Ein Brand in Bad Herrenalb zwang Bewohner zur Evakuierung. Sie fanden Schutz im Kurhaus. Inmitten der Hektik zeigt eine besondere Begegnung, wie Zusammenhalt in der Not aussieht.
Es war ein Donnerstagabend, der für die Bewohner der Kurpromenade mit einem jähen Ende der wohlverdienten Ruhe begann. Als gegen 21.45 Uhr die Sirenen die Stille durchschnitten und das Flackern von Blaulicht die Wohnzimmerwände erhellte, war für viele Bewohner sofort klar: Das ist kein Fehlalarm.
Was als Brand auf einem Balkon im zweiten Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses begann, entwickelte eine gefährliche Dynamik. Die Flammen reckten sich gierig empor und griffen auf das darüberliegende dritte Obergeschoss sowie teilweise auf den Dachstuhl über. Für die Feuerwehr Bad Herrenalb unter der Leitung von Kommandant Martin Fackiner begann ein Wettlauf gegen die Zeit.
21 Bewohner mussten Haus verlassen
Unterstützt durch Wassermeister Stefan Nofer, der strategisch günstige Wasserentnahmepunkte für die Schläuche benannte, kämpften die Einsatzkräfte gegen die weitere Ausbreitung. Trotz der brenzligen Lage gelang es der Wehr, das Feuer zeitnah zu begrenzen.
Während draußen die letzten Glutnester gelöscht wurden, verlagerte sich der Schwerpunkt des Einsatzes auf das soziale Wohl der 21 evakuierten Bewohner. Bei kühlen sieben Grad verwandelte sich das Kurhaus in einen unerwarteten Hafen der Menschlichkeit. Hierhin wurden die Betroffenen gebracht, um sie vor der Kälte und dem Chaos zu schützen. Ildiko Brechner, zuständig für die technische Unterstützung im Kurhaus, erinnert sich: „Ich war zu Hause gerade am Kochen, als der Notruf kam.“ Und so verwandelte sie schnell das Foyer des Kurhauses in einen warmen Zufluchtsort.
Es war eine surreale Szene: Anspannung lag in der Luft, doch gepaart mit einer bemerkenswerten Gelassenheit. Man rückte zusammen, tauschte sich aus und fand Trost bei einem Schluck Wasser oder einem Müsliriegel, gereicht von den Kräften des DRK Bad Herrenalb, Schömberg und Altensteig. Auch Bürgermeister Klaus Hoffmann war vor Ort, ging von Tisch zu Tisch und nahm den Menschen mit ruhigen Worten die größte Angst.
„Peppi“ und seine Hüterin: Symbol für Zusammenhalt
Inmitten dieser Szenerie zog ein besonderes Duo alle Blicke auf sich: Eva-Maria Pape und ihr Nymphensittich „Peppi“. Ganz entspannt saß Pape auf einem hölzernen Schlitten, der von den Feierlichkeiten der Skizunft noch im Kurhaus stand, direkt vor ihrer großen Voliere.
Es ist das Zuhause des 26-jährigen Nymphensittichs. „Den habe ich bei Hertie in Karlsruhe erworben, just bevor das Kaufhaus geschlossen wurde“, berichtet Pape, für die der plötzliche Umzug eine völlig neue Erfahrung war. Dass Peppi so ruhig in seiner Voliere saß, spricht für eine tiefe Vertrauensbasis zu Eva-Maria Pape.
Die vertraute Stimme seiner „Hüterin“ gab ihm in dieser Stresssituation die nötige Sicherheit. Nymphensittiche sind Fluchttiere; sie brauchen ihre feste Bezugsperson und eine Umgebung, in der sie sich wohlfühlen. Trotz des Umzugs blieb der kleine Vogel gelassen.
Feuerwehrmann kümmert sich um Haustier
Rückblickend beschreibt Pape die Situation: „Ich habe schon einmal eine Runde geschlafen, weil ich so müde war“, erzählt Pape leise, während sie auf ihren Vogel blickt. „Als ich das Blaulicht sah und die Hektik draußen bemerkte, dachte ich nur: Was ist denn jetzt wieder los? Aber dann kam die Hilfe.“
Als es im Treppenbereich des Mehrfamilienhauses hektisch wurde und die Evakuierung begann, war es ausgerechnet ein Feuerwehrmann, der sich rührend um den gefiederten Gast kümmerte. Er trug Peppi sicher ins Kurhaus und gab der Besitzerin das Versprechen: „Ich bringe ihn sicher wieder zurück.“
Wie eine Gemeinschaft in der Not zusammenhält
Es sind diese kleinen Momente, der behutsame Umgang der Einsatzkräfte mit einem tierischen Familienmitglied, die Wärme des Kurhauses und das aufmunternde Gespräch unter Nachbarn, die zeigen, wie eine Gemeinschaft in der Not zusammenhält.
Nachdem die letzten Glutnester im Dachstuhl gebannt waren, durften die meisten Bewohner die Erleichterung spüren: Die Rückkehr in die eigenen vier Wände wurde ermöglicht mit Ausnahme einer Wohneinheit. Und für Eva-Maria Pape und ihren Peppi dürfte die Rückkehr in die vertraute Wohnung die schönste Nachricht des Abends gewesen sein.