Schlechte Nachricht aus Dornhan: Über ein Unternehmen mit langer Geschichte wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Wir haben mit dem Geschäftsführer gesprochen.
In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten lassen auch im Kreis Rottweil immer mehr Nachrichten von Unternehmen, die in finanzielle Schieflage geraten oder zum Personalabbau gezwungen sind, aufhorchen.
In Dornhan steht jetzt ein ganz besonderes Unternehmen mit dem Rücken zur Wand. Die Produkte, die hier hergestellt werden, vereinen echtes Traditionshandwerk und höchste Ansprüche.
Die Spezia Lederwaren GmbH hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weit über die Region hinaus einen Namen gemacht. Hochwertige Schreibunterlagen, auch maßangefertigt, sowie Dokumentenmappen und Etuis aus Leder sind das Spezialgebiet des Unternehmens.
Firma ist zahlungsunfähig
Doch die Veränderungen im Handel sorgen jetzt für eine ernste Krise: Zum 1. Dezember wurde am Amtsgericht Rottweil das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Christian Zschocke aus Villingen-Schwenningen bestellt. Insolvenzgläubiger werden aufgefordert, Insolvenzforderungen bis zum 5. Februar beim Insolvenzverwalter schriftlich anzumelden.
Wir erreichen Geschäftsführer Ralf Pfeifle telefonisch, der die Lage einordnet. Die Situation sei überaus schwierig, sagt er. Der Handel habe sich zuletzt „sehr zurückhaltend gezeigt.“ Das heißt: Große, regelmäßige Kunden hätten in diesem Jahr keinen Auftrag platziert. Dabei sei gerade das Weihnachtsgeschäft für diese Produkte elementar, so Pfeifle. Doch derartige hochwertige Luxusgüter hätten es derzeit schwer.
Dabei hat das Unternehmen schon einen gewaltigen Wandel überstanden. Die vor mehr als 70 Jahren gegründete Firma Spezia produzierte hochwertige, spezielle „Lederwaren für den Geschäftsmann“, als es noch keine Importe gab und Leder das vorherrschende Material war. In den 1960er-Jahren beschäftigte die Firma mehr als 150 Menschen.
Als Lederwaren-Importe immer stärker nach Deutschland drängten und die Nachfrage sank, verringerte sich auch die Mitarbeiterzahl. In der heutigen Rechtsform wurde Spezia 1998 von Siegfried Wößner gegründet und im Jahr 2013 vom heutigen Geschäftsführer Ralf Pfeifle übernommen.
Ums Überleben kämpfte das Unternehmen auch in der Coronazeit, als der Handel einbrach und viele Aufträge wegfielen. Schnell stellten Pfeifle und seine Mitarbeiter die Produktion teilweise auf Masken um.
Ein Funken Hoffnung
Jetzt zwingen die Rahmenbedingungen die Firma erneut in die Knie. Aktuell seien noch neun Personen im Unternehmen beschäftigt, sagt Ralf Pfeifle, etliche in Teilzeit. Ob und wie es weitergehen kann, sei zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen.
Ein Fünkchen Hoffnung hat der Geschäftsführer noch für das Traditionsunternehmen in Dornhan: Aktuell führe man noch Gespräch über mögliche Kooperationen. Doch wenn das nichts wird, sehe es nicht gut aus. Ob Qualität und Handwerkskunst auch in diesen Zeiten überleben können, müssen nun die nächsten Tage und Wochen zeigen.