebliche Zuschüsse stemmen. Nun hat die Bundesregierung ein neues Förderprogramm für die Sanierung kommunaler Sportstätten aufgelegt. Auf die sogenannte „Sportmilliarde“ können sich die Kommunen bis zum 15. Januar bewerben. Bei einem Zuschlag bekommen sie bis zu 45 Prozent der Sanierungskosten, aber maximal acht Millionen Euro gefördert. Zuschüsse für Neubauten gibt es nicht.
Sechs Millionen Euro je Halle
Die Stadt Calw möchte diese Gelegenheit nutzen. Das machte Oberbürgermeister Florian Kling jüngst im Gemeinderat klar. „Wir wollen die Mittel beantragen, um die Chance wahrzunehmen“, sagte Kling. Konkreter will die Stadt Gelder für die Turnhalle in Hirsau und die Schwarzwaldhalle in Altburg bekommen. „Die beiden Sportstätten bräuchten es am dringendsten“, so Kling. In Hirsau sei die Sanierung sogar noch dringender als in Altburg.
Die Sanierung koste je Halle rund sechs Millionen Euro, erklärte Kling. Das hätten Machbarkeitsstudien der KVL Bauconsult GmbH ergeben. Die Stadt habe die Firma mit den Berechnungen beauftragt. Denn bei der Sportmilliarde würden Projekte bevorzugt behandelt, die sich schon in der Planung befänden.
Hallen über 40 Jahre alt
Die Halle in Hirsau wurde Anfang der Achtzigerjahre gebaut. Sie ist eine Einfeld-Sporthalle mit angeschlossenen Umkleiden, Sanitärbereichen und Technikräumen. Die Halle befindet sich direkt beim Sportplatz. Laut Sitzungsvorlage wird sie „sowohl für den Schul- und Vereinssport als auch für Freizeitnutzungen der örtlichen Gemeinschaft“ genutzt. In der Vergangenheit habe es einzelne Modernisierungsmaßnahmen gegeben. „Eine energetische Gesamtsanierung der Gebäudehülle oder eine systematische Optimierung der technischen Anlagen hat bisher jedoch nicht stattgefunden“, so die Vorlage.
Die Schwarzwaldhalle in Altburg ist seit Ende der Ende der Siebzigerjahre in Betrieb. Sie ist eine kombinierte Turn- und Mehrzweckhalle mit Bühne, Küche, Vereinsraum und Nebenräumen. Auch hier gab es laut Vorlage in der Vergangenheit einige Maßnahmen. Aber es bestehe „energetischer und technischer Optimierungsbedarf“, insbesondere bei der Anlagentechnik, der Lüftung und beim Dämmstandard. Die Halle sei zwar „funktional intakt“, entspreche aber nicht mehr den heutigen Anforderungen.
Die Sanierung beider Hallen soll diese laut Vorlage „zeitgemäß nutzbar“ machen und die Einhaltung der Vorschriften zu „Barrierefreiheit, Brandschutz, Energieverbrauch und Versammlungsstätten“ gewährleisten. Das könnte der Stadt auch langfristig Geld sparen. Denn beide Hallen seien groß, würden viel genutzt und gehörten damit zu den großen Energieverbrauchern der Stadt. Diese Energiekosten muss die Stadt bezahlen. Und die würden nach der Sanierung sinken.
Manchmal hilft, arm zu sein
Und Oberbürgermeister Kling erklärte, dass Calw sogar noch höhere Fördergelder bekommen könnte. Denn für arme Kommunen liege die Förderquote der Sportmilliarde sogar bei 75 Prozent. „Manchmal hilft es, arm zu sein“, sagte Kling. Dass Calw im Sinne des Förderprogramms arm genug ist, habe das Regierungspräsidium Karlsruhe offiziell bestätigt. Bekäme die Stadt also den Zuschlag für die Sanierung beider Hallen, müsste sie bei einem Gesamtvolumen von zwölf Millionen Euro nur drei Millionen Euro selbst beisteuern.
Doch dass Calw diesen Zuschlag bekommt, ist bei Weitem nicht sicher. Auf das Förderprogramm der „Sportmilliarde“ werde es viele Bewerbungen geben, so Kling. Das Geld werde nicht für alle bundesweit eingereichten Projekte ausreichen, manche also keinen Zuschlag bekommen. Aber wenn Calw gleich die Förderung für zwei Hallen beantrage, „können wir die Chancen in der Lotterie erhöhen“, sagte Kling.
Die Badstraßenhalle nicht?
Oliver Höfle (GfC) wunderte sich, dass für die Badstraßenhalle keine Förderung beantragt werde. „Die auf dem Wimberg ist auch nicht dabei“, entgegnete Kling. Die Verwaltung habe sich nach einer Vorabsprache auf die beiden Hallen mit den meisten Nutzern und dem höchsten Sanierungsbedarf konzentriert. „Die anderen Hallen hätten es genau so nötig“, erkannte der Oberbürgermeister an. Aber in der Nähe zu der Badstraßenhalle gebe es die Walter-Lindner-Sporthalle als Alternative. „Die ist schon voll“, entgegnete Höfle.
Der Gemeinderat stimmte aber schließlich geschlossen dafür, die Fördermittel für die Hallen in Hirsau und Altburg zu beantragen.