Mitglieder der Villingendorfer Wehr verfolgen interessiert die Gemeinderatssitzung. Foto: Schmidt

Das neue Feuerwehrhaus in Villingendorf provoziert Fragen. Ein Bürger reichte gleich mehrere Stellungnahmen ein.

Der Bebauungsplan für das geplante Feuerwehrgerätehaus wurde im Gemeinderat vorgestellt. Im Mittelpunkt standen dabei die Stellungnahmen der Behörden sowie eingegangene Einwendungen aus der Bürgerschaft, die von Bob Rikken vom Büro Gförer Ingenieure (Empfingen) und Bürgermeister Marcus Türk erläutert und eingeordnet wurden.

 

Mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgten Feuerwehrangehörige diesen Tagesordnungspunkt im Ratszimmer. Schließlich geht es um ihre künftige Heimat.

Nach der frühzeitigen Beteiligung im Dezember gingen Stellungnahmen unter anderem von Polizeipräsidium, der Naturschutzbehörde und dem Umweltamt ein. Themen waren Verkehrssicherheit, Lärmschutz, Entwässerung sowie Ausgleichsmaßnahmen. Laut Rikken wurden diese Hinweise in die Planung eingearbeitet.

Die Kosten

Besonders ausführlich äußerte sich ein Bürger, der den geplanten Neubau grundsätzlich hinterfragte. Aus seiner Sicht stelle sich die Frage, ob ein Gebäude nach allen aktuellen Standards zwingend erforderlich sei – insbesondere mit Blick auf die geschätzten Kosten von rund fünf Millionen Euro. Marcus Türk widersprach: Ohne Einhaltung der einschlägigen Normen – etwa der DIN 14092 für Feuerwehrhäuser – seien Fördermittel nicht erhältlich. Zudem sei es selbstverständlich, einen Neubau nach aktuellen, technischen und sicherheitsrelevanten Standards zu errichten.

Die Größe

Die geplante Größe des Gebäudes stieß ebenfalls auf Kritik. Der Bürger verwies auf eine Grundfläche von rund 750 bis 790 Quadratmeter und zog einen Vergleich zur Feuerwehr in Rottweil, deren Neubau rund acht Millionen Euro gekostet habe. Angesichts knapper Gemeindefinanzen halte er diese Dimensionen für überzogen.

Laut Bürgermeister handele es sich bei den genannten Flächen jedoch lediglich um einen groben Richtwert. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus.

Der Standort

Ein weiterer zentraler Punkt stellte für den Bürger die Standortwahl dar. Während sich die Planung auf den Standort „Wiesenweg“ konzentriert, sprach sich der Bürger für eine Alternative in der Hochwaldstraße aus. Diese sei bereits im Besitz der Gemeinde, gut erreichbar und verkehrlich geeignet. Marcus Türk sieht das anders. Aufgrund der Ortsrandlage und topographischer Gegebenheiten sei dieser Standort als zentraler Notfalltreffpunkt für die Bevölkerung schwerer zu erreichen.

Die Verkehrssituation

Kritisch wurde außerdem die Verkehrssituation am favorisierten Standort bewertet. Der Bürger befürchtet, dass die Einsatzfahrzeuge gezwungen sein könnten, mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Tempo-30-Zonen zu fahren, wodurch Sicherheitsrisiken entstünden.

Schultes Türk entgegnete, dass solche Situationen unabhängig vom Standort auftreten könnten. Feuerwehrfahrzeuge müssten sich grundsätzlich im Rahmen der Straßenverkehrsordnung bewegen – auch im Einsatzfall.

Der Kommandant

Zum Abschluss der Bewertung erhielt Feuerwehrkommandant Robert Flaig das Wort. Er unterstrich, dass Tempo-30-Zonen im gesamten Ort die Regel seien – unabhängig vom Standort des Feuerwehrhauses. Entscheidend sei daher stets das verantwortungsvolle Fahrverhalten im Einsatz.

Die Feuerwehr halte sich an die Straßenverkehrsordnung, betonte Flaig. Vorfahrten würden nicht erzwungen, sondern mit der nötigen Vorsicht wahrgenommen. Auch an Kreuzungen oder Ampeln werde nicht blind gefahren, sondern nur dann weitergefahren, wenn die Situation es zulasse.

Zudem seien die Einsatzfahrzeuge aufgrund ihrer Größe und der örtlichen Gegebenheiten im Umfeld des Wiesenwegs ohnehin kaum in der Lage, deutlich schneller als erlaubt zu fahren.

Eine Alternative

Als Alternative brachte der Bürger zudem den bisherigen Standort im Schellenwasen ins Spiel und plädierte dafür, sich auf das Notwendigste zu beschränken. Nach Einschätzung der Verwaltung ist jedoch selbst ein Mindeststandard dort nicht realisierbar, so dass ein Neubau an einem neuen Standort notwendig bleibe.

Der Gemeinderat

Ungeachtet der vorgetragenen Bedenken nahm der Gemeinderat die Stellungnahmen der Behörden sowie die Einwendungen zur Kenntnis und billigte den überarbeiteten Planentwurf einstimmig.

Die Wertschätzung

Trotz seiner Kritik betonte der Bürger ausdrücklich seine Wertschätzung für die Arbeit der Feuerwehr. Ziel sei es nicht, das Engagement der Einsatzkräfte infrage zu stellen, sondern eine finanzierbare und verhältnismäßige Lösung zu finden.