Dass Außenlandungen von Segelflugzeugen gewöhnlich und sicher sind, zeigt Anton Harzer von der Fliegergruppe Freudenstadt.
Immer wieder ist in den Medien zu lesen, dass Segelflugzeuge notgelandet sind. Im Großteil der Fälle ist das aber nicht der korrekte Begriff, da die Segelflieger Landungen auf einem Acker oder Wiese als Außenlandung bezeichnen. Auch sind Außenlandungen mit dem Segelflugzeug nach dem Luftverkehrsgesetz rechtlich zulässig und befreien vom grundsätzlichen Flugplatz- und Landezwang.
Da Segelflugzeuge über keinen Antrieb verfügen und damit eine Erreichbarkeit der nächsten offiziellen Landemöglichkeit nicht immer gewährt sein kann, stellen Außenlandungen von Segelflugzeugen prinzipbedingt keinen Ausnahmefall dar und sind Teil der Ausbildung zum Segelflugzeugpiloten. Eine solche Landung kann immer dann nötig werden, wenn die nutzbaren Aufwinde nicht mehr ausreichen, um den Flug fortzusetzen, und wenn kein geeigneter Flugplatz in Reichweite ist.
Genau das ist Anton Harzer von der Fliegergruppe Freudenstadt nach 500,29 Kilometern passiert. Mit dem Ventus C des Vereins, der eine Spannweite von 17,6 Metern hat, rollte er auf einem Acker in Wittendorf, direkt neben dem Koberhof aus. Im Regelfall hätten die rund 2600 Meter Flughöhe beim Abflug in Nähe Donaueschingen gut zum Direktanflug nach Musbach gereicht. Doch dann bremste Gegenwind von rund 20 Stundenkilometern den Anflug aus. Zudem stellten die Aufwinde nach und nach ihre Arbeit ein. So entschied sich Harzer zur Außenlandung bei Wittendorf.
Der Acker unter ihm sah perfekt aus. Und wie in der Ausbildung gelernt, flog der Ventus-C-Pilot den Acker mit einer Platzrunde im Gegenanflug, Queranflug und Endteil an. Damit kann ganz klar der Flugweg eingeschätzt werden. Alles passte. Der Wind kam genau von vorne, der frisch mit Mais angesähte Acker stieg leicht an. Keinerlei Hindernisse und Personen befanden sich im Anflugbereich. Sacht setze das Segelflugzeug auf, um nach einer Flugzeit von fünf Stunden und 39 Minuten ohne Kratzer auszurollen.
„Ich bin abgesoffen“
In der Fachsprache der Segelflieger heißt das schlicht: „Ich bin abgesoffen.“ Schaden auf dem Feld gab es so gut wie keinen. Auch für diesen Fall besitzen die Flugzeuge eine Versicherung, die auch Flurschäden abdecken. Harzer hatte sich auch für diesen Acker entschieden, daneben ein asphaltierter Feldweg lag, der für die für die Rückholung des Flugzeugs genutzt werden konnte.
Folgend machte sich der 20-jährige Harzer auf den Weg zum rund 200 Meter entfernten Hof, um Bauer Ulrich Kober über seine Landung zu informieren. Der war überaus hilfsbereit, um mit weiteren Wittendorfer Bürgern den Flieger aus dem Feld zum Asphaltweg zu schieben. „Da wird Hilfsbereitschaft noch groß geschrieben“- freute sich Harzer über die herzliche Gastfreundschaft.
Wie stark das Interesse der Menschen zu diesem Thema ist, belegt die Tatsache, das ein von Kober hochgeladenes Video auf Instagram bereits 140.000 Mal aufgerufen wurde.
Wichtig ist bei Streckenflügen, dass die Piloten immer vorausschauend fliegen, um stets eine sichere Landemöglichkeit zu finden. Unfälle passieren meist nur dann, wenn ein Pilot mehrere Fehleinschätzungen getätigt hat. Denn Durchstarten ist im Fall der Fälle mit einem reinen Segelflugzeug nicht möglich. Harzer fliegt seit seinem 14. Lebensjahr und war bereits 450 Flugstunden in der Luft.