Der Technologietag bei der Firma Stein in Niedereschach bietet Fachpublikum die Möglichkeit zum Austausch. Foto: Simone Neß

Wenn die Produktionshalle zur Hausmesse wird, ist Technologietag bei der Firma Stein in Niedereschach. Das Event ermöglicht den Austausch über aktuelle Trends.

Sie ist über 60 Meter lang, knapp 13 Meter breit und umfasst eine Höhe von etwa vier Metern – die fertige Kundenanlage erstreckt sich fast über die komplette Länge der Produktionshalle. Künftig soll sie dazu dienen, Elektroschrott automatisiert zu recyceln. Beim Technologietag von Stein Automation in Niedereschach wird sie zum Blickfang und Demonstrationsobjekt zugleich.

 

Der steigende Automatisierungsdruck kommt nicht von ungefähr: Fachkräfte fehlen, gleichzeitig steigen Energie- und Produktionskosten. Für viele Unternehmen wird die Frage drängender, wie sich Prozesse effizienter und flexibler gestalten lassen.

Die Firma Stein entwickelt Transfersysteme für die Montage. Mit den Anlagen können Kunden aus unterschiedlichen Branchen ihre Produkte automatisiert von einer Station zur nächsten transportieren lassen.

Gegründet wurde das Unternehmen 1969 von Josef Stein. Anfang 2024 zog der Betrieb von Villingen-Schwenningen in das Gewerbegebiet nach Niedereschach. Seit 1. August 2025 fungiert Armin Doser als Geschäftsführer.

Zweimal im Jahr

Der Technologietag hat bei Stein seit vielen Jahren einen festen Platz im Veranstaltungskalender. Zweimal im Jahr – einmal im Frühjahr und einmal im Herbst – öffnet das Unternehmen seine Türen für Kunden, potenzielle Neukunden aber auch Partner aus der Branche, die sich an einem kleinen Messestand präsentieren. „Der Technologietag ist wie eine kleine Hausmesse“, fasst Armin Doser zusammen.

Hier wird das Ausmaß der 62 Meter langen Anlage deutlich. Foto: Simone Neß

Zum ersten Mal vertreten ist das Ferdinand-Steinbeis-Institut aus Stuttgart. Werner Steck und Daniel Burkhardt arbeiten dort an einem KI-gestützten Tool, das künftig Mitarbeiter bei Maschinenstörungen unterstützen soll. Und das „ohne, dass man nachts den Geschäftsführer aus dem Bett klingeln muss“, sagt Werner Steck und lacht. Das System soll Wissen bündeln und es für alle Mitarbeitenden zugänglich machen sowie sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz kontinuierlich weiterentwickeln. Statt im Handbuch zu suchen, sollen Fehler künftig schneller behoben werden können. Durch den Technologietag erhoffen sich die beiden Männer Austausch mit Branchenvertretern und Rückmeldungen zu ihrem Projekt.

Daniel Burkhardt (links) und Werner Steck vom Ferdinand-Steinbeis-Institut sind das erste Mal beim Technologietag zu Gast. Foto: Simone Neß

Auch Tobias Weber von der Firma Wörner ist erstmals als Partner dabei. Das Unternehmen entwickelt Anhalte- und Positioniermodule in der Automatisierungstechnik und arbeitet schon lang mit Stein zusammen. Für Tobias Weber ist der Technologietag vor allem eines: eine „super Gelegenheit“ zum Austausch innerhalb der Branche.

Fachvorträge bilden weiter

Ergänzt wird das Programm durch verschiedene Fachvorträge, die „Wissen weitergeben und einen Nutzen für die Kunden generieren“ sollen, betont der Geschäftsführer. Diesmal erfahren die Teilnehmer beispielsweise, wie das eigene Unternehmen bei ChatGPT, Google und Co. sichtbarer wird.

Bei Fachvorträgen geht es um aktuelle Entwicklungen in der Branche. Foto: Simone Neß

Rund 30 Gäste haben sich angemeldet, gemeinsam mit den Partnern nehmen etwa 50 Personen teil – eine Zahl, die künftig noch weiter wachsen darf, sagt Armin Doser.

Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland und vertreten die unterschiedlichsten Branchen. Während Stein bislang stark für die Automobilbranche tätig war, ist das Unternehmen inzwischen breiter aufgestellt und fertigt Transportsysteme für verschiedene Branchen. Einen künftigen Schwerpunkt sieht die Geschäftsführung im Bereich der Medizintechnik.

Rund 50 Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, sich beim Technologietag in Niedereschach auszutauschen. Foto: Simone Neß

Die Vielfalt zeigt sich bei einem Rundgang durch die Produktionshalle. Hier entstehen Anlagen, auf denen künftig Antriebsmotoren für Lüfter des Unternehmens EBM-Papst gefertigt werden oder Schlösser für einen Maschinenbauer, wie Stefan Heinichen, Control Engineering Manager, erklärt.

Auf dieser Anlage sollen künftig Antriebsmotoren für Lüfter der Firma EBM-Papst gefertigt werden. Foto: Simone Neß

Elektroschrott recyceln

Höhepunkt des Rundgangs ist aber die 62 Meter lange Anlage, bei der das Stein-Link-Shuttlesystem zum Einsatz kommt. Auftraggeber ist das Helmholtz-Institut Freiberg in Sachsen, das sich auf Ressourcentechnologie spezialisiert hat. Mit diesem Projekt hat sich Stein auf neues Terrain begeben und sein klassisches Transfersystem weiterentwickelt. „Vor ein paar Jahren hätten wir nicht gedacht, dass eine unserer Anlagen künftig genutzt wird, um Elektroschrott zu recyceln“, sagt Senior Sales Manager Jochen Wurm. Doch das Projekt, an dem die Firma lange gearbeitet habe, zeige, wie innovativ man sein muss, um sich weiterzuentwickeln. Auch Armin Doser plädiert dafür, die Scheuklappen aufzumachen. „Man muss den Blick einfach weiten“, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Das Weinglas auf einem der Shuttle demonstriert, wie reibungslos der Transport funktioniert. Foto: Simone Neß

Noch am selben Tag beginnt der Abbau der Anlage, damit sie in der darauffolgenden Woche auf den Weg zum Kunden gehen kann.